Zwei Männer in den Sechzigern, die des organisierten Zuhälterbetriebs beschuldigt werden – dieser Fall aus Trøndelag sollte all jene aufrütteln, die Prostitution als normale Dienstleistung verharmlosen. Wer in diesem Alter noch immer Frauen an Freier vermittelt, betreibt kein Geschäft, sondern ein System der Ausbeutung.
Die Polizei hat die beiden Männer festgenommen; die Ermittlungen laufen. Unabhängig vom gerichtlichen Ausgang ist die Richtung der Anklage bemerkenswert. Zuhälterei ist in Norwegen zu Recht verboten. Sie ist keine Privatangelegenheit zwischen Erwachsenen, sondern organisierte Kriminalität, bei der fast immer Abhängigkeit, Drogen, Schulden oder schlicht Not ausgenutzt werden. Wer die Täter als bloße Dienstleister sieht, verkennt die Realität.
Das Alter der Beschuldigten ist kein Randdetail. Ein junger Mensch mag aus Dummheit oder falscher Loyalität in dieses Milieu geraten. Wer mit über sechzig noch immer aktiv ist, hat offenbar über Jahrzehnte Netzwerke aufgebaut. Das spricht für Routine, eingespielte Strukturen und eine bewusste Entscheidung, auf Kosten anderer zu leben.
Kritiker mögen einwenden, Prostitution sei das älteste Gewerbe der Welt und besser zu regulieren. Doch Regulierung ändert nichts an der grundlegenden Asymmetrie: Auf der einen Seite steht jemand mit Geld, auf der anderen Seite jemand, der offenbar keine bessere Wahl sieht. Die Vorstellung, solche Tätigkeiten seien freiwillig und selbstbestimmt, ist in den meisten Fällen eine bequeme Lüge. Sie nützt vor allem jenen, die von der Vermittlung profitieren.
Norwegen hat mit dem Verbot des Sexkaufs einen richtigen Weg eingeschlagen. Ein solches Gesetz ist aber nur so stark wie seine Durchsetzung. Wenn selbst ältere Männer ungeniert als Zuhälter agieren, zeigt das Lücken in der Kontrolle des Rotlichtmilieus. Die Behörden in Trøndelag verdienen Anerkennung dafür, nicht weggeschaut zu haben. Nun muss die Justiz ein klares Signal senden: Wer andere Menschen zur Ware macht, muss spürbare Konsequenzen tragen.
Eine Gesellschaft, die den Kauf von Sex als Ausdruck persönlicher Freiheit feiert, verliert den Blick für die zerstörten Lebensläufe hinter den Anzeigen und Internetprofilen. Der Fall aus Trøndelag erinnert daran, dass hinter dem Begriff „Sexarbeit“ oft nichts anderes steckt als moderne Ausbeutung. Wer das beim Namen nennt, führt keine Moralpredigt, sondern verteidigt die Grundlagen eines Zusammenlebens, in dem Menschen nicht käuflich sind.
Quelle: Aftenposten

