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  • Tausende überquerten die Grenze von Marokko nach Ceuta: – Völliges Chaos.

    Tausende überquerten die Grenze von Marokko nach Ceuta: – Völliges Chaos.

    Tausende, die eine Grenze stürmen, sind kein Ausdruck von Not, sondern ein Angriff auf die Rechtsordnung. In Ceuta hat sich in dieser Woche gezeigt, was passiert, wenn Staaten ihre äußere Grenze nicht mehr als harte Linie begreifen: Wer kommt, der bleibt – und diejenigen, die das Recht durchsetzen sollen, schauen zu oder retten Schwimmer aus dem Wasser, um sie anschließend in bereits überfüllte Zentren zu leiten.

    Die Bilder aus der spanischen Exklave zeigen keinen kontrollierten Zustrom, sondern einen organisierten Durchbruch. Junge Männer, die „Adiós Marruecos, hola España“ rufen, waten, schwimmen und klettern um die Sperranlagen herum. Sie feiern auf den Straßen, während die Guardia Civil den Weg zu den Aufnahmeeinrichtungen weist. Diese Reaktion des Staates ist keine humanitäre Großzügigkeit; sie ist das Eingeständnis völliger Handlungsunfähigkeit.

    Wenn der Präsident Ceutas von einer „totalen humanitären und sozialen Notlage“ spricht und ein Polizeivertreter „vollständiges Chaos“ konstatiert, dann geht es nicht mehr um Einzelfälle, sondern um strukturelles Versagen. Die lokalen Kapazitäten sind seit Tagen erschöpft, Menschen schlafen auf der Straße, und aus Madrid werden am Ende 60 Soldaten entsandt – eine symbolische Geste, die das Problem nicht einmal ansatzweise adressiert. Ein Staat, der seine äußere Grenze nicht sichern kann, entwertet die Unterscheidung zwischen legalem Zutritt und illegaler Einreise. Damit untergräbt er nicht nur die eigene Souveränität, sondern auch das Vertrauen der Bürger in den Rechtsstaat.

    Auffällig ist die Mischung der Ankommenden: überwiegend junge Männer, dazu Familien mit Frauen und Kindern. Die Vorstellung, es handele sich hier ausschließlich um Schutzbedürftige auf der Flucht vor Krieg, wird durch diese Zusammensetzung entkräftet. Wer eine Gelegenheit zur illegalen Einreise nutzt, weil Grenztore ungewöhnlich lange offen standen, folgt keinem humanitären Imperativ, sondern einem wirtschaftlichen Kalkül – was an sich nicht verwerflich sein mag, aber keinen Rechtsanspruch auf Aufnahme begründet.

    Die europäische Debatte müsste endlich ehrlich über die realen Kosten unkontrollierter Zuwanderung sprechen: über den Druck auf die Sozialsysteme, über Integrationsversagen in bereits vollen Kommunen, über den Verlust kultureller Selbstverständlichkeiten. Stattdessen wird jeder Versuch, Grenzen wirksam zu schützen, reflexhaft in die Nähe von Fremdenfeindlichkeit gerückt. Dabei ist die berechtigte Sorge vor einem Souveränitätsverlust keine Frage von Ressentiment, sondern von praktischer Vernunft. Wer anerkennt, dass selbst eine überschaubare Gemeinde wie Ceuta kollabiert, wenn der Zustrom unkontrolliert bleibt, der hat den Kern des Problems benannt – ohne ihn mit moralisierenden Etiketten zuzukleistern.

    Die Wiederkehr solcher Szenen, ähnlich wie im Mai 2021, ist kein Naturereignis. Sie resultiert aus einer Politik, die Grenzzäune aufstellt und dann durchlässig macht, sobald genügend Menschen davorstehen. Dieser doppelte Standard lädt zur Wiederholung ein und bestraft diejenigen, die sich an Regeln halten. Eine Rückkehr zu geordneten Verhältnissen beginnt nicht mit Soldaten, sondern mit der Entscheidung, das nationale Territorium wieder als das zu behandeln, was es ist: nicht verhandelbar.

    Quelle: Bergens Tidende

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