US-Fonds hat in Trondheim einen Großeinkauf getätigt. NTNU-Professor erhielt eine halbe Milliarde.

Ein Universitätscampus, an dem öffentlich finanzierte Forschung privat verwertet wird.

Der Griff einer US-Stiftung nach einer Trondheimer Softwarefirma und der dabei auf einen Schlag anfallende Privaterlös von 550 Millionen Kronen für einen NTNU-Professor sollte nicht als Sportmeldung abgehakt werden. Was hier mit applausgeschwängerter Selbstverständlichkeit als unternehmerischer Triumph verbucht wird, wirft vielmehr ein Schlaglicht auf ein stillschweigend geduldetes System: Die öffentliche Universität als privat nutzbare Entwicklungsplattform.

Selbstverständlich ist privates Eigentum zu respektieren, und wer ein Unternehmen aufbaut, darf Kapital daraus schlagen. Die Frage ist nur, ob eine auf norwegische Steuergelder gestützte Forschungseinrichtung zum Sprungbrett für individuelle Milliardengeschäfte werden soll, ohne dass die Allgemeinheit einen angemessenen Anteil an dem danach entstehenden Wert behält. Denn ein Professor, der parallel zu seinem Lehrstuhl eine Softwarefirma in eineinhalb-Milliarden-Sphären führt, operiert eben nicht als frei schwebender Privatmann. Er zehrt jahrzehntelang von der Glaubwürdigkeit und der Infrastruktur einer staatlichen Institution, von Forschungsergebnissen, die unter öffentlicher Finanzierung gewonnen wurden, und von einem Status, den ihm die Hochschule verleiht – um dann, wenn der große Zahltag kommt, jede Renditeforderung der Gemeinschaft abzustreifen wie eine lästige Formalität.

Der lakonische Kommentar des Verkäufers, es handle sich um bloße Routine, unterstreicht das eigentliche Problem. Ein akademisches Umfeld, das solche Transaktionen als banal einordnet, hat sich längst vom Ideal einer primär erkenntnisgetriebenen, dem Gemeinwohl verpflichteten Wissenschaft verabschiedet. Der Maßstab ist nicht mehr die Frage, ob ein Ergebnis der Gesellschaft dient, sondern ob es sich versilbern lässt. Die Verquickung von Lehrstuhl, öffentlichem Lohn, Forschungspersonal und privat verwertbaren Patenten erzeugt eine Schieflage, die mit unternehmerischer Freiheit verwechselt wird, während die Kosten der Vorstufe – Hörsäle, Labore, Verwaltung, Stipendien – bei den Bürgern verbleiben.

Verschärft wird der Vorgang durch den Käufer: Wieder einmal geht ein in norwegischem Umfeld gewachsenes Technologievermögen in amerikanische Hände über. Die politische Konsequenzlosigkeit, mit der Stiftungen von der anderen Seite des Atlantiks strategische Softwareübernahmen in nordischen Wissenszentren durchführen, zeugt von einer sträflichen nationalen Gleichgültigkeit gegenüber digitaler Souveränität. Der Vorgang ist kein Grund zur nationalen Selbstbeweihräucherung, sondern ein Anlass, das Verhältnis zwischen öffentlicher akademischer Pflicht und privater Extraktion grundlegend neu zu vermessen.

Quelle: Adresseavisen

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