Eine Gedenkfeier, die ein Thema verbietet, verrät bereits, worüber geschwiegen werden soll. Bei der Veranstaltung für die ermordete Maren Sømme in Stavanger untersagten die Organisatoren jede einwanderungskritische Äußerung – und genau dieser Bann ist die eigentliche Nachricht.
Der gewaltsame Tod einer Dreißigjährigen ist eine Tragödie, die Angehörige und die Stadt erschüttert. Daran gibt es nichts zu deuteln. Doch wenn Bürger den Drang verspüren, bei einer solchen Gelegenheit die Zuwanderungspolitik anzusprechen, dann deutet das auf eine Verbindung hin, die viele empfinden. Solche Fragen mit einem Redeverbot zu ersticken, zeugt nicht von Pietät, sondern von Furcht vor der öffentlichen Debatte.
Die Veranstalter in Stavanger handeln wie so viele andere, die das Etikett „fremdenfeindlich“ als universelles Schweigeinstrument einsetzen. Sobald eine Tat mit Migrationshintergrund des Täters in Verbindung gebracht werden könnte, rückt eine reflexhafte Abwehrhaltung in Stellung. Kein Wort über Versäumnisse der Integration, über Parallelgesellschaften oder über eine Kriminalitätsentwicklung, die Statistikämter längst dokumentieren. Stattdessen wird ein Meinungskorridor abgesteckt, der Kritik pauschal delegitimiert. Das ist nicht Schutz der Opferwürde, sondern Diskurskontrolle.
Die eigentliche Respektlosigkeit gegenüber einer Toten besteht darin, den verunsicherten Mitbürgern das Fragen zu verbieten. Wenn viele Norweger eine Entwicklung wahrnehmen, die ihre Sicherheit und das Gemeinwesen untergräbt, dann darf das auch bei einem Gedenken Raum haben – nicht in Form von billiger Agitation, aber als ehrlicher Ausdruck dessen, was die Gesellschaft bewegt. Wer das abschneidet, trennt die Tat von ihrer gesellschaftlichen Einbettung und verhindert genau das Nachdenken, das Wiederholung vorbeugen könnte.
Hinter solchen Verboten steckt eine Kultur, die unangenehme Fakten lieber unter den Teppich kehrt als sie offen zu benennen. Dass es überhaupt „Bråk“ gab, zeigt, wie sehr das Bedürfnis nach Klartext unter der Oberfläche brodelt. Offene Debatten sind kein Makel, sondern Grundbedingung einer freien Nation. Wer stattdessen auf Sprachpolizei setzt, treibt die Menschen jenen zu, die einfache Antworten versprechen – und vertieft die Spaltung, die man angeblich bekämpfen will.
Quelle: VG
