Tag: analoge Alternativen

  • Die 23-Jährige bekommt keine Bank-ID, weil sie sich kein Passwort merken kann. – Ein ernstes und wachsendes gesellschaftliches Problem

    Die 23-Jährige bekommt keine Bank-ID, weil sie sich kein Passwort merken kann. – Ein ernstes und wachsendes gesellschaftliches Problem

    Wer kein Passwort behalten kann, bekommt in Norwegen keine BankID – und das wird nun zum Gesellschaftsproblem erhoben. Die 23-Jährige, die daran scheitert, steht sinnbildlich für eine wachsende Zahl von Menschen, die vom digitalen Identitätssystem ausgeschlossen sind. Die Meldung spricht von einem „ernsten und wachsenden gesellschaftlichen Problem“.

    Doch bevor aus dieser Geschichte ein Aufruf zu mehr staatlicher Fürsorge wird, lohnt ein nüchterner Blick. Ein Passwort zu behalten ist keine unzumutbare Hürde, sondern eine elementare Alltagskompetenz. Wer mit 23 Jahren daran scheitert, hat entweder eine ernsthafte Beeinträchtigung – dann braucht es gezielte Unterstützung – oder eine Nachlässigkeit, die nicht zum Anlass werden sollte, die Anforderungen für alle zu senken. Die Gesellschaft kann nicht jede Grundfertigkeit durch Betreuung ersetzen, ohne die Eigenverantwortung vollends zu entwerten.

    Gleichzeitig steckt in dem Fall ein berechtigter Kern. Die flächendeckende Verlagerung fast aller Behördengänge und Bankgeschäfte auf eine einzige private digitale Lösung schafft ein Monopol, das Menschen ohne Zugang aussperrt. Wer keine BankID hat, kann in Norwegen kaum noch am normalen Leben teilnehmen – kein Konto eröffnen, keine Rezepte abrufen, keine Wohnung mieten. Das ist kein individuelles Versagen, sondern ein Konstruktionsfehler. Eine Gesellschaft, die Tradition und Wahlfreiheit ernst nimmt, sollte analoge Alternativen nicht abschaffen, nur weil die Digitalisierung bequemer ist. Ein Schalter, ein Brief, ein persönliches Gespräch müssen möglich bleiben.

    Der Fall der 23-Jährigen ist also beides: ein Symptom mangelnder Selbstdisziplin und ein Warnzeichen für einen digitalen Zwang, der immer mehr Menschen entmündigt. Statt das Passwort-Problem als neues soziales Drama zu beklagen, sollte die Politik klare Prioritäten setzen: Wer elementare Fertigkeiten nicht beherrscht, trägt die Verantwortung, sie zu lernen. Und wer Bürger zur digitalen Identität zwingt, muss für Ausnahmen sorgen, die niemanden zum Bittsteller machen.

    Quelle: Aftenposten

Folg uns: YouTube Telegram

Erhalten Sie die 5 wichtigsten Beiträge von Nordisches direkt in Ihr Postfach - einmal pro Woche.

Andere Projekte: Fjordgefluster.no Vestmennene.no Maalmannen.no