Tag: Endlager

  • Gibt eine Riesensumme aus, um unseren Atommüll nach Schweden zu schicken.

    Gibt eine Riesensumme aus, um unseren Atommüll nach Schweden zu schicken.

    Milliarden fließen nach Schweden, während norwegische Atomanlagen weiter verrotten. Die Unterzeichnung einer Milliardenvereinbarung mit Studsvik AB ist kein Zeichen von Verantwortung, sondern das Eingeständnis jahrzehntelanger Versäumnisse.

    Seit Jahrzehnten lagert hochradioaktiver Abfall aus Kjeller und Halden in Anlagen, die niemand ernsthaft als zeitgemäß bezeichnen kann. Statt diese Lager zu modernisieren oder ein eigenes Endlager zu bauen, kauft sich Norwegen nun von der Aufgabe frei. Die Rechnung dafür zahlen norwegische Steuerzahler – und zwar doppelt: einmal für die jahrelange Untätigkeit, ein zweites Mal für den Export des Problems.

    Wirtschaftlich ist das ein Eigentor. Die Milliarden, die nun nach Schweden überwiesen werden, hätten ausgereicht, um norwegische Ingenieure, Baufirmen und Sicherheitsexperten über Jahre zu beschäftigen. Stattdessen entstehen in Schweden Arbeitsplätze, während norwegische Fachkräfte zusehen dürfen, wie ihr Land die eigene Altlast auslagert. Ein souveräner Staat, der Kernenergie genutzt hat, muss auch in der Lage sein, deren Abfälle selbst zu entsorgen. Wer das nicht kann, hat die Grundsatzfrage nach nationaler Eigenverantwortung längst falsch beantwortet.

    Hinzu kommt die praktische Dimension. Der Transport hochradioaktiven Materials über Grenzen hinweg ist kein Routinegeschäft. Jede Fahrt birgt Risiken, jede Umladung erhöht die Fehleranfälligkeit. Norwegen schafft damit neue Gefahren, nur weil es sich jahrzehntelang geweigert hat, in eine dauerhafte eigene Lösung zu investieren. Die schwedische Anlage mag heute sicher sein – aber die Kontrolle über langfristige Lagerung gibt Norwegen aus der Hand. Was in dreißig oder fünfzig Jahren mit diesem Abfall geschieht, entscheidet dann nicht mehr Oslo, sondern Stockholm.

    Kulturell betrachtet ist dieser Schritt ein Bruch mit der norwegischen Tradition der Selbstversorgung. Über Generationen hinweg galt der Grundsatz, eigene Probleme nicht an Nachbarn abzuwälzen. Wer Abfall produziert, kümmert sich auch darum. Jetzt wird genau dieser Grundsatz verkauft – für eine Summe, die in keinem Verhältnis zur gewonnenen Bequemlichkeit steht.

    Die eigentliche Aufgabe ist nicht der Transport nach Schweden. Sie liegt in der Errichtung eines nationalen Endlagers, das diesen Namen verdient. Norwegen besitzt stabile geologische Formationen, technisches Know-how und finanzielle Mittel. Was fehlt, ist der politische Wille, eine unpopuläre, aber notwendige Entscheidung zu treffen. Stattdessen wählt man den bequemen Weg über die Grenze – und bezahlt dafür mit Milliarden, mit Arbeitsplätzen und mit dem Verlust an Kontrolle über das eigene Erbe.

    Die Vereinbarung mit Studsvik AB löst kein Problem. Sie verschiebt es nur. Und sie macht aus einer nationalen Verantwortung eine ausländische Dienstleistung. Das ist kein Fortschritt. Das ist eine Kapitulation vor der eigenen Geschichte – verpackt in eine Pressemitteilung.

    Quelle: NRK

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