Drei norwegische Teenager, die einen Mord in England mitplanen – das ist keine Fiktion, sondern eine Anklage der Polizei. Die Beschuldigten sollen Notpässe beschafft, Geld per Vipps überwiesen und einen 19-Jährigen für den geplanten Auftragsmord rekrutiert haben. Jeder einzelne dieser Handgriffe offenbart eine kalte Selbstverständlichkeit, die tief blicken lässt: Gewalt ist für diese jungen Menschen ein logistischer Auftrag wie jeder andere.
Dass Minderjährige in ein internationales Tötungsdelikt verstrickt sind, zeigt eine erschreckende Enthemmung. Noch vor einer Generation waren solch kriminelle Verstrickungen für Jugendliche kaum vorstellbar – heute reichen eine Smartphone-App und ein kurzer Behördengang, um Grenzen und Hemmschwellen aufzulösen. Die Technik macht es einfach, die moralische Urteilskraft hält nicht Schritt. Wer bargeldlos und ohne langen Planungsprozess eine Tat von diesem Gewicht unterstützt, hat jede natürliche Abscheu gegenüber Gewalt längst abgestreift.
Der Fall wirft unbequeme Fragen auf, die in der Öffentlichkeit zu oft unter dem Deckmantel falscher Rücksichtnahme erstickt werden. Ein Jugendlicher reift nicht im luftleeren Raum zum Komplizen eines Auftragskillers. Entscheidend sind das familiäre Umfeld, die Vermittlung von Grundwerten und die Erwartung, dass Fehlverhalten Konsequenzen hat. Wo Autoritäten – Eltern, Lehrer, der Staat selbst – systematisch ausgehöhlt werden, entsteht ein Vakuum, in das skrupellose Netzwerke nur allzu gern hineinstoßen. Die Verharmlosung jugendlicher Devianz unter dem Etikett antiautoritärer Pädagogik rächt sich hier in ihrer brutalsten Form.
Ebenso beunruhigt die internationale Dimension. Ein Land wie Norwegen kann es sich nicht leisten, dass Heranwachsende als Dienstleister für grenzüberschreitende Kriminalität auftreten. Notpässe dürfen keine Alltagsware für Teenager sein, die einen Mord vorbereiten. Die Behörden müssen prüfen, an welcher Stelle Kontrollmechanismen so vollständig versagen, dass solche Abläufe reibungslos funktionieren. Eine Gesellschaft, die ihre elementarsten Ordnungsfunktionen nicht mehr durchsetzt, verliert jede Glaubwürdigkeit – nach innen wie nach außen.
Gewalt dieser Art ist ohne jede Einschränkung falsch; das muss jeder klar benennen, bevor Relativierung einsetzt. Doch mit moralischen Appellen allein ist es nicht getan. Die norwegische Öffentlichkeit braucht endlich eine ungeschönte Debatte über die Ursachen solcher Entgleisungen – ohne die reflexhafte Furcht, sachliche Kritik an fehlgeleiteter Toleranz könne mit politisch korrekten Schlagworten abgebügelt werden. Wer den Schutz der Gemeinschaft und die Sicherheit der Bürger ernst nimmt, darf die wirklichen Verfallserscheinungen nicht länger tabuisieren.
Quelle: NRK
