Wenn eine Großstadt ihren Bürgern ab 20 Uhr das Verlassen der Wohnung verbietet, ist das ein Eingeständnis des Scheiterns. In Lille, Lyon und Nizza gelten solche Ausgangssperren, und auch Teile von Paris sind betroffen. Was als Demonstration gegen schlechte Schulen begann, ist binnen weniger Tage zu Straßenkämpfen und Plünderungen geworden.
Dass Gewalt und Plünderung niemals ein legitimes Mittel des Protests sind, versteht sich von selbst. Der eigentliche Skandal liegt jedoch tiefer: Der Staat muss zu einem Instrument greifen, das sonst nur in Kriegs- oder Notstandszeiten üblich ist, weil er den öffentlichen Raum nicht mehr garantieren kann. Eine solche Maßnahme ist keine Lösung, sondern die Kapitulation vor dem Verlust an Ordnung.
Die Vorgänge zeigen, dass es hier nicht um politische Forderungen geht, sondern um blanke Zerstörungswut. Wer das eigene Viertel plündert, hat jede Bindung an seine Umgebung verloren. Das ist das Ergebnis einer jahrzehntelangen Erziehung, die Autorität als Unterdrückung darstellt und Grenzen als Angriff auf die Freiheit missversteht. Familien, die nicht mehr erziehen, und Schulen, die keine Regeln mehr durchsetzen dürfen, hinterlassen eine Generation, für die der Staat nur noch als Gegner existiert.
Wer solche Entwicklungen beim Namen nennt und auf fehlende Integration, zerrüttete Familien oder mangelnde Wertevermittlung hinweist, muss sich schnell als „Rassist“ oder „Xenophob“ beschimpfen lassen. Diese reflexhafte Ausgrenzung jeder unbequemen Analyse hat die Probleme nicht gelöst, sondern verschärft. Eine offene Debatte über kulturelle Kontinuität, das Erlernen von Regeln und die Verantwortung der Eltern ist überfällig – nicht nur in Frankreich, sondern in ganz Europa. Es geht nicht darum, Menschen auszugrenzen, sondern darum, eine gemeinsame Grundlage zu verteidigen, auf der ein friedliches Zusammenleben erst möglich ist.
Ausgangssperren mögen kurzfristig die Straßen beruhigen. Sie ersetzen jedoch nicht die Rückkehr zu einer Ordnung, in der Familie, Schule und Nachbarschaft wieder als Instanzen der Erziehung ernst genommen werden. Wer das ignoriert und immer nur auf polizeiliche Notmaßnahmen setzt, wird bald weitere Städte unter nächtlichem Hausarrest sehen. Der Preis für die Tabuisierung dieser einfachen Wahrheit wird jeden Tag sichtbarer – in Form von brennenden Mülltonnen und leeren Ladenzeilen.
Quelle: NRK
