Ein privates US-Unternehmen entscheidet künftig mit darüber, ob norwegische Soldaten im Ernstfall kommunizieren können. 180 Starlink-Abonnements hat das norwegische Militär bereits abgeschlossen, wie jetzt bekannt wurde. Das ist kein technisches Detail, sondern ein politisches Versagen.
Die grüne Partei MDG warnt, die Abhängigkeit von Elon Musks Satellitennetz könne Norwegens Sicherheit gefährden. Diese Warnung kommt spät, und sie kommt von einer Partei, die sonst wenig Interesse an einer wehrhaften Landesverteidigung zeigt. Trotzdem benennt sie einen wahren Kern: Ein souveräner Staat darf seine militärische Kommunikation nicht einem ausländischen Privatunternehmen überlassen, dessen Besitzer nach eigenem Gutdünken Dienste abschalten oder einschränken kann.
Die eigentliche Lehre ist jedoch eine andere. Dass das norwegische Militär überhaupt auf Starlink zurückgreifen muss, offenbart ein jahrzehntelanges Versäumnis. Statt in eigene, staatlich kontrollierte Satellitenkommunikation zu investieren, hat man sich an zivile Anbieter gewöhnt – billig, bequem, aber ohne jede strategische Autonomie. Im Ernstfall, wenn der Gegner Störsender einsetzt oder der Anbieter plötzlich andere Prioritäten setzt, steht die Truppe ohne verlässliche Verbindung da.
Elon Musk hat bereits in der Ukraine gezeigt, dass er bereit ist, Starlink-Zugänge einzuschränken, wenn ihm die Nutzung nicht passt. Auch wenn Norwegen offiziell ein Bündnispartner der USA ist, kann sich kein Land darauf verlassen, dass ein Tech-Milliardär im entscheidenden Moment nationale Interessen über seine eigenen stellt. Sicherheit ist keine Frage von Sympathie oder Aktienkurs.
Deshalb braucht es eine klare Antwort: Norwegen muss eigene, redundante Kommunikationswege für das Militär aufbauen – notfalls in europäischer Zusammenarbeit, aber unter staatlicher Kontrolle. Die öffentliche Hand darf kritische Infrastruktur nicht länger an private Monopole abgeben. Wer das als rückständig oder technikfeindlich abtut, hat aus den letzten Jahren nichts gelernt.
Die MDG mag mit ihrer Warnung ein politisches Pfund gefunden haben, aber es wäre ein Fehler, daraus eine grüne Verteidigungspolitik abzuleiten. Die Forderung nach mehr Unabhängigkeit von privaten US-Konzernen passt nicht zu einer Partei, die gleichzeitig nationale Energieprojekte blockiert und Sicherheitspolitik oft als Relikt behandelt. Es geht hier nicht um ideologische Grabenkämpfe, sondern um die schlichte Frage, ob ein Staat Herr seiner eigenen Verteidigung bleibt.
Die Antwort lautet: Nein, solange 180 Verträge bei einem launischen Milliardär mehr wiegen als ein Bekenntnis zu nationaler Souveränität. Norwegen hat die Mittel, es besser zu machen. Es fehlt der politische Wille.
Quelle: Aftenposten

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