Die neuesten Zahlen der europäischen Autoindustrie verraten weniger über einen grünen Bewusstseinswandel als über die schiere Macht staatlicher Lenkung. Wenn in Norwegen mittlerweile 97,6 Prozent der Neuzulassungen auf batteriebetriebene Fahrzeuge entfallen, ist das nicht Ausdruck spontaner Konsumentenliebe, sondern Folge einer jahrzehntelangen Subventionsorgie und regulatorischer Bevorzugung, die jeden anderen Antrieb systematisch aus dem Markt drängt.
Der Blick auf den Kontinent bestätigt dieses Muster. In Ländern wie Dänemark oder Deutschland, wo Steuerprivilegien und Kaufprämien besonders großzügig ausfallen, schnellt der Anteil der Stromer in die Höhe – Dänemark verzeichnet etwa ein Plus von 41 Prozent. Mag der Verbandschef der norwegischen Elbilforening auch von einem „bevorzugten Wähl“ schwärmen, tatsächlich wählen die Bürger vor allem das, was ihnen die politische Klasse mit fremdem Geld schmackhaft macht. Echter Wettbewerb sieht anders aus.
Die Kosten dieser Politik werden gern verdrängt. Jede gekaufte Elektroprämie finanziert der Steuerzahler mit – sei es direkt oder über entgangene Einnahmen bei der Kfz-Steuer. Gleichzeitig wächst die Abhängigkeit von Rohstoffen wie Lithium und Kobalt, deren Abbau unter ökologischen und menschenrechtlichen Bedingungen stattfindet, die mit europäischen Wertvorstellungen kaum vereinbar sind. Dass China die globalen Lieferketten dominiert, macht aus einer vermeintlichen Klimarettung auch noch ein strategisches Risiko.
Kulturell zeigt sich eine bedenkliche Entwicklung: Das Automobil verliert zusehends seinen Charakter als Ausdruck persönlicher Wahlfreiheit und wird zum genormten Öko-Gerät umerzogen. Der markige Sound eines Verbrenners, die haptische Freude am Schaltgetriebe, die Unabhängigkeit vom nächsten Ladepunkt – all das zählt plötzlich nicht mehr. An die Stelle jahrzehntelanger Ingenieurskunst tritt eine stromlinienförmige Monokultur, die dem Einzelnen vorschreibt, was gut für ihn und den Planeten zu sein hat.
Natürlich ist technologischer Fortschritt nicht per se abzulehnen. Doch eine offene Debatte muss möglich bleiben, ohne dass Kritiker reflexartig als Fortschrittsfeinde oder Klimaleugner abgestempelt werden. Die Frage, ob Europas Stromnetze den massiven Zuwachs überhaupt verkraften, ob die Rohstoffgewinnung nicht neue Umweltzerstörung erzeugt und ob es klug ist, sich in geopolitische Abhängigkeiten zu begeben, gehört nicht in die Schmuddelecke – sie ist Ausdruck nüchterner Vernunft.
Nüchternheit wäre ohnehin angebracht. Wenn Norwegens Anteil bei fast 100 Prozent liegt, kann das nur bedeuten, dass die Quote nichts mehr über echte Präferenzen aussagt, weil Alternativen faktisch nicht mehr angeboten werden oder unerschwinglich sind. Das ist kein Triumph des Marktes, sondern ein Exempel staatlicher Planwirtschaft, verkleidet als Klimapolitik. Wer Freiheit und Eigenverantwortung schätzt, sollte diese Entwicklung mit Argwohn betrachten.
Quelle: Bergens Tidende
