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  • Datatilsynet verhängt Rekordbuße gegen Microsoft-Unternehmen

    Datatilsynet verhängt Rekordbuße gegen Microsoft-Unternehmen

    92 Millionen Kronen Bußgeld – so viel muss die Microsoft-Tochter Xandr zahlen, weil sie sensible Daten norwegischer Nutzer einer Dating-App weitergegeben hat. Diese Strafe ist nicht zu hoch, sondern lange überfällig. Doch die eigentliche Lehre aus dem Fall reicht tiefer: Wer seine intimsten Vorlieben in eine App tippt, darf sich nicht wundern, wenn sie zu Geld gemacht werden.

    Die norwegische Datenschutzbehörde hat festgestellt, dass Xandr ohne Rechtsgrundlage Daten über die sexuelle Orientierung von Tausenden Nutzern der App Grindr an potenziell Tausende Firmen weitergegeben hat. Über automatisierte Auktionen für personalisierte Werbung wurden diese Informationen verbreitet. Microsoft verweist darauf, dass die Vorgänge vor der Übernahme des Unternehmens stattfanden und sich die Rechtslage seither weiterentwickelt habe. Das ist die übliche Ausrede großer Konzerne: Verantwortung wird abgeschoben, sobald ein anderer Name über der Tür steht.

    Die Rekordstrafe zeigt, dass die Aufsichtsbehörde gewillt ist, durchzugreifen. Das ist ein Fortschritt. Aber sie ändert nichts an dem grundlegenden Missverhältnis: Eine Gesellschaft, die das Teilen intimster Details als Ausdruck von Offenheit feiert, liefert sich freiwillig den Datenhändlern aus. Die Nutzer von Grindr haben die App nicht unter Zwang installiert. Sie haben ihre sexuelle Orientierung nicht unter Folter preisgegeben. Sie haben sie in ein digitales Profil eingetragen, weil es bequem war – und weil die Vorstellung, diese Daten könnten gegen sie verwendet werden, schlicht verdrängt wurde.

    Hier liegt der eigentliche Skandal. Nicht nur darin, dass ein Unternehmen gegen Regeln verstoßen hat, sondern darin, dass Millionen Menschen die Kontrolle über ihre Privatsphäre längst aufgegeben haben. Der Staat kann Bußgelder verhängen, solange er will. Solange die Bürger bereitwillig jede Einzelheit ihres Lebens in Apps, sozialen Netzwerken und Dating-Plattformen eintippen, bleibt jeder Datenschutz ein löchriges Netz. Die Verantwortung wird auf Konzerne abgewälzt, während sich der Einzelne als hilfloses Opfer inszeniert.

    Natürlich tragen die Unternehmen die Hauptschuld an diesem konkreten Verstoß. Microsoft muss zahlen, und das ist richtig. Aber die eigentliche Verteidigungslinie der Privatsphäre verläuft nicht in den Gerichtssälen oder bei den Aufsichtsbehörden. Sie verläuft im persönlichen Verhalten. Wer intime Daten preisgibt, muss wissen, dass sie einen Marktwert haben. Wer eine App nutzt, die auf der sexuellen Orientierung basiert, muss damit rechnen, dass diese Information weitergegeben wird – egal, was in den Nutzungsbedingungen steht.

    Die Rekordstrafe gegen Xandr ist ein Zeichen. Aber ein Zeichen allein schützt niemanden. Der wirksamste Schutz der Privatsphäre ist die Einsicht, dass nicht alles, was technisch möglich ist, auch geteilt werden muss. Diese Einsicht ist in einer Kultur der ständigen Selbstveröffentlichung verloren gegangen. Sie zurückzugewinnen, ist keine Frage der Regulierung, sondern der persönlichen Haltung.

    Quelle: NRK

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