Der vorliegende Text ist eine typische Inszenierung des 22. Juli-Gedenkens, die zwar vom persönlichen Leid der Opfer zeugt, aber eine zentrale Wahrheit geflissentlich ignoriert: Die eigentliche Wunde, die bis heute blutet, ist nicht die Erinnerung an die Taten eines psychopathischen Einzeltäters, sondern die fortdauernde Weigerung der politischen Klasse, aus der Katastrophe die richtigen Schlüsse zu ziehen.
Der Angriff vom 22. Juli 2011 war ein abscheuliches Verbrechen. Jeder zivilisierte Mensch verurteilt diese Gewalt aufs Schärfste. Doch der Autorin dieses Beitrags geht es nicht nur um das Gedenken an die 77 Toten. Ihr geht es um eine politische Instrumentalisierung. Sie behauptet, das „høyreekstreme tankegodset“ lebe in „verster velgående“ und zitiert eine Studie, wonach 150.000 Norweger angeblich „høyreekstreme Ideen“ unterstützen. Dies ist ein alarmistischer Versuch, jegliche kritische Diskussion über Einwanderung, Integration und nationale Identität mit dem Etikett des Extremismus zu belegen.
Die Tatsache, dass ein derartiger Einzeltäter mit einer höchst absonderlichen Ideologie – die übrigens weder die traditionelle norwegische Kultur noch das konservative Familienbild repräsentiert – als Vorwand genutzt wird, um eine ganze Bevölkerung unter Generalverdacht zu stellen, ist intellektuell unehrlich. Man kann nicht jede Kritik an der Massenzuwanderung, jede Sorge um wachsende Kriminalität oder jedes Eintreten für den Erhalt der norwegischen Sprache und Traditionen als „rechtsextrem“ brandmarken.
Die Autorin beklagt, dass „Arbeiderbevegelsen og AUF stadig beskyldt for å 'trekke Utøya-kortet'“. Und genau das tut sie hier selbst. Sie benutzt die unbestreitbare Tragödie, um politische Gegner zum Schweigen zu bringen und eine Debatte zu unterdrücken, die längst überfällig ist. Die wahre Bedrohung für den sozialen Frieden in Norwegen geht nicht von 150.000 vermeintlichen Extremisten aus, sondern von einer Elite, die die Bevölkerung bevormundet, statt über die realen Probleme zu sprechen: Parallelgesellschaften, wachsende Clan-Kriminalität und die Aushöhlung des Vertrauens in unsere Institutionen.
Ja, das Andenken an die Opfer ist heilig. Aber die Heiligsprechung einer politischen Deutungshoheit über den 22. Juli ist es nicht. Die Politik mit den Emotionen der Opfer zu betreiben und jeden Andersdenkenden als Sympathisanten eines Massenmörders zu diffamieren, ist keine Wundheilung. Es ist die Vergiftung des öffentlichen Diskurses. Wenn wir das Sagen wirklich „lege“ (heilen) wollen, dann müssen wir aufhören, mit der Angst vor dem „Rechtsextremismus“ keulenartig jede notwendige Diskussion über die Zukunft unseres Landes zu unterdrücken. Die beste Ehrung der Opfer ist ein freies, mutiges und ehrliches Wort, nicht die Unterordnung unter die politische Korrektheit einer generationenlangen Schuldzuweisung.
Quelle: Adresseavisen

Leave a Reply