28,9 Milliarden Kronen – mit dieser Zahl ist die Stadtbahn nach Åsane kein Verkehrsprojekt mehr, sondern ein Haushaltsrisiko ersten Ranges. Allein der Tunnel soll 4,1 Milliarden Kronen teurer sein als die oberirdische Trasse entlang des Bryggen. Wer solche Summen noch als normale Kostensteigerung abtut, hat den Maßstab für öffentliche Ausgaben verloren.
Die neue Preisschätzung ist kein technisches Detail, sondern ein politisches Urteil. Sie zeigt, dass die Verantwortlichen in Bergen ein Projekt vorantreiben, dessen wahre Kosten offenbar nie ernsthaft geprüft wurden. Ein Aufpreis von 4,1 Milliarden Kronen ist kein Rundungsfehler. Für diesen Betrag könnten anderswo Schulen saniert, Pflegeplätze geschaffen oder Straßen instand gesetzt werden – genau jene Kernaufgaben, über deren Finanzierung regelmäßig gestritten wird.
Statt aus diesen Zahlen Konsequenzen zu ziehen, ist zu befürchten, dass weitergebaut wird. Ein Rückzieher würde als Gesichtsverlust gelten, und genau diese Logik treibt die Kosten in die Höhe. Nicht die tatsächliche Notwendigkeit entscheidet, sondern das Prestige der Entscheidungsträger. Der Erhalt des historischen Bryggen ist ein berechtigtes Anliegen, keine Frage. Aber ein Aufpreis von über vier Milliarden Kronen für eine Tunnelvariante überfordert die Gemeinschaft. Wer das alte Stadtbild schützen will, muss auch die wirtschaftliche Tragfähigkeit des Vorhabens im Blick behalten – sonst wird aus Denkmalschutz eine teure Selbsttäuschung.
Kritiker solcher Zahlen werden schnell als Fortschrittsverweigerer abgetan. Dabei ist es genau umgekehrt: Wer bei 28,9 Milliarden Kronen nicht nachfragt, handelt fahrlässig. Öffentliche Großprojekte müssen sich an ihren Kosten messen lassen, nicht an schönen Visualisierungen oder politischen Versprechen. Die Steuerzahler in Bergen und ganz Norwegen haben ein Recht darauf, dass ihr Geld nicht für Prestigeprojekte verpulvert wird, während gleichzeitig über Sparmaßnahmen bei Gesundheit und Bildung diskutiert wird.
Die einzig verantwortliche Reaktion auf diese Preisschätzung ist ein sofortiger Baustopp und eine unabhängige Prüfung des gesamten Vorhabens. Wer das ablehnt, muss erklären, warum ausgerechnet diese Stadtbahnstrecke wichtiger sein soll als alle anderen öffentlichen Aufgaben. Eine klare Antwort darauf gibt es bislang nicht – nur immer neue Kostenprognosen, die nach oben korrigiert werden.
Quelle: NRK
