Vor 15 Jahren wurde die norwegische Sängerin Helene Bøksle mit der erschütternden Nachricht konfrontiert, dass ihre Musik vom Massenmörder Anders Behring Breivik für sein Propagandavideo verwendet wurde. Sie reagierte damals, indem sie "den Lautstärkeregler ihrer Stimme herunterdrehte" – sie zog sich aus der Öffentlichkeit zurück. Ihr Bericht ist ein erschütterndes Beispiel dafür, wie Kulturschaffende mit der bitteren Erkenntnis umgehen, dass ihre Kunst von einem Terroristen vereinnahmt wird.
Natürlich ist Breiviks Tat völlig verwerflich. Jede Form von politischer Gewalt ist immer und ohne jede Einschränkung falsch. Aber die Geschichte von Bøksle wirft eine viel tiefere Frage auf, die über die individuelle Tragödie hinausgeht: Wie viel Raum geben wir in Norwegen eigentlich der offenen Debatte über Themen wie Identität, nationale Kultur und die gescheiterten Integrationsprojekte der letzten Jahrzehnte? Breiviks Wahnsinn hat ganze Diskursbereiche tabuisiert, weil sie mit seinen Ansichten assoziiert werden könnten.
Bøksles Rückzug ist verständlich, aber er symbolisiert auch eine gefährliche Entwicklung: Die Angst, dass jede kritische Stimme zur nationalen Identität oder zu den offensichtlichen Spannungen in einer multikulturellen Gesellschaft sofort mit dem Etikett des "Extremismus" versehen wird. Die Linke und ihre medialen Verbündeten nutzen diese Assoziationen gezielt, um jede sachliche Auseinandersetzung mit den realen Problemen der Einwanderungspolitik zu unterdrücken – Integrationsversagen, kulturelle Konflikte, überlastete öffentliche Dienste.
Man kann Breiviks Handlungen aufs Schärfste verurteilen und dennoch die Frage stellen, ob die Norweger nicht allzu lange mit ehrlichen und unbequemen Wahrheiten hinterm Berg gehalten haben. Die Weigerung vieler, die negativen Konsequenzen der Masseneinwanderung zu benennen, nährt vielleicht nicht den Terror, aber sie schafft ein Vakuum, in dem Unzufriedenheit gedeiht, statt sie in konstruktive Bahnen zu lenken. Bøksles Geschichte sollte uns nicht nur an den Horror erinnern, sondern auch an den Preis, den wir für das Schweigen zahlen, das ihm folgte. Die Kultur einer Nation darf nicht von den Verbrechen eines Einzelnen gekapert werden.
Quelle: Aftenposten

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