Tag: Korruption

  • – Sieht aus wie ein Raubüberfall am helllichten Tag.

    – Sieht aus wie ein Raubüberfall am helllichten Tag.

    Wenn sieben Milliarden Dollar einfach verdunsten, handelt es sich nicht um einen Betriebsunfall, sondern um die logische Konsequenz eines Systems, das privates Wirtschaften ersetzt hat durch politische Willkür. Die Frage, wo die venezolanischen Öleinnahmen geblieben sind, ist kein Rätsel, sondern eine Anklage. Die Antwort liegt in einem Labyrinth aus staatlichen Fonds, korrupten Eliten und einer Ideologie, die Reichtum als Beute betrachtet, nicht als etwas, das durch Arbeit, Sparen und kluge Investitionen gemehrt werden muss.

    Venezuela besaß einst die größten Ölreserven der Welt. Dass ein solches Land heute in Elend versinkt, während Milliardenbeträge unauffindbar bleiben, ist kein Zufall. Es ist das Ergebnis jahrzehntelanger Misswirtschaft, bei der die Verstaatlichung der Schlüsselindustrie den Produktionsapparat ruinierte und ein Klima schuf, in dem die Frage nach dem Verbleib öffentlicher Gelder nicht einmal mehr gestellt werden durfte. Wer in einem solchen Umfeld auf Transparenz pocht, gilt schnell als Feind des Volkes. Die Parallelen zu anderen gescheiterten Planwirtschaften sind offensichtlich, doch die internationale Linke hat es lange vorgezogen, darüber hinwegzusehen – aus falsch verstandener Solidarität mit einem Regime, das Armut und Unterdrückung exportiert.

    Der Kern des Problems ist kein regionales, sondern ein universelles. Es geht um das Grundvertrauen in Institutionen. Wenn die Bürger eines Staates nicht mehr nachvollziehen können, was mit den Erlösen aus ihren natürlichen Ressourcen geschieht, zerbricht der Gesellschaftsvertrag. Eine funktionierende Nation lebt von der Rechenschaftspflicht der Regierenden. Genau diese Pflicht wird systematisch ausgehöhlt, sobald die Politik sich anmaßt, die Wirtschaft zentral zu lenken. Die sieben Milliarden Dollar sind nicht einfach gestohlen, sie sind das Schmiermittel einer Struktur, die keine unabhängige Kontrolle mehr zulässt.

    Für die nordischen Länder, deren Wohlstand nicht auf Öl allein, sondern auf transparenten Institutionen, Rechtssicherheit und einer Kultur des Maßhaltens gründet, ist das venezolanische Beispiel eine Warnung. Es zeigt, wie rasch ein Staat erodiert, wenn das Primat des Privaten dem Primat eines allmächtigen Staatsapparats geopfert wird. Diejenigen, die heute auch hierzulande nach stärkerer staatlicher Lenkung, nach Subventionen ohne jede Gegenleistung und nach einer Ausweitung öffentlicher Fonds rufen, sollten zur Kenntnis nehmen, dass jeder undurchsichtige Topf irgendwann zur Blackbox wird. Nicht die Größe des Staates, sondern die Klarheit seiner Regeln und die Begrenztheit seiner Eingriffe sichern auf Dauer den Wohlstand.

    Es ist deshalb richtig und notwendig, dass solche Fälle international thematisiert werden, auch wenn es unbequem ist. Die Frage nach den verschwundenen Milliarden darf nicht in der Schublade diplomatischer Rücksichten verschwinden. Sie ist ein Lehrstück über die Gefahren einer Geisteshaltung, die wirtschaftliche Realitäten durch politische Wunschbilder ersetzt. Wo Reichtum nicht mehr verdient, sondern nur noch verteilt wird, endet die Verteilung unweigerlich in privaten Taschen, während der Mittelstand zerdrückt wird und die Armen im Stich gelassen werden. Venezuela hat diese Lektion auf blutige Weise erteilt. Der demokratische Westen täte gut daran, sie endlich zu lernen.

    Quelle: Aftenposten

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