525.000 Menschen sind betroffen – Studierende, Beschäftigte, Forschungsteilnehmer und frühere Angehörige der Universität Kopenhagen. Ihre persönlichen Daten kursieren nun außerhalb jeder Kontrolle. Das ist kein Betriebsunfall, sondern ein organisatorisches Versagen.
Die Universität hat jahrelang Daten gesammelt, ohne die nötigen Sicherheitsvorkehrungen zu treffen. Namen, Adressen, möglicherweise Gesundheitsangaben und Forschungsprofile sind in fremde Hände geraten. Wer so viele Datensätze speichert, trägt eine Verantwortung, die hier offensichtlich nicht erfüllt wurde. Es reicht nicht, nach dem Angriff interne Prüfungen anzukündigen. Die Bürger haben ein Recht zu erfahren, warum eine öffentliche Einrichtung derart sorglos mit sensiblen Informationen umgegangen ist.
Der Vorfall untergräbt das Vertrauen in staatliche Register und öffentliche Forschungseinrichtungen. Dieses Vertrauen ist ein Grundpfeiler der nordischen Gesellschaften. Es wird leichtfertig verspielt, wenn persönliche Daten wie eine frei verfügbare Ware behandelt werden. Eine Universität braucht keine halbe Million Datensätze, um Lehre und Forschung zu betreiben. Sie braucht Disziplin, klare Löschfristen und den Willen, nur das Nötigste zu speichern.
Auch die Familien der Betroffenen sind gefährdet, denn Adressdaten und persönliche Verhältnisse lassen sich verknüpfen. Datenschutz ist daher auch Familienschutz. Wer solche Informationen nicht sichern kann, sollte sie gar nicht erst ansammeln. Die Digitalisierung hat viele Abläufe vereinfacht, aber sie hat auch eine Angriffsfläche geschaffen, die viele Verantwortliche unterschätzen. Der Preis für diese Nachlässigkeit zahlen jetzt Hunderttausende.
Die Verantwortlichen müssen persönlich zur Rechenschaft gezogen werden. Eine interne Arbeitsgruppe allein reicht nicht. Wer für die Sicherheit zuständig war, muss benannt werden. Betroffene können ihre gestohlenen Daten nicht zurückholen, aber sie haben Anspruch auf vollständige Aufklärung und Entschädigung. Darüber hinaus braucht es eine grundlegende Änderung: Öffentliche Einrichtungen müssen Daten minimieren, löschen und schützen, statt immer neue Bestände anzulegen.
Der Staat verlangt von den Bürgern Vertrauen in seine Systeme. Dieses Vertrauen muss er sich verdienen – mit Sicherheit statt mit immer neuen Datensammlungen. Der Angriff auf die Universität Kopenhagen zeigt, wie dringend dieser Kurswechsel ist.
Quelle: Aftenposten
