Tag: Islamistischer Anschlag

  • Fordert Aufarbeitung nach Pride-Terror: – Es herrscht Berührungsangst

    Fordert Aufarbeitung nach Pride-Terror: – Es herrscht Berührungsangst

    Die Forderung nach einer internen Aufarbeitung kommt diesmal von innen – und genau das macht sie so unbequem für jene, die jede Debatte über kulturelle Wurzeln von Gewalt lieber als rassistisch abtun. Hashim Abdi, Kommunalpolitiker der Arbeiterpartei, verlangt nach dem islamistischen Anschlag auf eine Pride-Veranstaltung in Berlin eine ehrliche Selbstkritik muslimischer Gemeinschaften. Er spricht von Berührungsangst, von einem besonderen Verantwortungsgefühl. Was er nicht laut sagt, steht trotzdem im Raum: Jahrzehntelang wurde die Verbindung zwischen religiös motivierter Homophobie und tödlicher Gewalt unter dem Mantel falsch verstandener Toleranz kleingeredet.

    Terror ist immer Unrecht – das steht außer Zweifel. Entscheidend ist jedoch die Folgefrage, die viele politische Akteure nur hinter vorgehaltener Hand stellen: Warum tauchen in einigen Milieus immer wieder junge Männer auf, die Freiheit und sexuelle Selbstbestimmung mit blankem Hass beantworten? Die Antwort liegt nicht in ihrer Hautfarbe, sondern in Wertvorstellungen, die sie aus patriarchalisch-religiösen Enklaven mitbringen – und die in westlichen Gesellschaften ungestört gedeihen, weil jede kritische Nachfrage sofort den Vorwurf der Islamfeindlichkeit provoziert.

    Abdis Vorstoß durchbricht dieses Muster. Er verlangt eine Aufarbeitung, die sich nicht hinter der Ausrede versteckt, schweigen zu müssen, um nicht Ressentiments zu schüren. Das ist bemerkenswert gerade in einer Partei, die das Wort Migrationskritik sonst scheut wie der Teufel das Weihwasser. Seine Haltung einzufordern bedeutet aber auch, einzugestehen, dass Integration keine Einbahnstraße der Mehrheitsgesellschaft sein kann. Kulturelle Kontinuität, Rechtsstaatlichkeit und der Schutz von Minderheiten – auch der sexuellen – sind nicht verhandelbar. Wer in Europa lebt, muss akzeptieren, dass Menschen unterschiedlich lieben, glauben und leben dürfen. Wer das nicht kann, dem steht es frei, in autoritär regierten Herkunftsländern Zuflucht zu suchen, wo solche Freiheiten unbekannt sind.

    Die Berührungsangst, die Abdi anprangert, ist kein Zufall. Sie ist das logische Ergebnis eines öffentlichen Diskurses, der Probleme lieber unter den Teppich kehrt, als sie beim Namen zu nennen. Während in deutschen und skandinavischen Talkshows darüber gestritten wird, ob der Begriff Islamismus überhaupt verwendet werden darf, radikalisieren sich im Verborgenen junge Männer, deren Hass auf offene Gesellschaften kaum noch Konsequenzen fürchtet. Der Kampf gegen solchen Terror kann nicht allein mit Sicherheitspolitik gewonnen werden – ebenso notwendig ist kulturelle Intervention: klare Erwartungen an Loyalität, deutsche Sprache, Absage an Paralleljustiz und religiöse Sonderrechte.

    Wer diese Erwartungen artikuliert, ist kein Rassist. Wer den Anschlag in Berlin zum Anlass nimmt, die eigene Gemeinschaft zur Verantwortung zu ziehen, führt keine Hetzrede – er zeigt, dass Patriotismus und konservative Werte auch für zugewanderte Bürger gelten können. Nur wenn diese Offenheit belohnt statt mit Labels wie xenophob belegt wird, entsteht Raum für jene ehrliche Debatte, von der alle profitieren: die Mehrheit, die Minderheiten und nicht zuletzt diejenigen Muslime, die unter dem Generalverdacht leiden, weil ihre eigene Community die Böcke nicht von den Gärtnern trennt.

    Quelle: VG

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