Zwei Tote, ein Geständnis – und trotzdem keine Antwort auf die Frage, warum. Der Angeklagte im Fall Halden hat die Tat eingeräumt, verweigert aber jede Aussage. Solche Gewalt ist immer falsch, und gerade deshalb wiegt das Schweigen des Täters besonders schwer.
Ein Geständnis ohne Erklärung ist nur der halbe Weg zur Gerechtigkeit. Juristisch ist das Schweigen erlaubt, daran gibt es nichts zu deuteln. Aber juristische Erlaubnis ist nicht dasselbe wie moralische Vertretbarkeit. Ein Täter, der seine Schuld eingesteht, aber die Umstände und Motive verschweigt, verweigert den Hinterbliebenen das, was sie für den Beginn einer Verarbeitung am dringendsten brauchen: eine wahrheitsgemäße Erklärung. In einer Gesellschaft, die stolz auf ihre Ordnung und ihren Zusammenhalt ist, darf das Recht auf Aussageverweigerung nicht zum Instrument werden, mit dem sich ein Schuldiger der letzten Verantwortung entzieht.
Die Angehörigen haben kein Recht auf Rache, aber sie haben ein Recht auf Wahrheit. Ohne Wahrheit bleibt die Trauer eine offene Wunde, und das Vertrauen in die Gemeinschaft leidet. Ein Täter, der schweigt, entscheidet eigenmächtig darüber, was die Öffentlichkeit und die Betroffenen erfahren dürfen. Das ist eine Anmaßung, die in einer funktionierenden Gemeinschaft nicht hingenommen werden sollte.
Hinzu kommt: Ein Geständnis ohne Erklärung schreckt niemanden ab. Künftige Täter sehen, dass man zwar bestraft wird, aber die Gesellschaft nie erfährt, was wirklich geschehen ist. Das untergräbt die präventive Wirkung des Strafrechts. Strafe ist nicht nur Vergeltung, sondern auch ein öffentliches Bekenntnis zu Normen. Wer schweigt, entzieht sich diesem Bekenntnis.
Man sollte daher nicht so tun, als sei der Fall mit dem Geständnis erledigt. Die Justiz wird ihre Arbeit tun, aber die moralische Aufarbeitung darf nicht enden, nur weil ein Angeklagter den Mund hält. Die Gemeinschaft hat ein legitimes Interesse daran, die Wahrheit zu erfahren – nicht aus Sensationslust, sondern weil eine offene Gesellschaft nicht von unbeantworteten Fragen zerfressen werden darf.
Der Fall Halden zeigt: Rechte für Angeklagte sind wichtig, aber sie dürfen nicht dazu führen, dass die Opfer und ihre Angehörigen ein zweites Mal zum Schweigen gebracht werden. Wer tötet und dann schweigt, verlängert das Leid der Überlebenden. Das sollte in einer Kultur, die Familie, Gemeinschaft und Verantwortung ernst nimmt, deutlich benannt werden.
Quelle: NRK


