Die Politik, ausländische Datengiganten mit norwegischem Billigstrom zu locken, stand im Zentrum der Solberg-Regierung. Es war keine passive Entwicklung, sondern eine gezielte staatliche Strategie. Dass ausgerechnet eine bürgerliche Koalition den Ausverkauf heimischer Energievorräte an globale Konzerne vorantrieb, bleibt ein Lehrstück in kurzsichtigem Wirtschaftspatriotismus.
Die Versprechungen klangen modern: „grüne“ Rechenzentren, erneuerbarer Strom, Hightech-Arbeitsplätze. Was geliefert wurde, sah anders aus. Riesige Serverhallen verschlingen heute Unmengen an Wasserkraft, die zu einem erheblichen Teil nicht norwegischen Haushalten oder der heimischen Industrie zugutekommt, sondern dem Profit amerikanischer und chinesischer Technologieunternehmen. Die Strompreise im Land steigen, während die Kommunen feststellen, dass ein Datencenter kaum örtliche Jobs schafft – ein Dutzend Techniker für einen Bau von der Größe mehrerer Fußballfelder. Der volkswirtschaftliche Nutzen bleibt Geheimsache; die Belastung des Stromnetzes ist sichtbar.
Konservative Politik sollte nationale Ressourcen nicht als Spielwiese für internationale Spekulation verramschen. Wer natürliche Standortvorteile wie stabile Wasserkraft unter Marktpreis an Konzessionsjäger abgibt, untergräbt die eigene energiepolitische Souveränität. Norwegen braucht Elektrizität für verarbeitendes Gewerbe, für Wärmepumpen und den Ausbau echter industrieller Kerne – nicht als bloßes Verlängerungskabel der Cloud.
Auch der Umweltnutzen ist ein Trugbild. Der Strom, den ein einzelnes Großrechenzentrum verschlingt, könnte eine mittlere Stadt versorgen. Dass derselbe Strom als „grün“ deklariert wird, ändert nichts an der physischen Realität: Er fehlt für die Elektrifizierung des Verkehrs oder die Herstellung von Baustoffen in Norwegen. Wer Windpark- und Stromtrassenbau für den Eigenbedarf der Bevölkerung blockiert, aber zugleich Megawatt für Facebook und Google locker macht, hat den Kompass verloren.
Die Kritik der Linkspartei Rødt an dieser Politik ist wohlfeil, denn sie entspringt einer antikapitalistischen Standardreflexion. Der konservative Einwand ist ein anderer: Es geht um Vorrang für das Eigene. Staatliche Ansiedlungspolitik muss zuerst heimische Wertschöpfung und die Belange von Familien und Betrieben im Land im Blick haben, nicht die Standortwünsche multinationaler Konzerne. Wenn schon Steuergeld und politische Energie in die Anwerbung von Investoren fließen, dann für Betriebe, die Fachkräfte ausbilden, in den Kommunen verankert sind und einen kulturellen Bezug zum Land haben – nicht für fensterlose Kisten voller Summers, deren Betreiber den nächsten Staatszuschuss abrufen.
Die Solberg-Regierung hat mit ihrer Türöffner-Politik gezeigt, wie schnell bürgerliche Wirtschaftsfreundlichkeit in einen blinden Aktionismus umschlägt, der die Substanz angreift. Die wahren Kosten dieser Rechenzentren zahlen die Einwohner mit höheren Stromrechnungen und einer geschwächten Energieunabhängigkeit. Ein konservativer Neuanfang muss diesen Irrweg beenden und nationale Energiepolitik wieder als Schutzgut behandeln.
Quelle: Aftenposten

