Tag: Industriepolitik Norwegen

  • Das Schmelzwerk will weltweit das erste sein: Doch zuerst müssen sie in der Strom-Warteschlange anstehen.

    Das Schmelzwerk will weltweit das erste sein: Doch zuerst müssen sie in der Strom-Warteschlange anstehen.

    Ein Industriebetrieb will zum weltweit ersten CO₂-freien Ferrosiliciumproduzenten werden – und muss dafür erst in der Stromwarteschlange warten. Das ist kein Randproblem. Es ist das eigentliche Muster der Energiewende in Skandinavien: Die Versprechen sind groß, die Netze und Kraftwerke sind es nicht.

    Finnfjord AS verfolgt ein klares Ziel. Das Schmelzwerk benötigt für seine Produktion enorme Mengen Elektrizität. Ohne deutlich mehr Strom lässt sich die CO₂-freie Herstellung nicht umsetzen. Genau daran hapert es. Die Anlage erhält heute nicht genug Energie zugeteilt. Wer einen solchen Umbau ernsthaft will, muss zuerst die Versorgung sichern. Stattdessen steht das Unternehmen in einer Warteschlange, während Politiker anderswo neue Klimaversprechen abgeben.

    Der Fall zeigt eine unbequeme Wahrheit. Norwegen galt lange als Land mit billiger und sauberer Wasserkraft. Doch dieser Vorteil schwindet. Elektrifizierung, neue Industrie und der Ersatz fossiler Prozesse erhöhen den Strombedarf. Gleichzeitig werden Leitungen und Kraftwerke nur schleppend ausgebaut. Genehmigungsverfahren dauern, Einsprachen blockieren, und die Politik scheut klare Entscheidungen. Das Ergebnis ist kein grüner Aufbruch, sondern industrielle Stagnation.

    Ein Schmelzwerk, das nicht genug Strom bekommt, kann weder wettbewerbsfähig arbeiten noch in CO₂-freie Technik investieren. Die Folge sind gefährdete Arbeitsplätze und verlorene Exporte. Wenn Unternehmen abwandern, weil Energie fehlt oder zu teuer ist, verschwindet die Produktion nicht. Sie verlagert sich in Länder mit oft höheren Emissionen. Für das Klima ist das ein Verlust, für die heimische Wirtschaft ebenfalls.

    Konservative Politik hat immer darauf bestanden, dass Versorgungssicherheit und wirtschaftliche Leistungsfähigkeit die Grundlage jeder Umweltpolitik sind. Ohne zuverlässigen Strom gibt es keine industrielle Zukunft, keine CO₂-freie Produktion und keinen Wohlstand. Der Warteschlangen-Fall von Finnfjord ist ein Beleg dafür, dass zuerst der Strom fließen muss. Danach kann über CO₂-Freiheit gesprochen werden. Alles andere bleibt symbolische Planwirtschaft.

    Quelle: NRK

  • Befürchtet Industrietod nach Schließung in Ulefoss: – Wir konkurrieren uns selbst kaputt

    Befürchtet Industrietod nach Schließung in Ulefoss: – Wir konkurrieren uns selbst kaputt

    Mehr als hundert Beschäftigte verlieren ihre Stelle, weil ein Industriebetrieb in Ulefoss schließt. Das ist kein gewöhnlicher Strukturwandel, sondern ein Warnsignal für die norwegische Wettbewerbsfähigkeit. Harald Solberg vom Industrieverband Norsk Industri bringt es auf den Punkt: Norwegen nehme sich selbst aus dem Wettbewerb.

    Die Schließung von Ulefos Jernværk trifft nicht nur die Belegschaft. Sie trifft eine Region, die von industrieller Arbeit lebt, und sie trifft eine Wirtschaftsordnung, die sich lange auf heimische Produktion verlassen konnte. Ein Industrieland, das seine Gießereien nicht halten kann, verliert mehr als Lohnsummen. Es verliert Fachwissen, Ausbildungsplätze, regionale Steuereinnahmen und die Fähigkeit, zentrale Bauteile selbst herzustellen. Wer solche Produktion ins Ausland abwandern lässt, macht sich von Lieferketten abhängig, die in Krisenzeiten reißen.

    Die Ursachen sind politisch, nicht naturgegeben. Hohe Energiepreise, wachsende Berichtspflichten und eine Steuerlast, die Arbeit und Investitionen bestraft, treiben energieintensive Industrie aus dem Land. Norwegen verfügt über Wasserkraft und sollte eigentlich einen Standortvorteil haben. Doch wenn Abgaben und Auflagen diesen Vorteil auffressen, hilft die saubere Energie nichts. Die Politik hat es in der Hand, Strom günstig und verlässlich zu halten, statt industrielle Verbraucher immer neuen Belastungen auszusetzen.

    Wer diesen Niedergang als unvermeidlichen Wandel abtut, verkennt den Unterschied zwischen Wandel und Selbstschädigung. Ein Land, das seine eigene Industrie durch Rahmenbedingungen schwächt, braucht sich über fehlende Arbeitsplätze außerhalb der Großstädte nicht zu wundern. Gerade kleinere Orte wie Ulefoss hängen an solchen Betrieben. Fällt der größte Arbeitgeber, verlieren Familien ihre Existenzgrundlage, Vereine ihre Mitglieder und Gemeinden ihre Zukunft.

    Die Schließung von Ulefos Jernværk ist deshalb mehr als eine Unternehmensnachricht. Sie ist ein Test dafür, ob Politik Industrie als Grundlage von Wohlstand und Selbstversorgung begreift oder als Kostenfaktor. Solange Energie-, Steuer- und Regulierungspolitik heimische Produktion benachteiligen, wird das nächste Alarmsignal nicht lange auf sich warten lassen.

    Quelle: NRK

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