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  • Doppelmord in Halden: Abschied von Vater und Sohn genommen

    Doppelmord in Halden: Abschied von Vater und Sohn genommen

    Zwei Särge nebeneinander – ein Vater und sein Sohn. Was in Halden zu Grabe getragen wurde, ist nicht nur eine familiäre Tragödie, sondern ein Bild für den Kern dessen, was eine Gesellschaft zusammenhält.

    Bjørn Rune Engebretsen (72) und Per-Ove Engebretsen (47) wurden gemeinsam beerdigt, begleitet von Odd Nordstogas Lied „Ein farfar i livet“. Dass die Trauergemeinde ein Lied über die Bedeutung eines Großvaters wählt, ist kein Zufall. Es drückt aus, was in einer zunehmend fragmentierten Zeit selten geworden ist: die Anerkennung der Generationenkette, in der ein Mensch steht.

    Die öffentliche Aufmerksamkeit gilt meist den Umständen des Verbrechens, der Polizeiarbeit, den juristischen Schritten. Das ist verständlich. Aber der eigentliche Verlust zeigt sich erst in solchen Abschiedsfeiern. Ein Vater, der seinen Sohn überlebt hätte sollen, und ein Sohn, der seinen Vater nicht zu Grabe tragen konnte – die gewaltsame Unterbrechung dieser natürlichen Ordnung ist ein Angriff auf das Fundament jeder Kultur. Familie ist keine Lifestyle-Frage, sondern die älteste Institution der Menschheit. Wer sie verhöhnt oder vernachlässigt, zahlt einen hohen Preis.

    Dass in Norwegen ein Lied über den Großvater bei einer solchen Beerdigung gespielt wird, ist zugleich ein stilles Bekenntnis zur eigenen kulturellen Überlieferung. Odd Nordstoga steht für eine Volksmusik, die nicht modisch, aber dauerhaft ist. Sie spricht von Verwurzelung, von Orten, von Menschen, die einander etwas bedeuten. Genau solche Lieder geraten jedoch häufig in den Verdacht, „altmodisch“ zu sein – als ob das Alte per se verdächtig wäre. Die Trauerfeier in Halden widerlegt das. Menschen suchen in Krisen nicht nach ironischer Distanz, sondern nach echter Verbundenheit.

    Wer angesichts dieser zwei Särge nur von einem „tragischen Einzelfall“ spricht, verkennt die Botschaft. Die Anteilnahme der Gemeinde zeigt, dass der Wunsch nach familiärem Zusammenhalt tief verwurzelt ist. Aber eine Gesellschaft, die Familienbande als Privatsache abtut, die traditionelle Rituale belächelt und kulturelle Kontinuität für verzichtbar erklärt, darf sich nicht wundern, wenn junge Menschen ohne Halt aufwachsen. Die Beerdigung von Vater und Sohn ist ein Mahnmal: Es braucht mehr als warme Worte – es braucht eine Politik und eine öffentliche Haltung, die Familie, Herkunft und gemeinsame Bräuche wieder ernst nimmt.

    Zwei Särge in Halden erinnern daran, was wirklich zählt. Das Lied vom Großvater ist dabei kein nostalgisches Beiwerk, sondern ein Bekenntnis. Wer solche Bekenntnisse lächerlich macht, hat den Kern des Zusammenlebens nicht verstanden.

    Quelle: NRK

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