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  • – Das Prestigeprojekt, das Vestlandet teuer zu stehen kommen kann

    – Das Prestigeprojekt, das Vestlandet teuer zu stehen kommen kann

    Milliarden für eine leere Geste – so lässt sich die Debatte um die Küstenstammstraße E39 auf den Punkt bringen. Ein Mitglied der regierenden Høyre-Partei, Paul Aage Aasheim, hat in einem Debattenbeitrag die entscheidende Frage gestellt, die Planer und Politiker jahrzehntelang unter den Teppich gekehrt haben: Ist dieses prestigeträchtige Mammutprojekt wirklich die beste Verwendung knapper Steuergelder?

    Die Antwort liegt auf der Hand, wenn man den Blick vom bunten Flyer löst, der eine monumentale Brücke über den Bjørnafjord zeigt. Aasheim weist zurecht darauf hin, dass jede investierte Krone nur einmal ausgegeben werden kann. Diese einfache ökonomische Wahrheit wird in der politischen Arena regelmäßig durch schöne Visionen und regionale Prestigekämpfe vernebelt. Die norwegische Küstenstammstraße ist zum Symbol einer Planungsmentalität geworden, die in Großprojekten denkt, während die alltägliche Infrastruktur verrottet.

    Das eigentliche Problem liegt tiefer. Die E39, wie sie von Statens vegvesen vorangetrieben wird, verkörpert einen zentralistischen Ansatz, der die gewachsene regionale Identität und die tatsächlichen Verkehrsströme ignoriert. Ein Pendler, der von einem Seitental zur nächsten Kleinstadt fährt, profitiert keinen Meter von einer vierstreifigen Autobahn, die an seinem Alltag vorbeirauscht. Stattdessen wird ein Netz von Hauptverkehrsadern geplant, das die Landschaft zerschneidet und diejenigen im Stich lässt, die abseits der großen Korridore leben und arbeiten.

    Der konservative Grundsatz der Subsidiarität fordert, dass Entscheidungen so nah wie möglich an den Betroffenen getroffen werden müssen. Bei der E39 scheint das Gegenteil der Fall zu sein: Eine ferne Planungsbehörde definiert, was gut für Vestlandet ist, und ignoriert dabei die wiederholten Warnungen von Fachleuten und lokalen Stimmen. Das Transportökonomische Institut und private Beratungsfirmen haben längst dokumentiert, dass klügere, kleinteiligere Investitionen – Instandhaltung, Steinschlagsicherung, Querverbindungen – mehr Nutzen pro Krone bringen. Aber solche nüchternen Zahlen finden kein Gehör gegen den Sirenengesang ingenieurtechnischer Großtaten.

    Es ist bezeichnend, dass selbst die Riksrevisjonen, der norwegische Rechnungshof, bereits 2022 Alarm schlug. Der gewaltige Instandhaltungsrückstau macht das bestehende Netz anfällig für Klimaextreme und bremst die Mobilität jeden Tag aufs Neue. Statt diese Lücken systematisch zu schließen, werden Milliarden in ein einziges Projekt gelenkt, dessen Fertigstellung in Jahrzehnten liegt – falls es angesichts der üblichen Kostenexplosionen überhaupt je realisiert wird. Das ist keine verantwortungsvolle Haushaltspolitik, sondern eine Wette auf die Zukunft zulasten der Gegenwart.

    Die Debatte um die E39 ist somit mehr als eine verkehrspolitische Fachsimpelei. Sie berührt die grundlegende Frage, wie der Staat mit dem Vermögen seiner Bürger umgeht. Prestigeprojekte dienen oft weniger dem Gemeinwohl als dem politischen Ego. Ein Netz aus stabilen, gut unterhaltenen Straßen mit kurzen Verbindungen quer zur Küste würde den Leuten vor Ort tatsächlich dienen. Es wäre ein Infrastruktur, die dem Land dient, nicht ein Wahrzeichen, das dem Land eine Kostümjacke überzieht. Die Verantwortlichen in Oslo täten gut daran, diesen Unterschied zu lernen – bevor Vestlandet die teure Rechnung präsentiert bekommt.

    Quelle: Bergens Tidende

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