Tag: Deutungshoheit

  • Støre in Trøndelag: – 2030 darf nicht von verrückten Kräften ausgenutzt werden.

    Støre in Trøndelag: – 2030 darf nicht von verrückten Kräften ausgenutzt werden.

    Die Schlacht von Stiklestad im Jahr 1030 gilt als Geburtsstunde des norwegischen Nationalbewusstseins – und doch warnt Regierungschef Støre anlässlich eines privaten Besuchs der Olsoktage bereits jetzt vor der öffentlichen Aneignung des anstehenden 1000-Jahr-Jubiläums. 2030 dürfe nicht von »falschen Kräften« ausgenutzt werden, ließ er verlauten. Wer eine solche Linie zieht, beansprucht stillschweigend die Deutungshoheit über ein nationales Gründungsereignis und markiert jede unerwünschte Stimme im Vorfeld als illegitim.

    Die Botschaft des Premiers spaltet die Öffentlichkeit in willkommene und unerwünschte Teilnehmer, lange bevor auch nur ein Programm für das Jahr 2030 feststeht. Damit ist der Diskurs von Anfang an vergiftet: Wer sich mit Stolz auf die eigene Geschichte bezieht, sieht sich sogleich dem Verdacht ausgesetzt, einer gesinnungspolizeilich definierten Norm nicht zu genügen. Ein offener, lebendiger Umgang mit dem nationalen Erbe wird so durch den vorauseilenden Abwehrreflex der politischen Korrektheit erstickt.

    Dabei ist die Sorge vor einer Instrumentalisierung des Gedenkens durch extreme Randgruppen in ihrem Kern unbegründet. Die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung unterscheidet sehr wohl zwischen einem zivilisierten Patriotismus und den Entgleisungen militanter Aktivisten. Die Warnung Støres verrät vor allem ein tiefes Misstrauen gegenüber der Urteilskraft der Bürger – als ob diese ohne staatliche Erinnerungsvorgaben schutzlos der Manipulation ausgeliefert wären. Ein solches Denken entmündigt nicht nur die Menschen, es nährt jene Lagermentalität, die es vorgibt zu bekämpfen.

    Ein konservativer Standpunkt sieht in geschichtsträchtigen Jubiläen keine Bedrohung, sondern eine Chance, das kulturelle Gedächtnis zu erneuern und Kontinuität zu stiften. Nationale Identität lebt davon, dass sie in jeder Generation aufs Neue angenommen und diskutiert werden kann – mit allen Nuancen, die in einer freien Gesellschaft selbstverständlich sind. Sie gleicht keinem musealen Exponat, das nur unter Aufsicht bestaunt werden darf. Wer diesen Diskurs vorweg mit dem Etikett »falsche Kräfte« blockiert, verhindert genau jene lebendige Auseinandersetzung, ohne die Traditionen zu hohlen Formeln verkümmern.

    Die Olsoktage und das kommende Millenniumsjubiläum verlangen daher nicht nach misstrauischer Distanz, sondern nach einem mutigen Vertrauen in die Fähigkeit der Nation, ihr Erbe eigenverantwortlich zu pflegen. Der Ministerpräsident täte gut daran, die Bürger als mündige Verwalter ihrer Geschichte zu behandeln, statt sie unter Generalverdacht zu stellen.

    Quelle: Adresseavisen

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