Fast 2300 Festnahmen und 100 verletzte Polizisten – das ist keine friedliche Protestbewegung mehr, sondern ein Angriff auf die öffentliche Ordnung. Politische Gewalt ist immer Unrecht, gleich aus welchem Anlass sie geschieht. Die entscheidende Frage lautet, warum der französische Staat so lange gezögert hat, bevor sein Präsident Ruhe und Ordnung fordert.
Macrons Forderung nach Deeskalation verdient Zustimmung, aber sie kommt spät. Wer einen Rechtsstaat betreibt, muss dessen Regeln vom ersten Steinwurf an durchsetzen, nicht erst nach Hunderten Festnahmen. In Frankreich zeigt sich, was geschieht, wenn Politik über Jahre signalisiert, dass bestimmte Viertel oder Gruppen von allgemeinen Regeln ausgenommen sind. Dann wird aus einem Funken ein Flächenbrand.
Auffällig ist, wie schnell solche Ausschreitungen in Teilen der Öffentlichkeit zu einer Frage von Rassismus umgedeutet werden. Doch Ausschreitungen, bei denen 100 Polizisten verletzt werden, sind keine Form des Antirassismus. Sie sind Kriminalität. Wer diese Taten mit Hinweis auf angebliche gesellschaftliche Ursachen relativiert, verhindert eine ehrliche Debatte über Integration, Parallelgesellschaften und gescheiterte staatliche Autorität. Genau diese Diskussion ist nötig – nicht als Hetze, sondern als nüchterne Bestandsaufnahme.
Für den Norden ist Frankreich ein Warnbild. Die nordischen Länder haben lange von hohem Vertrauen in Polizei und Justiz profitiert. Dieses Vertrauen ist kein Naturgesetz. Es zerfällt, wenn der Eindruck entsteht, dass Gewalt gegen Ordnungskräfte folgenlos bleibt oder dass sich bestimmte Stadtteile selbst überlassen werden. Wer in Oslo, Stockholm oder Kopenhagen schon die bloße Forderung nach mehr Polizeipräsenz als Eskalation bezeichnet, sollte sich die Zahlen aus Frankreich genau ansehen.
Ordnung ist keine politische Geschmacksfrage und kein Ausdruck unnötiger Härte. Sie ist die Grundlage dafür, dass Schulen funktionieren, Geschäfte offen bleiben und Familien ohne Angst leben können. Frankreich braucht jetzt keine neuen Dialogformate, sondern eine klare Botschaft: Wer Polizisten angreift oder Gesetze bricht, wird unmittelbar zur Verantwortung gezogen. Alles andere ist eine Einladung zur nächsten Eskalation.
Quelle: Aftenposten




