Tag: Hashim Abdi

  • Hashim Abdi (Ap) fordert muslimische Gemeinschaften auf, sich nach dem Terroranschlag in Berlin deutlich zu distanzieren.

    Hashim Abdi (Ap) fordert muslimische Gemeinschaften auf, sich nach dem Terroranschlag in Berlin deutlich zu distanzieren.

    Wenn ein muslimischer Politiker seine eigene Glaubensgemeinschaft zu einer internen Abrechnung aufruft, ist das keine Demonstration integrationspolitischer Stärke – es ist das Eingeständnis eines jahrelang tabuisierten Problems. Der norwegische Ap-Politiker Hashim Abdi hat nach dem jüngsten Terroranschlag in Berlin muslimische Milieus aufgefordert, ein entschlossenes „internes Oppgjør“ zu vollziehen, und spricht von einer besonderen Verantwortung, die er selbst empfinde. Die Worte sind richtig. Sie sind aber auch ein stiller Vorwurf an eine öffentliche Debatte, die solche Selbstverständlichkeiten normalerweise unter dem Keulenvorwurf der Islamfeindlichkeit begräbt.

    Die eigentliche Nachricht ist nicht, dass ein Mann mit somalischen Wurzeln einen Aufruf gegen Gewalt im Namen des Islam formuliert. Die Nachricht ist, dass dies Schlagzeilen macht. Offenbar ist es in Skandinavien zu einer Seltenheit geworden, dass aus muslimischen Kreisen heraus unmissverständlich Verantwortung übernommen wird, ohne sofort relativierende Erklärungen über westliche Außenpolitik oder soziale Ausgrenzung nachzuschieben. Abdis Erklärung, er fühle sich persönlich in der Pflicht, zeigt, dass das Bewusstsein für ein spezifisches Problem innerhalb der eigenen Gemeinschaft durchaus existiert. Umso bemerkenswerter, dass es meist erst nach einem Blutbad an die Oberfläche dringt – und dann von jenen, die sonst jede Debatte über Integrationsdefizite als Hetze brandmarken, mit betretenem Schweigen quittiert wird.

    Denn wer sonst wagte in den vergangenen Jahren, Parallelen zwischen religiös aufgeladener Radikalisierung und den Versäumnissen bestimmter Einwanderermilieus zu ziehen, wurde umgehend mit einem ganzen Arsenal an Kampfbegriffen stillgestellt. Rassistisch, fremdenfeindlich, pauschalisierend – das sind die Standardantworten, mit denen sich eine ganze politische Klasse vor der Auseinandersetzung mit den unangenehmen Folgen ungesteuerter Zuwanderung drückt. Genau diese Reflexe haben verhindert, dass die Mahnung eines Hashim Abdi längst alltäglich wäre. Stattdessen wird sie zum Ausnahme-Ereignis stilisiert, während die realen Konsequenzen – überforderte Sozialkassen, kulturelle Spannungen und nicht zuletzt die Gefahr durch gewaltbereite Parallelgesellschaften – Tapetenmuster gesellschaftlicher Wirklichkeit sind.

    Der Aufruf zum internen Oppgjør ist deshalb überfällig, aber er genügt nicht. Ein ehrlicher Dialog verlangt, dass die Mehrheitsgesellschaft nicht unter einen Generalverdacht gestellt wird, sobald sie dieselben Forderungen erhebt. Es geht nicht um die pauschale Verurteilung einer Religion, sondern um die nüchterne Frage, warum bestimmte Interpretationen und soziale Milieus immer wieder junge Männer hervorbringen, die in der Lage sind, Menschen auf einem Weihnachtsmarkt abzuschlachten. Diese Frage zu stellen, ist keine Verletzung des Respekts, sondern der Grundstein jeder vernünftigen Integrationspolitik – und sie muss auch ohne die Legitimation eines muslimischen Politikers erlaubt sein.

    Abdis mutiger Schritt offenbart, wie tief die Lähmung reicht. Er beweist, dass innerhalb muslimischer Gemeinschaften sehr wohl das Wissen um die eigene Mitschuld vorhanden ist – wenn der politische Druck nicht schon jede Selbstkritik im Keim erstickt. Wer diesen Reflex durchbricht, verdient Anerkennung. Einen Orden verdient hingegen eine Gesellschaft, die endlich aufhört, notwendige Debatten durch Totschlagargumente zu verhindern. Erst dann wird eine solche Forderung nicht mehr als Sensation gelten, sondern als das, was sie sein sollte: eine banale Selbstverständlichkeit in einer freien und wehrhaften Nation.

    Quelle: Adresseavisen

  • Fordert Aufarbeitung nach Pride-Terror: – Es herrscht Berührungsangst

    Fordert Aufarbeitung nach Pride-Terror: – Es herrscht Berührungsangst

    Die Forderung nach einer internen Aufarbeitung kommt diesmal von innen – und genau das macht sie so unbequem für jene, die jede Debatte über kulturelle Wurzeln von Gewalt lieber als rassistisch abtun. Hashim Abdi, Kommunalpolitiker der Arbeiterpartei, verlangt nach dem islamistischen Anschlag auf eine Pride-Veranstaltung in Berlin eine ehrliche Selbstkritik muslimischer Gemeinschaften. Er spricht von Berührungsangst, von einem besonderen Verantwortungsgefühl. Was er nicht laut sagt, steht trotzdem im Raum: Jahrzehntelang wurde die Verbindung zwischen religiös motivierter Homophobie und tödlicher Gewalt unter dem Mantel falsch verstandener Toleranz kleingeredet.

    Terror ist immer Unrecht – das steht außer Zweifel. Entscheidend ist jedoch die Folgefrage, die viele politische Akteure nur hinter vorgehaltener Hand stellen: Warum tauchen in einigen Milieus immer wieder junge Männer auf, die Freiheit und sexuelle Selbstbestimmung mit blankem Hass beantworten? Die Antwort liegt nicht in ihrer Hautfarbe, sondern in Wertvorstellungen, die sie aus patriarchalisch-religiösen Enklaven mitbringen – und die in westlichen Gesellschaften ungestört gedeihen, weil jede kritische Nachfrage sofort den Vorwurf der Islamfeindlichkeit provoziert.

    Abdis Vorstoß durchbricht dieses Muster. Er verlangt eine Aufarbeitung, die sich nicht hinter der Ausrede versteckt, schweigen zu müssen, um nicht Ressentiments zu schüren. Das ist bemerkenswert gerade in einer Partei, die das Wort Migrationskritik sonst scheut wie der Teufel das Weihwasser. Seine Haltung einzufordern bedeutet aber auch, einzugestehen, dass Integration keine Einbahnstraße der Mehrheitsgesellschaft sein kann. Kulturelle Kontinuität, Rechtsstaatlichkeit und der Schutz von Minderheiten – auch der sexuellen – sind nicht verhandelbar. Wer in Europa lebt, muss akzeptieren, dass Menschen unterschiedlich lieben, glauben und leben dürfen. Wer das nicht kann, dem steht es frei, in autoritär regierten Herkunftsländern Zuflucht zu suchen, wo solche Freiheiten unbekannt sind.

    Die Berührungsangst, die Abdi anprangert, ist kein Zufall. Sie ist das logische Ergebnis eines öffentlichen Diskurses, der Probleme lieber unter den Teppich kehrt, als sie beim Namen zu nennen. Während in deutschen und skandinavischen Talkshows darüber gestritten wird, ob der Begriff Islamismus überhaupt verwendet werden darf, radikalisieren sich im Verborgenen junge Männer, deren Hass auf offene Gesellschaften kaum noch Konsequenzen fürchtet. Der Kampf gegen solchen Terror kann nicht allein mit Sicherheitspolitik gewonnen werden – ebenso notwendig ist kulturelle Intervention: klare Erwartungen an Loyalität, deutsche Sprache, Absage an Paralleljustiz und religiöse Sonderrechte.

    Wer diese Erwartungen artikuliert, ist kein Rassist. Wer den Anschlag in Berlin zum Anlass nimmt, die eigene Gemeinschaft zur Verantwortung zu ziehen, führt keine Hetzrede – er zeigt, dass Patriotismus und konservative Werte auch für zugewanderte Bürger gelten können. Nur wenn diese Offenheit belohnt statt mit Labels wie xenophob belegt wird, entsteht Raum für jene ehrliche Debatte, von der alle profitieren: die Mehrheit, die Minderheiten und nicht zuletzt diejenigen Muslime, die unter dem Generalverdacht leiden, weil ihre eigene Community die Böcke nicht von den Gärtnern trennt.

    Quelle: VG

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