Fast zwölf Tage am Gurtbett – das ist keine Therapie, sondern ein Eingeständnis des Versagens. Am Akershus universitetssykehus wurde ein Patient nach einem Bericht des Sivilombudet fast zwölf Tage lang fixiert. Die Aufsichtsbehörde übt daran deutliche Kritik. Wer solche Zahlen liest, muss sich fragen, ob hier noch Menschen behandelt oder nur noch verwahrt werden.
Eine Fixierung kann in einer akuten Krise unvermeidbar sein, um Patient und Personal zu schützen. Fast zwölf Tage sind jedoch keine Akutmaßnahme mehr, sondern Routine. Eine solche Dauer macht aus einer Schutzvorkehrung eine freiheitsentziehende Unterbringung. Sie nimmt einem Menschen Bewegung, Privatsphäre und Selbstbestimmung. Kein Behandlungsplan rechtfertigt das. Dass erst der Bürgerbeauftragte einschreiten muss, zeigt, dass die interne Kontrolle versagt hat.
Das traditionelle Verständnis von Pflege sah in der Sorge für Schwache eine Pflicht, bei der Angehörige und das lokale Umfeld als Zeugen dienten. Moderne Großkliniken behandeln Patienten dagegen leicht als Fälle. Angehörige werden oft mit Verweis auf Schweigepflicht oder fachliche Zuständigkeit auf Abstand gehalten. Das Ergebnis ist, dass die Schutzlosesten einem System überlassen werden, das Qualität nach Checklisten misst und nicht nach menschlicher Begegnung.
Der Bericht darf nicht folgenlos bleiben. Verantwortliche Ärzte und Leitungskräfte müssen benannt und zur Rechenschaft gezogen werden. Ein Krankenhaus, das menschenwürdige Behandlung nicht sicherstellen kann, verdient kein zusätzliches Geld ohne strenge Auflagen. Angehörige sind keine Störer, sondern die letzte Verteidigungslinie für einen Patienten, der nicht für sich selbst sprechen kann.
Wer solche Zustände kritisiert, ist kein Feind der Psychiatrie. Transparenz ist keine Stigmatisierung, sondern die Voraussetzung für Vertrauen. Wer sich hinter fachlicher Autonomie versteckt, schützt Institutionen, nicht Patienten. Die Öffentlichkeit hat ein Recht zu erfahren, wie der Gesundheitsdienst mit denen umgeht, die sich nicht wehren können.
Quelle: NRK

Leave a Reply