Tag: Muslimische Gemeinschaften

  • Er hat recht, eine Debatte ist nötig.

    Er hat recht, eine Debatte ist nötig.

    Die Forderung eines prominenten Muslims nach einer ernsthaften Debatte innerhalb der eigenen Gemeinschaften ist eine längst überfällige Kampfansage – nicht nur an integrationsunwillige Kräfte, sondern ebenso an jene, die jedes kritische Wort sofort als „Rassismus“ ersticken wollen. Der Hinweis, dass das Kürzen von Zuschüssen für konservative Religionsgemeinschaften kaum helfen werde, trifft den Kern des Problems: Symbolpolitik ersetzt keine inhaltliche Auseinandersetzung.

    Offene Debatten in muslimischen Milieus können tatsächlich etwas bewirken, weil sie die realen Spannungen benennen, die viele Einwandererviertel prägen – mangelnde Sprachkenntnisse, patriarchale Paralleljustiz, überproportionale Kriminalität und eine wachsende Entfremdung von der Mehrheitsgesellschaft. Solche Themen werden von außen oft nur hinter vorgehaltener Hand angesprochen, während linksliberale Meinungshüter reflexartig „Islamophobie“ rufen. Wer jedoch ehrlich über Integration sprechen will, muss die Schattenseiten benennen dürfen, ohne mit der Moralkeule mundtot gemacht zu werden. Die Anerkennung dieses Bedarfs aus der Mitte der muslimischen Community selbst entzieht dem Vorwurf der Fremdenfeindlichkeit jede Grundlage.

    Gleichzeitig ist der zweite Teil der Botschaft ebenso wichtig: Finanzielle Kürzungen bei konservativen Glaubensgemeinschaften sind kein Königsweg. Sie treffen oft die falschen Adressaten und treiben religiöses Leben in den Untergrund, wo noch weniger Transparenz herrscht. Traditionsbewusste Gemeinden können Stabilität, Familienwerte und sozialen Zusammenhalt vermitteln – genau jene Tugenden, die in einer atomisierten Wohlstandsgesellschaft ohnehin schwinden. Wer sie pauschal kürzt, sägt an einem Ast, auf dem die Integrationsbemühungen selbst sitzen. Sinnvoller ist es, klare Bedingungen zu stellen: Wer staatliche Mittel erhält, muss sich zur Werteordnung des Grundgesetzes bekennen, deutsche Sprachkurse fördern und Radikalisierung aktiv bekämpfen. Kürzungen als Reflex bestrafen nur die Falschen und bestärken jene, die sich ohnehin abkapseln.

    Die konservative Perspektive verlangt hier zweierlei mit Nachdruck: echte, unbequeme Debatten ohne Denkverbote – und einen starken, wenn auch fordernden Staat, der Religionsfreiheit schützt, ohne naiv zu sein. Das skandinavische Modell steht vor der Zerreißprobe, weil jahrzehntelang eine naive Willkommenskultur gepredigt und gleichzeitig die einheimische kulturelle Identität geringgeschätzt wurde. Jetzt beginnen endlich einige mutige Stimmen in den betroffenen Gemeinschaften, diese Tabus zu brechen. Ihnen den Geldhahn zuzudrehen wäre die dümmste Antwort. Stattdessen sollte man die Debatte aufgreifen, die sie selbst eröffnen – und damit den Weg frei machen für eine Integration, die auf Ehrlichkeit beruht, nicht auf falsch verstandener Toleranz.

    Quelle: Aftenposten

  • Schlechter Vorschlag, aber gut gemeint.

    Schlechter Vorschlag, aber gut gemeint.

    Die Formel ist so bekannt wie wirkungslos: Sobald die Rede auf islamistische Radikalisierung kommt, ertönt der Ruf, man müsse die muslimischen Gemeinschaften ins Boot holen. Genau diesen Reflex bedient nun ein neuer Vorstoß, dessen Überschrift bereits das Problem benennt: „Schlechter Vorschlag, aber gute Absicht“. Der Kernsatz dahinter – „Wir müssen die muslimischen Milieus im Kampf gegen Radikalisierung an unserer Seite haben“ – mag als Einladung daherkommen, ist aber in Wahrheit eine Bankrotterklärung.

    Denn der Ansatz setzt voraus, was erst bewiesen werden soll: dass es geschlossene, durch religiöse Zugehörigkeit definierte Milieus gibt, die als eigenständige Verhandlungspartner auftreten können. Damit wird das ethnische und religiöse Schneeballsystem der vergangenen Jahrzehnte nicht nur hingenommen, sondern aktiv zementiert. Statt klare Forderungen an jeden einzelnen Bürger zu stellen – unabhängig von Herkunft oder Glauben –, wird die Bevölkerung in Schubladen sortiert und das Problem genau jenen Akteuren überantwortet, in deren Dunstkreis die Radikalisierung oft genug erst gedeiht.

    Nüchtern betrachtet handelt es sich bei islamistischer Radikalisierung nicht um ein Kommunikationsdefizit, das sich durch gemeinsame Runde Tische beheben ließe. Es geht um handfeste Sicherheitsfragen, um die Durchsetzung von Gesetzen und um das Unterbinden von Hasspredigten sowie ausländischer Finanzierung. Wer stattdessen auf den „Dialog mit den Gemeinschaften“ setzt, verschiebt die Verantwortung von den Sicherheitsbehörden hin zu selbsternannten Vertretern, deren Legitimität und Loyalität häufig ungeprüft bleiben. Die Folge ist bekannt: Moderate Kräfte aus derselben Nachbarschaft, die sich längst vom Islamismus distanziert haben, geraten in die Defensive, während sich jene Imame und Funktionäre profilieren, die den öffentlichen Raum gezielt mit Opfererzählungen und Sonderrechtsforderungen besetzen.

    Die unbequeme Wahrheit, die hinter der wohlmeinenden Formulierung verschwindet, lautet: Integration ist keine Verhandlungssache zwischen Staat und Kollektividentitäten. Sie ist eine Bringschuld des Einzelnen. Wer auf Dauer in Norwegen leben will, hat Sprache zu lernen, das Recht zu achten und die kulturellen Grundlagen der Gesellschaft zu respektieren – ohne Wenn und Aber. Ein Paralleljustizsystem, häusliche Isolation oder die Ablehnung demokratischer Prinzipien lassen sich nicht durch „Einbindung“ befrieden, sondern nur durch konsequente Anwendung der bestehenden Gesetze und durch eine Asyl- und Einwanderungspolitik, die solche Entwicklungen gar nicht erst zulässt.

    Die Ironie liegt darin, dass der Vorschlag, die muslimischen Milieus an einen Tisch zu holen, ausgerechnet jenen in die Hände spielt, die jeden Hinweis auf misslungene Integration reflexartig als Islamfeindlichkeit brandmarken. Eine offene Debatte über die theologischen und kulturellen Wurzeln der Radikalisierung wird so im Keim erstickt. Wer die Sicherheit der Bevölkerung ernst nimmt, muss diesen Kreislauf durchbrechen und auf die Eigenverantwortung aller Bürger setzen – nicht auf die Stärkung religiöser Sonderblöcke.

    Quelle: Adresseavisen

  • Unge Venstre will die staatliche Förderung muslimischer Glaubensgemeinschaften streichen: – Wir müssen aufhören, sie mit Samthandschuhen anzufassen.

    Unge Venstre will die staatliche Förderung muslimischer Glaubensgemeinschaften streichen: – Wir müssen aufhören, sie mit Samthandschuhen anzufassen.

    Ein gescheiterter Dialog, finanziert mit Steuergeld. Während die politische Klasse jahrelang die Hände rang und um „interreligiöses Verständnis“ bat, haben sich in staatlich alimentierten Moscheen Prediger eingenistet, deren Weltbild mit einer offenen Gesellschaft nichts zu tun hat. Die Jugendorganisation der linksliberalen Partei Venstre hat nun eine Grenze gezogen – nicht aus Fremdenfeindlichkeit, sondern aus nüchterner Bestandsaufnahme.

    Unge Venstre fordert, muslimischen Trossamfunn die Unterstützung zu streichen, solange sie sich nicht unmissverständlich von extremistischen Predigern distanzieren. Die Kritik zielt auf einen Kernwiderspruch der skandinavischen Integrationspolitik: Man händigt Millionen aus und erwartet Dankbarkeit, erhält aber Parallelstrukturen, in denen Frauen herabgewürdigt und Ungläubige verachtet werden. Die Reaktionen aus den betroffenen Gemeinden folgen dem bekannten Drehbuch – sofort fallen Begriffe wie „Stigmatisierung“ und „Islamfeindlichkeit“. Solche reflexhaften Abwehrmanöver belegen gerade jenes fehlende Selbstreinigungspotential, das Unge Venstre anprangert.

    Der Vorstoß ist bemerkenswert, weil er aus einer politischen Richtung kommt, die sonst jede Kritik an religiösen Minderheiten mit Samthandschuhen anfasst. Wenn selbst der eigene Nachwuchs der etablierten Parteien erkennt, dass Großzügigkeit ohne Gegenseitigkeit gescheitert ist, sollte das ein Weckruf sein. Wer den norwegischen Staat um finanzielle Mittel bittet, muss dessen Werteordnung nicht nur tolerieren, sondern aktiv mittragen. Dazu gehört das klare Bekenntnis gegen Hassprediger, Antisemitismus und die Unterordnung der Frau – nicht als Lippenbekenntnis auf Norwegisch, während in der Gemeindesprache ganz andere Botschaften verbreitet werden.

    Dass die Forderung just in einer Woche kommt, in der Medien über versteckte Koranschulen und unkontrollierte Auslandsfinanzierung berichten, verleiht ihr zusätzliches Gewicht. Die Verteidiger des Status quo warnen vor einem Generalverdacht gegen alle Muslime. Doch genau diese Vermischung von legitimer Religionskritik mit pauschaler Diskriminierung ist das eigentliche Problem. Solange jede Forderung nach Transparenz und Reziprozität als rassistisch abgetan wird, bleibt der Raum für echte Reformen blockiert.

    Die norwegische Gesellschaft hat ein Recht darauf zu wissen, ob ihre Steuergelder letztlich Institutionen stärken, die ihre eigenen Grundlagen untergraben. Wer nichts zu verbergen hat, kann seine Bücher öffnen und unliebsame Prediger vor die Tür setzen. Wer das verweigert, stellt sich selbst ins Abseits – und muss dann eben ohne öffentliche Zuschüsse auskommen.

    Quelle: Aftenposten

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