Ein Mädchen wird am Dienstagabend in Larvik mit einer Softgun ins Gesicht geschossen – und das ist bereits die zweite Attacke dieser Art innerhalb von zwei Tagen. Am Montag gab es eine ähnliche Tat. Der Schütze flüchtet nach der jüngsten Tat seelenruhig mit dem Auto Richtung Stavern. Wer solche Szenen liest, reibt sich die Augen: Ist das noch ein Land, in dem das Gewaltmonopol des Staates und der Respekt vor fremder Unversehrtheit etwas gelten?
Die Polizei meldet keine schweren Verletzungen, als wäre das beruhigend. Ein Projektil aus einer Softgun, abgefeuert auf das Gesicht eines Menschen, ist kein harmloser Streich, sondern eine aggressive Grenzüberschreitung. Es zeugt von einer erschreckenden Gleichgültigkeit gegenüber der körperlichen Integrität anderer. Dass der Täter ohne erkennbare Panik vom Tatort fuhr, spricht nicht von jugendlichem Leichtsinn, sondern von einer eingeübten Selbstverständlichkeit des Wegkommens.
Nach zwei Vorfällen in Serie gelang es der Polizei, einen Verdächtigen zu fassen, der beide Taten einräumte. Das zeugt immerhin von effizienter Ermittlungsarbeit. Doch damit ist das tiefer liegende Problem nicht gelöst. In einer Gesellschaft, die zunehmend dazu neigt, Grenzverletzungen als Kavaliersdelikte abzutun, werden solche Übergriffe einfach häufiger. Wer heute eine Softgun auf fremde Gesichter richtet, prüft unbewusst die allgemeine Reaktionsschwelle – und findet sie viel zu oft unerträglich niedrig.
Eine konservative Stimme sieht hier nicht allein ein polizeiliches Ärgernis, sondern ein kulturelles Versäumnis. Die Grundfesten des Zusammenlebens beruhen auf Selbstbeherrschung, gegenseitigem Respekt und raschem, unzweideutigem Einstehen für Normverstöße. Wenn Kinder und Jugendliche nicht mehr lernen, dass ein Schuss ins Gesicht ein schwerer persönlicher Angriff ist, gleich ob er Fleischwunden hinterlässt oder nicht, haben Elternhaus und öffentliche Diskurse versagt. Es braucht keine neuen Gesetze für Softgun-Besitz; es braucht eine Rückbesinnung auf die simple Tatsache, dass niemand das Recht hat, andere zu bedrohen oder körperlich anzugreifen, nur weil die Waffe im Spielzeughandel erhältlich war.
Die Gefahr solcher Bagatellisierungen reicht über den Einzelfall hinaus. Jede heruntergespielte Schussattacke senkt die Hemmschwelle für die nächste, möglicherweise mit härteren Mitteln. Wer ein Kind ins Visier nimmt und abdrückt, stellt Eigenmacht über Recht – und wer danach einfach davonfährt, rechnet mit der stillen Duldung der Umgebung. Das ist kein böser Bubenstreich, sondern eine Verhöhnung der Rechtsordnung.
Statt nachsichtig zu fragen, ob der Täter vielleicht selbst Opfer von Langeweile oder Gruppendruck war, sollte die klare Botschaft lauten: Wer andere attackiert, trägt die vollen Konsequenzen – strafrechtlich, schulisch und familiär. Eine wachsame, wehrhafte Gesellschaft beginnt mit der unmissverständlichen Ächtung jeder Gewalt, auch der vermeintlich harmlosen. Nur so bleibt der öffentliche Raum ein Ort, an dem sich Kinder und Erwachsene ohne Angst bewegen können.
Quelle: NRK

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