Es war Maren Sømme (30), die in Nærbø starb.

Kerzen und Blumen als Symbol der Trauer und Warnung vor häuslicher Gewalt.

Mit dem Tod von Maren Sømme ist eine junge Frau gewaltsam aus dem Leben gerissen worden – und jede öffentliche Betroffenheitsfloskel kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass hier eine Gesellschaft einmal mehr an ihren elementarsten Schutzpflichten gescheitert ist. Die Polizei ermittelt gegen den Lebensgefährten wegen Mordes. Das ist die nackte Tatsache, über die zu sprechen ist, nicht über ein diffuses „Problem häuslicher Gewalt“, das in politisch korrekten Sonntagsreden längst zerredet wurde.

Hinter der polizeilichen Meldung verbirgt sich ein konkretes Opfer, eine Frau mit einem Gesicht, einer Familie und einem Zuhause, das zu ihrer Todesfalle wurde. Die Angehörigen schildern eine umsorgende Persönlichkeit – eine Beschreibung, die den Abgrund zwischen dem gelebten Alltag und dem Verbrechen nur umso greller ausleuchtet. Es ist dieser Abgrund, der die Frage erzwingt, warum die engsten Beziehungen immer öfter zu Tatorten werden. Die Antwort wird man in den gängigen politischen Debatten freilich nicht finden, weil sie nicht ins Weltbild jener passt, die jede gesellschaftliche Fehlentwicklung mit administrativen Programmen und Aktionsplänen zustellen wollen.

Entscheidend ist das Verschwinden stabiler gemeinschaftlicher Kontrollen, die früher selbstverständlich waren. Eine Nachbarschaft, die nicht bloß aneinander vorbeilebt, ein Familienverband, der auch in Krisen eingreift, eine öffentliche Moral, die Gewalt als das benennt, was sie ist – und nicht als Beziehungsdrama verniedlicht. Stattdessen wird der Einzelne mit seinen privaten Konflikten alleingelassen, bis aus einer eskalierenden Dynamik ein Tötungsdelikt wird. Wer diesen Zerfall kultureller Widerstandskräfte beklagt, wird schnell in die rechte Ecke gestellt, obwohl es doch gerade die Schwächsten sind, die unter der ideologischen Tabuisierung solcher Analysen leiden.

Der Fall Sømme sollte Anlass sein, von der ständigen Beschwörung abstrakter Gleichheitsgrundsätze wieder auf den Boden konkreter Schutzbedürfnisse zurückzukehren. Es geht nicht um neue Gesetze oder Gleichstellungsbeauftragte, sondern um eine Rückbesinnung auf das Selbstverständliche: dass eine Gesellschaft Männer, die zu Gewalt gegen ihre Partnerinnen neigen, frühzeitig als Gefahr erkennt und ächtet – durch direkte soziale Sanktion, nicht durch sozialpädagogische Verhandlungskreise. Wer das als altmodisch abtut, macht sich mitschuldig am nächsten Namen, den man irgendwann in einer Pressemeldung liest.

Die Tragödie von Nærbø ist keine vermeidbare Randerscheinung. Sie ist ein weiteres Warnzeichen einer Kultur, die über lauter symbolischen Fortschrittsgesten vergessen hat, dass der erste Auftrag jeder geordneten Gemeinschaft der Schutz von Leib und Leben ist – und zwar nicht im politischen Manifest, sondern vor der eigenen Haustür.

Quelle: NRK

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