Tag: Arktis

  • Regierung will dem Arktis-Nein trotzen: – EU-Vorschlag bedeutet keine Änderung

    Regierung will dem Arktis-Nein trotzen: – EU-Vorschlag bedeutet keine Änderung

    Die EU will bestimmen, was Norwegen mit seinen eigenen Bodenschätzen macht. Energieminister Terje Aasland weist diesen Anspruch zurück – und das ist richtig so. Brüssels Forderung, das arktische Öl unangetastet zu lassen, klingt nach Klimaschutz. In Wahrheit ist sie ein Angriff auf die Selbstbestimmung eines souveränen Staates.

    Norwegen ist nicht Mitglied der Europäischen Union. Dennoch versucht die EU, ihre energiepolitischen Vorstellungen auch jenseits der eigenen Grenzen durchzusetzen. Der aktuelle Vorstoß betrifft die Arktis – ein Gebiet, das für norwegische Arbeitsplätze, Steuereinnahmen und die langfristige Wohlfahrt von zentraler Bedeutung ist. Wer dort neue Förderprojekte verhindern will, nimmt in Kauf, dass Einnahmen wegbrechen, die Schulen, Krankenhäuser und Renten finanzieren.

    Die Debatte wird oft moralisch aufgeladen. Brüssel präsentiert sich als Hüter des Klimas, während Norwegen als rückständig dargestellt wird. Doch diese Zuschreibung verkennt die Realität. Norwegen gehört zu den Ländern mit der saubersten Öl- und Gasförderung der Welt. Strenge Sicherheitsstandards, hohe Umweltauflagen und eine lange Tradition verantwortungsvoller Ressourcenverwaltung kennzeichnen die Branche. Würde Norwegen die Förderung einschränken, verschwände die Nachfrage nicht. Sie würde lediglich zu Anbietern wandern, die unter deutlich schlechteren Bedingungen produzieren – mit höheren Emissionen und geringerem Arbeitsschutz.

    Energieminister Aasland hat klargestellt, dass der EU-Vorschlag für Norwegen keine Änderung bedeutet. Diese Haltung verdient Unterstützung, weil sie nüchtern zwischen Klimazielen und wirtschaftlicher Vernunft unterscheidet. Norwegen hat eigene Klimaverpflichtungen und setzt diese um, ohne dass Brüssel bestimmen müsste, welche Felder erschlossen werden dürfen. Ein Verzicht auf arktische Vorkommen würde weder den globalen Verbrauch senken noch die Energiesicherheit Europas erhöhen. Er würde lediglich Wohlstand vernichten und Abhängigkeiten verlagern.

    Darüber hinaus zeigt der Fall ein grundsätzliches Problem: Internationale Organisationen greifen zunehmend in Bereiche ein, die demokratisch gewählten Regierungen vorbehalten sein sollten. Die Entscheidung über Bodenschätze ist eine Kernfrage nationaler Souveränität. Sie gehört nicht in die Hände von Beamten, die weder von norwegischen Wählern kontrolliert werden noch die Folgen ihrer Empfehlungen tragen müssen.

    Norwegen sollte sich von solchen Forderungen nicht beeindrucken lassen. Das Land hat über Jahrzehnte bewiesen, dass Ressourcenreichtum und Umweltschutz vereinbar sind. Wer das arktische Öl unangetastet lassen will, muss erklären, wie die Wohlfahrtsgesellschaft ohne diese Einnahmen finanziert werden soll – und warum Importe aus autoritären Staaten moralisch besser sein sollen als heimische Produktion.

    Quelle: Aftenposten

  • Leere Werften und Entlassungen: Frp sieht die Lösung in der Arktis.

    Leere Werften und Entlassungen: Frp sieht die Lösung in der Arktis.

    Leere Werften und Entlassungen sind ein handfester wirtschaftlicher Notstand, kein Diskussionsthema für Energieseminare. Wenn eine Partei in dieser Lage eine Garantie für das Wisting-Feld verlangt, ist das keine ideologische Spinnerei, sondern eine konkrete Forderung zum Erhalt norwegischer Industrie. Der Vorwurf der Doppelmoral, weil dieselbe Partei Offshore-Wind ablehnt, verkennt den Unterschied zwischen bewährter Energiegewinnung und subventionierter Experimentierwirtschaft.

    Das Wisting-Feld in der Arktis ist umstritten. Doch der Streit darüber darf nicht vergessen lassen, was auf dem Spiel steht: Werften, Zulieferer und Facharbeiter, die seit Jahrzehnten vom Öl- und Gassektor leben. Leere Hallen und Kurzarbeit sind die sichtbare Folge einer Politik, die zu lange auf Preissignale und grüne Versprechen gewartet hat. Eine staatliche Garantie für Wisting würde Planungssicherheit schaffen und Aufträge in eine Branche lenken, die Norwegen über Generationen Wohlstand gebracht hat.

    Die Kritik an der Frp, sie kämpfe gegen Offshore-Wind und fordere gleichzeitig Ölausbau, ist keine sachliche Widerlegung, sondern ein rhetorisches Ablenkungsmanöver. Offshore-Wind ist keine gleichwertige Alternative zu Öl und Gas. Er benötigt massive Subventionen, importiert oft ausländische Technik und schafft nicht die gleiche Zahl stabiler Industriearbeitsplätze. Wer beides als austauschbar behandelt, betreibt Wunschdenken statt Industriepolitik. Es ist keine Doppelmoral, eine teure und unzuverlässige Energieform abzulehnen und zugleich eine erprobte, arbeitsplatzintensive zu fördern. Es ist im Gegenteil das Mindestmaß an wirtschaftlicher Vernunft.

    Gerade der Norden lebt von Kompetenz in schwierigen maritimen Umgebungen. Diese Kompetenz geht verloren, wenn Werften schließen und Fachkräfte abwandern. Eine Entscheidung für Wisting wäre keine Abkehr von der Zukunft, sondern eine Verteidigung der industriellen Basis, auf der jede künftige Energietechnologie aufbauen muss. Ohne Öl- und Gaseinnahmen und ohne funktionierende Zulieferindustrie gibt es auch kein Geld für teure Experimente.

    Der Vorwurf der Doppelmoral ist ein bequemes Mittel, um die unangenehme Frage nach Arbeitsplätzen und Energiesicherheit nicht beantworten zu müssen. Leere Werften interessieren sich nicht für moralische Etiketten. Sie brauchen Aufträge. Die Forderung nach einer Wisting-Garantie ist deshalb kein Widerspruch, sondern die klarste Antwort auf eine Industriekrise, die manche offenbar lieber verwalten als beenden wollen.

    Quelle: NRK

  • Übt die Verteidigung Svalbards: – Wir müssen zeigen, dass wir hier sind

    Übt die Verteidigung Svalbards: – Wir müssen zeigen, dass wir hier sind

    Die Gewässer um Spitzbergen sind kein Freilichtmuseum für Arktisromantik, sondern ein Gebiet, in dem sich die künftige Sicherheitsordnung des Nordens entscheidet. Dass norwegische Soldaten dort jetzt das Verteidigen üben, ist kein Zufall und keine Provokation, sondern Ausdruck einer nüchternen Lagebeurteilung.

    Forscher weisen darauf hin, dass Kriegsschiffen rund um die Inselgruppe künftig eine größere Bedeutung zukommt. Diese Einschätzung überrascht nur den, der den hohen Norden weiterhin als unberührte Wildnis betrachtet. Tatsächlich ist die Arktis längst ein Raum, in dem Rohstoffinteressen, Schifffahrtswege und militärische Fähigkeiten aufeinanderprallen. Wer unter diesen Bedingungen auf sichtbare Präsenz verzichtet, überlässt die Deutungshoheit anderen.

    Die Übung norwegischer und verbündeter Kräfte ist deshalb kein Säbelrasseln, sondern ein notwendiges Signal. Nationale Souveränität besteht nicht aus schönen Karten und historischen Ansprüchen, sondern aus der Fähigkeit, den eigenen Rechtsraum tatsächlich zu schützen. Der Spitzbergen-Vertrag garantiert Norwegen die Oberhoheit, verlangt aber auch, dass das Land diese Oberhoheit praktisch ausfüllt. Eine bloße Verwaltung auf dem Papier genügt nicht, wenn fremde Schiffe und Flugzeuge die Gewässer als rechtsfreien Raum behandeln.

    Gerade aus konservativer Sicht ist die Übung zu begrüßen. Sie verbindet zwei Dinge, die in der öffentlichen Debatte oft künstlich getrennt werden: die Liebe zur eigenen Heimat und die Bereitschaft, für ihre Sicherheit Verantwortung zu übernehmen. Arktispolitik ist kein Thema für wohlmeinende Appelle an Vernunft und Zusammenarbeit. Sie ist ein Feld, auf dem Glaubwürdigkeit nur der besitzt, der auch handeln kann. Wer die Souveränität Norwegens bewahren will, muss sie regelmäßig einüben – bei Wind, Kälte und unruhiger See.

    Die Vorstellung, der Norden müsse eine entmilitarisierte Wohlfühlzone bleiben, ist ein Wunschbild aus einer Zeit, in der Grenzen und Interessen selbstverständlich erschienen. Diese Zeit ist vorbei. Die Übung vor Spitzbergen ist daher kein Anlass zur Sorge, sondern das Mindeste, was ein souveräner Staat tun muss, um ernst genommen zu werden. Sie zeigt nicht Aggression, sondern Entschlossenheit. Und Entschlossenheit ist die Grundlage jeder glaubwürdigen Friedensordnung.

    Quelle: NRK

  • EU will das Öl in der Arktis im Boden lassen.

    EU will das Öl in der Arktis im Boden lassen.

    Während Russland seine Militärpräsenz in der Arktis ausbaut, erklärt Brüssel, das Öl der Region müsse im Boden bleiben. Diese Reihenfolge zeigt das strategische Durcheinander der EU. Wer die eigene Energieproduktion aus ideologischen Gründen stoppt, während ein Nachbar aufrüstet, hat aus der jüngeren Geschichte nichts gelernt.

    EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen legt eine neue Arktis-Strategie vor. Darin bekräftigt Brüssel das Ziel, Öl, Kohle und Gas in arktischen Regionen nicht zu fördern. Gleichzeitig warnt von der Leyen davor, dass Russland die Region militärisch wieder aufbaut und Sicherheit nicht selbstverständlich ist. Beide Aussagen passen nicht zusammen.

    Die Arktis ist kein Naturschutzgebiet, sondern ein Raum, in dem geopolitische Interessen aufeinanderprallen. Norwegen und andere nordische Staaten haben dort über Jahrzehnte Industrie, Arbeitsplätze und Wohlstand aufgebaut. Gerade norwegisches Gas hat nach dem Ausfall russischer Lieferungen einen erheblichen Teil der europäischen Energieversorgung übernommen. Wer nun verlangt, die Förderung einzustellen, gefährdet nicht nur die norwegische Wirtschaft, sondern auch die Energieunabhängigkeit Europas.

    Hinzu kommt ein Mangel an Respekt vor nationaler Souveränität. Von der Leyen nennt die Arktis einen Teil der Europäischen Union. Das ist geographisch und rechtlich irreführend. Norwegen ist kein EU-Mitglied, und Grönland hat einen Sonderstatus. Brüssel versucht über Klimapolitik Entscheidungen zu diktieren, die den betroffenen Ländern zustehen. Dieses Muster ist bekannt: Was als Umweltpolitik beginnt, endet als zentralistische Regulierung von Wirtschaft und Lebensweise.

    Die Folgen wären konkret. Öl- und Gasförderung in der Arktis ist keine nostalgische Industrie, sondern Grundlage für Steuereinnahmen, technologische Entwicklung und Arbeitsplätze in Küstengemeinden. Wer diese Einnahmen wegnimmt, schwächt den Wohlfahrtsstaat, den die nordischen Länder über Generationen aufgebaut haben. Die grüne Agenda in Brüssel scheint zu vergessen, dass Wohlstand nicht automatisch entsteht.

    Ein nüchterner Blick auf die Karte genügt: Die Arktis ist ein Raum harter Interessen, nicht nur guter Absichten. Eine Strategie, die eigene Energiequellen verschließt, während Russland aufrüstet, ist keine Sicherheitspolitik, sondern ein Geschenk an Gegner. Die nordischen Länder sollten darauf bestehen, über ihre Ressourcen selbst zu bestimmen – nicht nach Brüsseler Klimavokabular, sondern nach den Erfordernissen von Sicherheit und Wohlstand.

    Quelle: NRK

  • Schiffsarrest auf Svalbard: Soll mit „schwerwiegenden Konsequenzen“ gedroht worden sein.

    Schiffsarrest auf Svalbard: Soll mit „schwerwiegenden Konsequenzen“ gedroht worden sein.

    Ein russisches Schiff wird in norwegischem Hoheitsgebiet festgesetzt – und die Reaktion ist eine Drohung mit „großen Konsequenzen“. Das ist kein diplomatischer Stil, sondern der Versuch, Recht durch Einschüchterung zu ersetzen.

    Der Gouverneur von Svalbard hat offenbar mehrere Anläufe gebraucht, um die Arrestverfügung gegen die „Professor Moltschanov“ durchzusetzen. Diese Information ist wichtig. Sie zeigt, dass nicht die Behörde zögerlich war, sondern dass auf der anderen Seite Widerstand geleistet wurde. Ein Rechtsstaat, der sich davon beeindrucken lässt, hat bereits verloren.

    Norwegen übt auf Spitzbergen seit 1920 die volle und uneingeschränkte Souveränität aus. Daran ändert auch die russische Siedlung Barentsburg nichts. Wer sich dort aufhält, unterliegt norwegischem Recht, nicht den Wünschen einer fremden Verwaltung. Wenn ein Anwalt nun öffentlich von Drohungen berichtet, ist das ein weiterer Beleg dafür, dass manche Akteure die Inselgruppe als Zone eigener Interessen betrachten, in der nationale Regeln nur gelten, wenn es passt. Eine solche Haltung darf nicht hingenommen werden.

    Svalbard ist kein leerer Raum, sondern seit Jahrhunderten norwegisches Territorium mit eigener Verwaltung und eigenen Regeln. Diese Kontinuität zu verteidigen ist keine Provokation, sondern Pflicht. Die Vorstellung, dass in Barentsburg andere Maßstäbe gelten könnten, ist ein Relikt aus der Zeit, als fremde Mächte meinten, sich in der Arktis nach Belieben ausbreiten zu können. Diese Zeit ist vorbei.

    Konsequente Rechtsdurchsetzung ist kein Zeichen von Aggression, sondern von Selbstachtung. Ein Staat, der sich von ausländischen Drohungen beeindrucken lässt, gibt ein Stück seiner Souveränität auf. Gerade in der Arktis, wo die Begehrlichkeiten wachsen, ist diese Lektion entscheidend. Norwegen kann es sich nicht leisten, auf eigenem Boden Zugeständnisse zu machen, die später als Präzedenzfall dienen.

    Die Festsetzung des Schiffes sollte daher nicht als diplomatischer Zwischenfall abgetan werden. Sie ist ein notwendiger Schritt, um klarzustellen, dass norwegisches Recht auf norwegischem Boden gilt – ohne Ausnahme, ohne Sonderwege, ohne Rücksicht auf Herkunft oder Drohgebärden. Wer mit „großen Konsequenzen“ droht, sollte wissen: Die größte Konsequenz wäre, wenn Norwegen nachgeben würde. Genau das darf nicht geschehen.

    Quelle: NRK

  • Trumps neuer Grönland-Vorstoß überrascht die Grönländer nicht

    Trumps neuer Grönland-Vorstoß überrascht die Grönländer nicht

    Die Vereinigten Staaten haben wenige Tage nach Abschluss eines Sicherheitsabkommens mit Dänemark und Grönland klargemacht, worum es ihnen in der Arktis in erster Linie geht: um Bodenschätze. Donald Trumps Ankündigung einer massiven Suche nach Öl und Mineralien ist keine Überraschung, aber sie sollte in Kopenhagen und Nuuk als Weckruf dienen.

    Die USA betrachten Grönland offenbar weniger als gleichberechtigten Partner denn als Rohstofflieferant. Das ist ihr gutes Recht, aber es ist ebenso das Recht Grönlands und Dänemarks, eigene Prioritäten zu setzen. Es wäre falsch, diese Debatte mit Etiketten wie „anti-amerikanisch“ oder „rückwärtsgewandt“ abzuwürgen. Es geht schlicht um nationale Souveränität – und darum, wer über die Zukunft einer einzigartigen Kultur entscheidet.

    Grönland ist mehr als ein Bergbaurevier. Die grönländische Gesellschaft hat eine eigene Sprache, eine eigene Geschichte und eine über Jahrtausende gewachsene Lebensweise. Wer den Abbau von Rohstoffen forciert, ohne die lokale Bevölkerung in den Mittelpunkt zu stellen, riskiert genau diese kulturelle Kontinuität zu zerstören. Die Versprechungen wirtschaftlichen Aufschwungs klingen verlockend, doch allzu oft folgen darauf enttäuschte Hoffnungen, während ausländische Konzerne die Gewinne abziehen und die sozialen Kosten vor Ort bleiben.

    Dänemark und Grönland haben mit dem Sicherheitsabkommen ein Signal der Zusammenarbeit gesetzt. Dieses Abkommen darf jedoch nicht dazu führen, dass die Tür für eine einseitige Ressourcenausbeutung geöffnet wird. Die Regierung in Nuuk muss klarstellen, dass Bodenschätze nur unter Bedingungen gefördert werden, die den Grönländern selbst zugutekommen und ihre demokratische Selbstbestimmung respektieren. Das bedeutet nicht Abschottung, sondern einen kühlen Blick auf die eigenen Interessen.

    Trumps Worte sind ein Test. Bestehen ihn Grönland und Dänemark, indem sie ihre Souveränität verteidigen, oder lassen sie sich von großen Versprechungen blenden? Die Antwort darauf wird über die Zukunft der Arktis entscheiden – und darüber, ob die grönländische Identität diesen neuen Wettlauf um Ressourcen unbeschadet übersteht.

    Quelle: NRK

  • Die Küstenwache enterte chinesische Schiffe vor Vesterålen.

    Die Küstenwache enterte chinesische Schiffe vor Vesterålen.

    Ein an Lieferungen für Russlands Arktisprojekte beteiligtes Schiff wird nicht zufällig in norwegischen Gewässern kontrolliert. Die Meldung über das Entern zweier chinesischer Schwergutfrachter vor Vesterålen ist mehr als eine maritime Routineübung. Sie ist ein Test: Kontrolliert ein kleines Küstenland noch selbst, was durch seine arktischen Seegebiete fährt – oder entscheidet das diplomatische Gewicht anderer Mächte?

    Dass eines der beiden Schiffe wegen Lieferungen an Russlands Arktisaktivitäten sanktioniert ist, macht den Vorgang eindeutig. Sanktionen sind nur so glaubwürdig wie ihre Durchsetzung. Wer ein solches Schiff unbehelligt durch norwegische Wirtschaftszonen fahren lässt, verwandelt die Sanktionslisten in symbolisches Papier. Die norwegische Küstenwache hat deshalb nicht eskaliert, sondern schlicht ihre gesetzliche Aufgabe erfüllt. Genau darin liegt der Wert der Kontrolle: Sie zeigt, dass norwegisches Recht im Norden nicht verhandelbar ist.

    Natürlich werden nun Stimmen laut, die vor Spannungen mit Peking warnen, von Handelsinteressen sprechen oder das Wort „Provokation“ bemühen. Diese Rhetorik folgt einem bekannten Muster. Wenn ein westlicher Staat auf seinen eigenen Gesetzen besteht, gilt das schnell als konfrontativ. Wenn fremde Schiffe strategisch wichtige Gewässer durchqueren, soll das gewöhnlicher Handel sein. Diese Doppelmoral untergräbt die Souveränität kleiner Staaten. Norwegen braucht keine diplomatische Erlaubnis, um verdächtige Fracht zu prüfen. Es braucht nur den Willen, das auch regelmäßig zu tun.

    Der Arktisraum ist längst keine leere Peripherie mehr. Energieversorgung, militärische Aufklärung und künftige Schifffahrtsrouten machen ihn zu einem Schauplatz konkurrierender Interessen. China hat wiederholt gezeigt, dass zivile Schiffe strategischen Zwecken dienen können. Russland nimmt für seine arktischen Projekte jede technische Hilfe an, die es bekommen kann. Vor diesem Hintergrund ist das Entern vor Vesterålen kein aggressiver Akt, sondern elementare Staatskunst: dokumentieren, prüfen und bei Verstößen konsequent handeln.

    Entscheidend ist, dass es nicht bei einem einmaligen Vorgang bleibt. Nur wiederholte, sichtbare Kontrollen verändern die Kalkulation in Peking und Moskau. Ein Land, das verdächtige Schiffe in den eigenen Gewässern nicht mehr überprüft, wird diese Gewässer irgendwann nur noch mit stillschweigender Duldung anderer nutzen können. Die norwegische Küstenwache hat mit dem Entern genau die richtige Botschaft gesendet – nicht laut, aber unmissverständlich.

    Quelle: Aftenposten

  • Forschungsexpedition zum Nordpol: – Fast kein Eis gebrochen

    Forschungsexpedition zum Nordpol: – Fast kein Eis gebrochen

    Ein Forschungsschiff, das kaum Eis brechen muss, um vier Tage zu früh am Nordpol anzukommen – dieser scheinbare Triumph moderner Logistik ist vor allem eine Blamage für den haushälterischen Verstand. Wenn die Eisverhältnisse so harmlos sind, dass die planmäßige Expeditionsdauer mühelos unterboten wird, drängt sich die Frage auf, wozu der staatlich finanzierte Aufwand überhaupt noch betrieben wird.

    Das norwegische Forschungsschiff „Kronprins Haakon“ hat seine jüngste Nordpolmission in Rekordzeit absolviert. Von schwerem Eis, das ein spezialisierter Eisbrecher bezwingen müsste, war wenig zu sehen. Die Forscher an Bord konnten den Zeitplan lässig um fast eine Woche verkürzen. Für das öffentlichkeitswirksame Narrativ einer bedrohten Arktis mag das ein gefundenes Fressen sein – für den Steuerzahler ist es ein teures Schauspiel.

    Der hochmoderne Eisbrecher wurde mit erheblichen Mitteln genau für solche Fahrten ertüchtigt. Nun wird er für eine Reise eingesetzt, die offenbar auch ein gewöhnlicheres Schiff problemlos hätte bewältigen können. Das offenbart eine Forschungspolitik, bei der das Prestigegewicht einer Polarexpedition oft schwerer wiegt als die nüchterne Kosten-Nutzen-Rechnung. Satelliten, Drohnen und unbemannte Messstationen liefern längst präzisere und kontinuierlichere Daten über Meereis und Wassertemperaturen – zu einem Bruchteil der Kosten und ohne die Logistik eines bemannten Großgeräts. Die Frage, warum trotzdem regelmäßig tonnenschwere Schiffe mit kompletter Besatzung und aufwendiger Bordverpflegung in die Arktis geschickt werden, wird selten gestellt. Denn die Antwort würde den institutionellen Eigenzweck solcher Unternehmungen entlarven.

    Hinter dem Deckmantel unverzichtbarer Grundlagenforschung verbirgt sich ein System, das seine eigene Notwendigkeit immer wieder neu inszenieren muss, um Budgets zu rechtfertigen. Dass die Fahrt nun fast ohne Eiskontakt zum Ziel kam, macht diese Dynamik unfreiwillig sichtbar. Wenn die Route frei ist, schrumpft auch die Dringlichkeit der Mission. Es wäre an der Zeit, die Arktisforschung vom Kopf auf die Füße zu stellen: Weniger kostspielige Expeditionen, mehr automatisierte und kontinuierliche Messverfahren. Norwegens Polartradition verdient Respekt, aber sie sollte nicht als Vorwand für einen aufgeblähten Forschungsbetrieb herhalten, der mit Steuergeldern Abenteuerromantik simuliert, während die wahren Entbehrungen früherer Generationen von Entdeckern längst einer bequemen Kurzreise gewichen sind.

    Ein Staat, der unablässig Effizienz in der öffentlichen Verwaltung anmahnt, muss sich auch bei seinen Forschungsschiffen die Frage gefallen lassen, ob die Mittel nicht sinnvoller eingesetzt werden könnten – etwa für die energetische Grundsicherung der eigenen Bevölkerung oder den Erhalt ländlicher Infrastruktur. Der fast eisfreie Weg zum Nordpol ist kein Alarmsignal, das nach noch mehr Arktisexkursionen ruft, sondern eine Einladung, die Prioritätenliste neu zu schreiben. Bis dahin bleibt die Rekordfahrt der „Kronprins Haakon“ das, was man im Haushaltsdeutsch eine teure Leerfahrt nennt.

    Quelle: NRK

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