Tag: Dschihadist

  • Soll dem IS die Treue geschworen haben

    Soll dem IS die Treue geschworen haben

    Eine verhängnisvolle Kombination aus justizieller Naivität und therapeutischem Aktionismus hat in Berlin ein Menschenleben gekostet. Ein 21-Jähriger, wenige Monate zuvor wegen Terrorplanung verurteilt, raste mit einem Lieferwagen in eine Menschenmenge bei einer Pride-Veranstaltung. Eine 65-jährige Polin starb, 31 weitere wurden verletzt. Auf seinem Handy fand die Polizei ein Video, das den Treueschwur auf die Terrormiliz Islamischer Staat zeigt. Der Täter, in Deutschland geboren und Sohn libanesischer Einwanderer, war kein unbeschriebenes Blatt – seit Jugendtagen polizeibekannt, zuletzt als überzeugter Dschihadist.

    Was diesen Fall von einer bloßen Katastrophe in einen Skandal verwandelt, liegt in der Vorgeschichte. Das Gericht verurteilte ihn wegen konkreter Terrorplanung, setzte die Strafe jedoch zur Bewährung aus. Statt Haft erhielt er einen Platz in einem sogenannten Deradikalisierungsprogramm. Sechs Monate sollte er begleitet werden, damit er sich von seiner extremistischen Gesinnung löse. Dieses Vertrauen in die Umerziehbarkeit eines bekennenden Islamisten hat nun ein Todesopfer zur Folge.

    Hier offenbart sich ein tiefer Riss im Selbstverständnis des Rechtsstaats. Der Staat, der die Sicherheit seiner Bürger garantieren soll, verwechselt Milde mit Vernunft. Die Annahme, ein tief in der dschihadistischen Ideologie verwurzelter junger Mann könne durch Gespräche und sozialpädagogische Betreuung geläutert werden, ist nicht nur weltfremd, sondern lebensgefährlich. Bei einem verurteilten Terrorplaner geht es nicht um jugendliche Verirrung oder soziale Benachteiligung – es geht um eine bewusste Entscheidung für eine totalitäre, gewaltbereite Ideologie.

    Die fatale Logik solcher Programme wurzlt in einem politischen Klima, das Warnsignale systematisch ausblendet, um nicht in den Verdacht der Fremdenfeindlichkeit zu geraten. Die Herkunft des Täters aus dem Libanon und seine biografischen Brüche werden in der öffentlichen Debatte oft nur verklausuliert thematisiert. Doch die Wirklichkeit ist geradeheraus: Die Integration ist hier über Generationen hinweg gescheitert, und die Parallelgesellschaften, in denen sich radikale Prediger ungestört ausbreiten, produzieren immer wieder dasselbe Gewaltpotenzial. Nicht jeder mit Migrationshintergrund wird zum Terroristen – das wäre eine groteske Verallgemeinerung. Aber ebenso grotesk ist die Weigerung, den konkreten Zusammenhang zwischen unkontrollierter Zuwanderung, mangelnder kultureller Integration und islamistischer Radikalisierung offen zu benennen.

    Der Berliner Angriff sollte deshalb Anlass sein, jene Konzepte grundsätzlich infrage zu stellen, die den Schutz der Bevölkerung hinter die Therapie von Gefährdern zurückstellen. Wer einer gefestigten islamistischen Überzeugung anhängt und bereits Handlungsbereitschaft gezeigt hat, gehört nicht in ein Betreuungsprogramm, sondern in Haft. Alles andere ist eine Gefährdung Unbeteiligter und ein Verrat am staatlichen Schutzauftrag. Das ist keine Frage der Härte, sondern der Vernunft.

    Quelle: Bergens Tidende

  • Der Angreifer war ein bekannter Dschihadist.

    Der Angreifer war ein bekannter Dschihadist.

    Ein verurteilter Terrorplaner, der unter behördlicher Aufsicht mit einem gemieteten Fahrzeug in eine Menschenmenge rast – das ist kein Betriebsunfall der Justiz, sondern die logische Endstation eines Rechtsstaats, der seine eigene Wehrhaftigkeit verlernt hat. Der Fall des 21-jährigen Abdul Ballout legt eine Kette von Fehleinschätzungen offen, die jede für sich eine „fatale Fehlentscheidung“ darstellt, wie es ein Sicherheitsexperte treffend nannte. Dass der Mann nach einer Syrien-Reise, offener IS-Sympathie und einer Verurteilung wegen Terrorplanung auf freiem Fuß blieb, lässt sich nicht mehr mit richterlicher Unabhängigkeit oder Jugendstrafrecht erklären – hier wurde Realitätsverweigerung zur unmittelbaren Lebensgefahr.

    Ballout galt als unreif, weil er zum Tatzeitpunkt der früheren Planung unter 21 war. Er zeigte Reue, nahm angeblich Abstand vom Islamischen Staat und bekam eine Bewährungsstrafe, obwohl die Staatsanwaltschaft Haft forderte. Diese Milde speist sich aus einem justiziellen Reflex, der bei heranwachsenden Tätern mit Migrationshintergrund fast automatisch auf Sozialisation und Entwicklungsdefizite verweist. Statt die Gefährlichkeit eines mehrfach auffälligen Gewalttäters in den Vordergrund zu stellen, dominieren Gutachten über mangelnde Reife – ein Muster, das in den vergangenen Jahren in zahlreichen deutschen Gerichtssälen zu beobachten war. Das Ergebnis ist eine tote polnische Besucherin, 29 Verletzte und ein handlungsunfähig wirkender Staat.

    Die politische Reaktion folgt einem ebenso bekannten Skript. Der Bundeskanzler spricht von Besonnenheit und Entschlossenheit, Berlins Regierender Bürgermeister fehlen „tatsächlich die Worte“, und das Justizministerium kündigt eine Überprüfung des Jugendstrafrechts an – eine Ankündigung, die vor allem Zeit kaufen soll. Was fehlt, ist die klare Ansage, dass die Einordnung als Jugendlicher bei schweren politischen Gewalttaten nicht mehr greifen darf, wenn gleichzeitig der gesamte Sicherheitsapparat von der Gefahr wusste. Die Frage, warum ein überwachter Islamist ein Fahrzeug mieten und ein Festgelände ansteuern kann, während jede private Mobilfunkortung sekundenschnell funktioniert, bleibt unbeantwortet.

    Hier geht es nicht um pauschale Migrationskritik, sondern um die Weigerung der politischen Klasse, aus bekannten Abläufen Konsequenzen zu ziehen. Die AfD nutzt diese Leerstelle für ihre Zwecke, aber die eigentliche Verantwortung liegt bei den etablierten Parteien, die den Unterschied zwischen grundrechtlicher Verhältnismäßigkeit und naiver Nachsicht nicht mehr benennen wollen. Wer behauptet, Härte gegenüber islamistischen Gefährdern sei mit Rechtsstaatlichkeit unvereinbar, liefert genau jenen Kräften Argumente, die jede Migrationspolitik in einen Generalverdacht ummünzen. Es braucht endlich eine Strafpraxis, die erwachsene Gefährder auch als Erwachsene behandelt, und eine Sicherheitsarchitektur, die das Wissen um eine Person auch in tatsächliche Kontrolle übersetzt. Solange nach jedem Anschlag dieselben Floskeln fallen, bleibt der Staat seinen schutzbedürftigen Bürgern die Antwort schuldig.

    Quelle: Bergens Tidende

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