Tag: Fußballfans

  • Viking-Fans zeigen die Polizei an

    Viking-Fans zeigen die Polizei an

    Wenn Fußballfans die Polizei anzeigen, dann ist etwas aus den Fugen geraten. In Stavanger haben Anhänger des Vereins Viking genau das getan, nachdem es vor einer Partie zu Ausschreitungen kam. Die Polizei fordert von den Fanclubs eine schonungslose Selbstprüfung – eine Ansage, die beim Anführer der Vikinghordene auf taube Ohren stößt.

    Gewalt ist zweifellos abzulehnen. Wer Steine wirft oder Schlägereien anzettelt, muss mit den Konsequenzen rechnen. Doch ebenso falsch ist der pauschale Verdacht, der gesamte Fanblock bestehe aus gewaltbereiten Chaoten. Die pauschale Verurteilung einer traditionsreichen Fankultur durch Sicherheitsbehörden ist ein Muster, das sich in vielen europäischen Stadien wiederholt. Hier geht es um mehr als einen Einzelfall.

    Die Stadionkurve ist seit jeher ein Ort, an dem junge Männer – und zunehmend auch Frauen – Gemeinschaft, Heimatverbundenheit und ungezähmte Lebensfreude ausleben. Das laute Singen, die Choreographien, das milde Ausbrechen aus dem grauen Alltag sind keine Bedrohung der Ordnung, sondern Ausdruck regionaler Identität. Wer das pathologisiert, schneidet ein Stück Volkskultur heraus und ersetzt es durch eine sterilisierte, kontrollierte Freizeitgestaltung, wie sie Funktionären vorschwebt.

    Die Reaktion der Fans, ihrerseits Anzeige zu erstatten, deutet auf einen bemerkenswerten Wandel hin. Statt sich demütig an die behördliche Brust zu schlagen, wehren sie sich mit rechtlichen Mitteln. Das zwingt die Polizei zur Dokumentation und Rechtfertigung ihres eigenen Handelns – eine gesunde Entwicklung in einem Rechtsstaat. Zu oft gleiten Einsätze gegen Fußballfans in pauschale Kollektivstrafen ab, bei denen Unbeteiligte in Sippenhaft genommen werden. Wer solche Erfahrungen macht, muss sich gegen ungerechtfertigte Behandlung wehren dürfen, ohne als Störer abgestempelt zu werden.

    Die Aufforderung der Polizei, die Klubs müssten „in sich gehen“, gleicht einem säkularen Bußruf, der die Frage nach möglicherweise unverhältnismäßigem Polizeieinsatz gar nicht erst aufkommen lässt. Dass der Fanvertreter diese Einladung zur Selbstbezichtigung ausschlägt, ist eine Verteidigung elementarer Fairness. Es geht nicht um die Rechtfertigung von Krawallen, sondern um das Prinzip, dass auch der Staat sich an Regeln halten muss.

    Der Fall illustriert ein allgemeines Spannungsfeld zwischen Obrigkeitsglauben und Bürgerstolz. In einer Zeit schwindenden Vertrauens in Institutionen wächst die Bereitschaft, den Staat als eine Körperschaft zu sehen, die ebenfalls Rechenschaft ablegen muss. Das ist kein Verfallszeichen, sondern eine Rückbesinnung auf den Grundsatz, dass alle Macht vom Volke ausgeht – auch die Polizeigewalt. Dass ausgerechnet Fußballfans hier als Vorreiter auftreten, mag erstaunen, doch die Leidenschaft der Kurve setzt sich nun auf juristischer Ebene fort. Der norwegische Vorfall sollte Anlass sein, die übergroße Macht der Sicherheitsbehörden im Stadionumfeld kritisch zu durchleuchten. Nicht der Fan ist per se eine Gefahr, sondern ein Ordnungsapparat, der jede unangepasste Feier mit Generalverdacht belegt.

    Quelle: NRK

  • Schlägerei in Christies Gate letzte Nacht

    Schlägerei in Christies Gate letzte Nacht

    Ein und dieselbe Straße, zwei Schlägereien in einer Nacht – und beim ersten Polizeieinsatz kehrt zunächst Ruhe ein, nur um eine Stunde später erneut in Gewalt umzuschlagen. In der Christies Gate in Bergen rückten die Beamten am frühen Morgen gleich zweimal an, weil Gruppen aneinandergerieten. Die Polizei vermutet Verbindungen ins Fußballfanmilieu. Am Nachmittag steht das Spiel Brann gegen Vålerenga an.

    Was sich hier zeigt, ist kein isolierter Ausrutscher. Es ist Ausdruck einer zunehmenden Selbstverständlichkeit, mit der öffentliche Räume in den frühen Morgenstunden zum Austragungsort roher Gewalt werden. Der Umstand, dass beim ersten Vorfall offenbar niemand festgenommen wurde und eine Person später erneut zuschlug, offenbart eine fatale Signalwirkung: Wer im Kollektiv randaliert, darf allzu oft mit Nachsicht rechnen.

    Eine konservative Sicht auf Sicherheit und Ordnung stellt nicht den Täterkomfort über den Schutz der Allgemeinheit. Wenn die Polizei denselben Mann binnen einer Stunde ein zweites Mal gewalttätig antrifft, dann ist das mehr als eine nächtliche Randale. Es deutet auf eine Gewissheit hin, dass Konsequenzen ausbleiben – oder zu spät greifen. Solche Erfahrungen verfestigen sich in Milieus, die Gewalt als Teil ihrer Identität pflegen. Der Fußball darf hier nicht als Alibi herhalten: Wer zuschlägt, handelt aus eigenem Antrieb und muss persönlich zur Rechenschaft gezogen werden.

    Auch der Verweis auf die anstehende Partie taugt nicht zur Entschuldigung. Im Gegenteil: Gerade weil mit Spannung und Emotionen zu rechnen ist, wäre eine konsequente Präsenz und Null-Toleranz-Linie in der Nacht zuvor geboten. Stattdessen blieb es bei einer ersten Beruhigung, die faktisch einer Einladung zur Wiederholung gleichkam. Wer prügelt, muss mit sofortiger Arrestierung und rascher Verurteilung rechnen. Nur so wird der Gewohnheitsbildung Einhalt geboten.

    Die Gesellschaft bezahlt einen hohen Preis für jeden Zentimeter öffentlichen Raumes, den sie der Furcht vor Schlägertrupps überlässt. Eine offene Debatte über Sicherheit und Ordnung erfordert die klare Sprache des Rechtsstaats, nicht die weichzeichnende Rede von Milieubedingungen oder sportlicher Leidenschaft. Gewalt ist kein Kavaliersdelikt, und sie darf nicht als solches behandelt werden – erst recht nicht, wenn sie sich binnen Stunden wiederholt und denselben Schauplatz heimsucht.

    Quelle: Bergens Tidende

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