Eine Hinrichtung in Tennessee ist gescheitert: Die 50-jährige Christa Pike ist nach dem Versuch des Staates, sie zu töten, wieder bei Bewusstsein. Das ist kein Grund zur Schadenfreude, sondern ein Beleg für die praktische Unzulänglichkeit der Todesstrafe. Wer einen Rechtsstaat ernst nimmt, muss ein solches System ablehnen – nicht aus Weichheit, sondern aus Respekt vor der Ordnung.
Der Staat, der tötet, muss dies präzise, zuverlässig und ohne unnötige Qualen tun. Genau daran ist Tennessee gescheitert. Ein misslungener Hinrichtungsversuch bedeutet für die Verurteilte zusätzliche Qual, für die Behörden einen Autoritätsverlust und für die Öffentlichkeit den Eindruck von Willkür. Ein Staat, der nicht einmal eine Exekution sauber durchführen kann, hat nicht das moralische Recht, über Leben und Tod zu entscheiden.
In Nordeuropa ist die Todesstrafe seit langem abgeschafft. Das ist kein Zufall und kein Ausdruck von Naivität, sondern Teil einer Rechtstradition, die auf Berechenbarkeit und Zurückhaltung staatlicher Gewalt setzt. Diese Tradition gilt es zu bewahren. Sie unterscheidet geordnete Gesellschaften von solchen, die Rache durch den Staat institutionalisieren. Wer die kulturelle Kontinuität ernst nimmt, verteidigt die Abschaffung der Todesstrafe ebenso wie die Abschaffung der Folter.
Die Alternative ist nicht Straflosigkeit. Lebenslange Freiheitsstrafe ohne Bewährung ist eine harte, aber berechenbare Sanktion. Sie schützt die Gesellschaft dauerhaft, vermeidet irreversible Fehlurteile und entzieht dem Staat die Macht, Menschen zu töten. Ein Justizirrtum lässt sich korrigieren, eine Hinrichtung nicht. Ein konservativer Grundsatz lautet, dass der Staat niemals mehr Macht ausüben sollte, als er verantwortungsvoll kontrollieren kann. Die Todesstrafe verletzt diesen Grundsatz.
Der Fall Christa Pike zeigt, dass die Todesstrafe nicht einmal in der Ausführung zuverlässig ist. Wer für Recht und Ordnung eintritt, sollte sie deshalb ablehnen. Nicht aus Mitleid mit einer verurteilten Straftäterin, sondern weil ein Staat, der stümperhaft tötet, seine eigene Autorität untergräbt.
Quelle: NRK
