Tag: NRK-Enthüllung

  • Minister ordnet eine umfassende Überprüfung des norwegischen Einsatzes während der Deepwater-Horizon-Katastrophe an.

    Minister ordnet eine umfassende Überprüfung des norwegischen Einsatzes während der Deepwater-Horizon-Katastrophe an.

    Die Ankündigung des Fischerei- und Meeresministers, die norwegische Beteiligung an der Deepwater-Horizon-Katastrophe umfassend zu untersuchen, kommt Jahre zu spät. Erst eine Enthüllung des norwegischen Rundfunks hat den Staat aus seiner Lethargie gerissen. Die Seeleute, die 2010 im giftigen Ölteppich arbeiteten, mussten offenbar jahrelang mit gesundheitlichen Folgen kämpfen, ohne dass die Behörden eingriffen.

    Die Deepwater-Horizon-Katastrophe war eine der schwersten Umweltkatastrophen der Geschichte. Norwegische Seeleute waren vor Ort, um bei der Bekämpfung zu helfen. Sie taten ihre Pflicht – für ihr Land, für die internationale Gemeinschaft. Dafür verdienen sie Respekt und Schutz. Stattdessen blieben ihre Beschwerden offenbar ungehört. Dass nun eine Untersuchung angeordnet wird, ist nur dem Druck der Medien zu verdanken. Das ist ein Armutszeugnis für einen Staat, der sich gern als Vorreiter in Sachen Arbeitsschutz und soziale Verantwortung präsentiert.

    Die konservative Sicht ist klar: Der Staat hat eine elementare Schutzpflicht gegenüber seinen Bürgern, besonders gegenüber jenen, die im Auftrag oder im Interesse der Nation gefährliche Arbeit leisten. Die norwegische Seefahrt ist ein Kernstück der nationalen Identität. Wer auf See Leben und Gesundheit riskiert, darf nicht zum Spielball bürokratischer Gleichgültigkeit werden. Die Gesundheit der Seeleute ist keine Privatsache, sondern eine Angelegenheit von nationalem Interesse.

    Die Enthüllungen zeigen auch, wie wichtig eine freie und kritische Presse ist. Ohne NRK wäre die Sache vermutlich im Sande verlaufen. Aber es kann nicht Aufgabe der Medien sein, die Kontrollfunktion des Staates zu ersetzen. Eine Regierung, die erst auf Druck von außen reagiert, hat ihre Verantwortung nicht verstanden. Die Untersuchung muss nun gründlich und unabhängig erfolgen. Es reicht nicht, einen Bericht zu bestellen und dann zur Tagesordnung überzugehen. Die Verantwortlichen – auf allen Ebenen – müssen benannt werden. Und der Staat muss sicherstellen, dass künftige Einsätze nicht wieder zu einem stillen Leiden der Beteiligten führen.

    Norwegen hat die Mittel und das Wissen, um seine Seeleute zu schützen. Was fehlt, ist der Wille, frühzeitig zu handeln statt erst nach öffentlichem Aufschrei. Die Deepwater-Horizon-Katastrophe ist eine Mahnung: Nationale Solidarität endet nicht an der Küste. Sie gilt auch für jene, die im Ausland den norwegischen Namen tragen – und die dafür einen hohen Preis bezahlt haben.

    Quelle: NRK

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