Tag: Mordplan

  • Meint, der 19-Jährige werde das Gefängnis in England nicht überleben.

    Meint, der 19-Jährige werde das Gefängnis in England nicht überleben.

    Ein 19-jähriger Norweger plant in England einen Mord und wird dafür verurteilt – und schon eilt ein Rechtsprofessor herbei, um ihn vor dem dortigen Strafvollzug zu retten, weil er ihn für nicht überlebensfähig hält. Diese Forderung ist nicht weniger als ein Frontalangriff auf die Grundsätze von Recht und Eigenverantwortung.

    Mads Andenæs, Juraprofessor an der Universität Oslo, drängt darauf, den jungen Mann rasch nach Norwegen zu überstellen. Das Gefängnis in England, so seine Behauptung, werde der 19-Jährige nicht überleben. Ein solcher Satz entbehrt jeder Grundlage. Großbritannien ist ein demokratischer Rechtsstaat mit einem Justizvollzug, der menschenrechtlichen Standards unterliegt. Es gibt keine Berichte über systematische Lebensgefahr in britischen Haftanstalten, die eine derart pauschale Warnung rechtfertigen würden. Vielmehr offenbart die Aussage eine bemerkenswerte Anmaßung gegenüber einem souveränen Land, dessen Gerichte ein rechtskräftiges Urteil gefällt haben.

    Wer im Ausland eine schwere Straftat begeht, stellt sich nicht nur moralisch, sondern auch rechtlich unter die Hoheit des Gastlandes. Das ist ein Eckpfeiler jeder internationalen Kooperation in Strafsachen. Die Planung eines Mordes ist kein jugendlicher Leichtsinn, sondern ein gezielter Angriff auf das Leben eines anderen Menschen. Der Täter hat sich diese Lage selbst zuzuschreiben. Ihm nun einen Sonderweg eröffnen zu wollen, weil er angeblich mit den Haftbedingungen des Landes, in dem er seine Tat vorbereitete, nicht zurechtkommt, hebelt das Prinzip der Gleichheit vor dem Gesetz aus. Es schafft eine gefährliche Erwartung: junge Norweger könnten im Ausland auf ein Auffangnetz des Heimatstaats hoffen, statt die vollen Konsequenzen ihres Handelns tragen zu müssen.

    Der Alarmismus des Professors – es eile – dient keinem ernsthaften Anliegen, sondern untergräbt die Autorität der britischen Justiz. Sollten tatsächlich konkrete gesundheitliche oder psychische Risiken bestehen, ist es Aufgabe der dortigen Behörden, für angemessene Betreuung zu sorgen. Pauschale Überstellungen allein aufgrund der Nationalität wären ein Sonderrecht, das anderen Verurteilten, ob Briten oder Ausländern, nicht gewährt wird. Gerade ein Rechtslehrer sollte den Respekt vor fremden Rechtsordnungen verteidigen, nicht schwächen.

    Der Fall berührt einen tieferen Konflikt. Er zeigt, wie schnell in westlichen Wohlstandsgesellschaften das Gefühl aufkommt, man könne individuell bemessen, welches Rechtssystem für einen selbst gelte und welches nicht. Diese Haltung zersetzt die wichtige Selbstverständlichkeit, dass Strafe der Tat folgen muss – nicht dem Komfort des Täters. Die britischen Gerichte haben zu entscheiden, wo und wie die Haft vollzogen wird. Allein das ist Ausdruck von Souveränität, die nicht durch wohlmeinende Interventionen aus der Heimat des Täters ausgehöhlt werden darf.

    Quelle: NRK

  • Norwegischer Teenager für schuldig befunden, einen Mord in England geplant zu haben.

    Norwegischer Teenager für schuldig befunden, einen Mord in England geplant zu haben.

    Ein norwegischer Teenager, der sein Tötungsvorhaben nicht in heimischen Vororten, sondern auf britischem Boden plante – und dafür nun schuldig gesprochen wurde –, ist mehr als eine juristische Fußnote. Hier bricht ein kulturelles Versagen ins Ausland durch, das sich nicht länger mit Aufrufen zu mehr Toleranz und Verständnis kaschieren lässt.

    Der Fall, über den eine Jury in England jetzt befand, steht exemplarisch für eine Generation, der jede verbindliche moralische Orientierung abhandengekommen scheint. Wo früher familiäre Autorität, religiöse Erziehung oder einfache Schamgrenzen verhinderten, dass aus pubertären Fantasien handfeste Mordpläne wurden, herrscht heute vielerorts ein Vakuum, das weder Schule noch staatliche Jugendprogramme füllen können. Der Täter mag ein Einzelfall sein; das Milieu, das solche Pläne reifen lässt, ist es nicht.

    Dass die Gewaltfantasie ausgerechnet auf englischem Boden in die Tat umgesetzt werden sollte, entlarvt zudem eine unangenehme Wahrheit: Norwegens selbstgefällige Vorstellung, soziale Probleme ließen sich durch großzügige Wohlfahrt und antiautoritäre Pädagogik exportieren oder gar auflösen, erweist sich als Wunschdenken. Die Tat wurde nicht in einem rechtsfreien Raum geplant, sondern dort, wo die Toleranz gegenüber abweichendem Verhalten zur neuen Orthodoxie erhoben wurde. Wer jetzt nach frühen Warnsignalen in Schule oder Umfeld fragt, wird auf die üblichen Reflexe stoßen: Man habe nichts ahnen können, der Junge sei unauffällig gewesen. Das Gegenteil spricht Bände: Offenbar fehlten Erwachsene, die Grenzen setzten, bevor aus einem Jugendlichen ein Tatplaner wurde.

    Gewalt als Mittel der Konfliktlösung oder der Selbstinszenierung ist stets verwerflich – das Urteil der britischen Justiz bringt das unmissverständlich zum Ausdruck. Doch die entscheidende Frage richtet sich an die norwegische Gesellschaft: Wann hört sie auf, kriminelle Energie junger Männer mit soziologischen Entschuldigungen zu umgarnen? Statt den Schuldspruch zum Anlass für eine nüchterne Bestandsaufnahme zu nehmen, wird man auch diesmal die Sprachregelungen der Sozialarbeit bemühen: mangelnde Integration, psychische Belastung, falsche Freunde. Solche Erklärungen mögen im Einzelfall zutreffen, sie entbinden aber nicht von der Aufgabe, die kulturellen Voraussetzungen zu benennen, unter denen ein norwegischer Jugendlicher glauben konnte, das Planen eines Mordes im Ausland sei ein gangbarer Weg.

    Es braucht keine neuen Anti-Gewalt-Programme, sondern eine Rückbesinnung auf das, was Heranwachsende tatsächlich bindet: klare Autorität, verlässliche Familienstrukturen und ein Nationalgefühl, das Stolz nicht mit Arroganz verwechselt, aber auch keine Scheu hat, eigenes Fehlverhalten als solches zu benennen. Der britische Richterspruch ist ein Weckruf – nicht für England, sondern für ein Land, das seine Jugend offenbar immer häufiger unvorbereitet in die Welt entlässt.

    Quelle: Aftenposten

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