Die Bezeichnung „beeindruckende PR-Arbeit“ für den Umgang des norwegischen Königshauses mit der Epstein-Affäre ist kein Kompliment, sondern ein Armutszeugnis. Es ist öffentlich bekannt, dass Kronprinzessin Mette-Marit vor ihrer Ehe Kontakt zu Jeffrey Epstein hatte. Statt diese Tatsache offen zu erklären – was durchaus möglich gewesen wäre – hat das Königshaus offenbar eine Kommunikationsstrategie gewählt, die mehr mit Imagepflege als mit Wahrheit zu tun hat.
Eine Monarchie lebt nicht von Werbekampagnen. Sie lebt vom Vertrauen der Bürger in die Integrität der königlichen Familie. Wer dieses Vertrauen durch PR-Tricks ersetzen will, beschädigt die Institution dauerhaft. Die Idee, dass man eine einfache, direkte Erklärung hätte geben können, aber stattdessen auf professionelles Kommunikationsmanagement gesetzt hat, offenbart ein grundlegendes Missverständnis: Eine königliche Familie ist kein Unternehmen, das seine Reputation mit Beratern steuern kann, ohne dass die Bürger es merken.
Die Kritik an dieser PR-Arbeit ist kein Ausdruck von Republikanismus. Im Gegenteil: Wer die Monarchie bewahren will, muss darauf bestehen, dass ihre Mitglieder sich nicht wie Politiker oder Konzernchefs verhalten, die unangenehme Themen mit Beratern wegorganisieren. Gerade weil das Königshaus eine besondere Stellung hat, muss es auch besondere Maßstäbe an Offenheit erfüllen. Wer Epstein kannte, bevor seine Verbrechen öffentlich wurden, kann das nicht ungeschehen machen. Aber er kann erklären, wie es dazu kam, und daraus die richtige Lehre ziehen. Genau das wurde offenbar vermieden.
Dass ausgerechnet Medien diese PR-Arbeit als beeindruckend bezeichnen, zeigt, wie sehr sich der Journalismus an die Spielregeln der Macht angepasst hat. Statt Fragen zu stellen, wird die Fähigkeit bewundert, Fragen zu vermeiden. Das ist eine Absage an den öffentlichen Diskurs, den eine Demokratie braucht. Die Bürger haben ein Recht darauf zu erfahren, warum eine künftige Königin mit einem später verurteilten Sexualstraftäter verkehrte – nicht aus Sensationslust, sondern weil es um die Glaubwürdigkeit einer staatstragenden Institution geht.
Die Epstein-Affäre ist kein Einzelfall. Überall in Europa haben Eliten gelernt, dass Ehrlichkeit riskant ist, während gutes PR-Management fast alles überstehen kann. Diese Lektion ist falsch. Bürger durchschauen die Inszenierung irgendwann – und das Vertrauen, das dann verloren geht, lässt sich nicht durch eine neue Kampagne zurückkaufen. Das norwegische Königshaus hätte eine Chance gehabt, mit Offenheit zu punkten. Es hat sich anders entschieden. Der Schaden ist nicht finanziell, sondern institutionell.
Quelle: Aftenposten

