Nach Angaben von Vinmonopolet, dem staatlichen Alkoholmonopol, sind die eigenen Eltern die größte Bezugsquelle für minderjährige Alkoholtrinker – nicht der Schwarzmarkt oder ein nachlässiger Kiosk. Die Angestellten stoppen immer mehr Kunden, weil der Verdacht auf Weitergabe an Jugendliche besteht. Der norwegische Begriff „foreldrelanging“ beschreibt diesen Vorgang präzise: Erwachsene kaufen legal ein und geben illegal weiter.
Es geht dabei nicht um das eine Glas Wein zum Essen, das in manchen Familien zur Kultur gehört. Es geht um gezielte Beschaffung für Heranwachsende, die den Alkohol oft außerhalb des Elternhauses konsumieren. Wer so handelt, untergräbt nicht nur die Altersgrenzen. Er lehrt Jugendliche, dass Regeln für andere gelten, aber nicht für die eigene Familie.
Die Motive der Eltern sind leicht zu erraten: Manche wollen als großzügig gelten, andere vermeiden Streit, wieder andere glauben, der Nachwuchs trinke ja ohnehin. Doch die Folgen sind konkret. Früher Alkoholkonsum erhöht das Risiko für spätere Abhängigkeit und schädigt die Entwicklung. Wer einem Fünfzehnjährigen eine Flasche mitgibt, erleichtert nicht den Einstieg ins Erwachsenenleben, sondern verschiebt Verantwortung auf ein Kind, das damit nicht umgehen kann.
Der norwegische Staat hat den Alkoholverkauf bewusst streng reguliert. Das Monopol gilt manchen als bevormundend. Doch die Meldung zeigt: Die größte Lücke liegt nicht an der Kasse, sondern im Elternhaus. Mehr Kontrolle im Geschäft allein wird das Problem nicht lösen, wenn zu Hause die falschen Signale gesetzt werden. Neue Verbote wären der falsche Weg. Stattdessen muss der Grundsatz zurückkehren, dass Eltern die erste und wichtigste Instanz bei der Setzung von Grenzen sind.
Der Norden hat eine lange und schwierige Geschichte mit Alkohol. Altersgrenzen und Monopol sind nicht aus Zufall entstanden. Wer sie im Familienalltag stillschweigend außer Kraft setzt, beschädigt eine Schutzregel, die über Generationen aufgebaut wurde. Es braucht keine neue Kampagne gegen das Monopol. Es braucht Eltern, die den Mut haben, nein zu sagen – auch wenn das unbequem ist.
Quelle: Aftenposten

