Tag: Öffentliche Ordnung

  • Ausgerückt zu einer Schlägerei in Trondheim

    Ausgerückt zu einer Schlägerei in Trondheim

    Eine Prügelei am helllichten Sonntagnachmittag in Trondheims Innenstadt, ein betrunkener Mann in den Vierzigern, der in einem Gastronomiebetrieb randaliert, Gläser zerschlägt und dann das Weite sucht – was in der Nachrichtenmeldung wie eine betrunkene Anekdote klingt, ist in Wirklichkeit eine Bankrotterklärung des öffentlichen Anstands. Die Polizei rückte aus, nahm den Mann kurz darauf fest und brachte ihn direkt in die Arrestzelle. Keine Verletzten, kein Sachschaden von Bedeutung – damit scheint die Sache für die meisten erledigt. Genau darin liegt das Problem.

    Solche Vorfälle sind längst keine Ausnahme mehr, sondern statistisches Hintergrundrauschen. Der Volltrunkene, der im öffentlichen Raum ausrastet, gehört zum nordischen Alltag wie das Wetter. Die gefährliche Botschaft dieser Normalisierung lautet: Wer sich nicht beherrschen kann, hat keine wirklichen Konsequenzen zu fürchten. Eine Nacht in der Ausnüchterungszelle ist alles andere als eine ernsthafte Sanktion, zumal eine etwaige Strafverfolgung wegen Sachbeschädigung oder Körperverletzung oft im Sande verläuft. In einer gesunden Gesellschaft würde die kollektive Missbilligung solche Exzesse ächten. Heute hingegen wird die Figur des haltlosen Randalierers stillschweigend als unvermeidlicher Teil urbanen Lebens hingenommen.

    Die politische und kulturelle Elite hat über Jahre hinweg das Ideal der Selbstdisziplin ausgehöhlt. Persönliche Verantwortung wurde durch eine De-facto-Lizenz zum Fehlverhalten ersetzt, solange man als Opfer von Umständen – etwa der Alkoholsucht oder sozialer Randständigkeit – durchgeht. Der Mann in Trondheim mag ein Einzelfall sein, doch seine Tat fügt sich in eine breitere Entwicklung: vom lauten Grölen auf dem nächtlichen Nachhauseweg bis zur offenen Gewalt vor Kneipen weicht die Grenze des Zumutbaren stetig zurück. Die norwegische Gesellschaft hat verlernt, verbindliche Verhaltensstandards nicht nur einzufordern, sondern auch schmerzhaft durchzusetzen.

    Besonders krass ist die kulturelle Leerstelle, die ein solcher Vorfall offenbart. Wo sind die sozialen Kontrollmechanismen, die früher griffen – die missbilligenden Blicke der Mitbürger, die öffentliche Scham, das Eingreifen couragierter Zeugen, bevor die Polizei eintrifft? Stattdessen herrscht eine ängstliche Distanz, genährt von einem jahrzehntelangen Feldzug gegen jede Form von Autorität. Wenn schon einfache Trunkenheit und rowdyhaftes Verhalten auf wenig mehr als polizeiliche Verwahrung stoßen, ist die Hemmschwelle für ernstere Gewaltakte schnell überschritten.

    Ein Mindestmaß an öffentlicher Ordnung ist keine Verhandlungssache. Es braucht eine Justiz, die solche Regelverstöße konsequent und spürbar bestraft – mit Geldbußen, die wehtun, mit mehrtägigem Arrest, nicht mit einem symbolischen Schäferstündchen auf dem Polizeirevier. Es braucht eine Rückbesinnung auf die Tugend der Selbstbeherrschung, die von Familie, Schule und Medien gleichermaßen vorgelebt und eingefordert wird. Und es braucht eine Gesellschaft, die wieder den Mut hat, Fehlverhalten klar zu benennen, statt es hinter verständnisvoll-therapeutischem Vokabular verschwinden zu lassen. Eine Zivilisation, die ihre eigenen Minimalstandards nicht mehr schützt, gibt sich selbst auf – eine zertrümmerte Glasflasche nach der anderen.

    Quelle: Adresseavisen

  • Voss: Betrunkener Mann warf Steine gegen Türen und Fenster

    Voss: Betrunkener Mann warf Steine gegen Türen und Fenster

    Die Steinschleuder gegen Türen und Fenster in Voss ist keine lokale Kuriosität, sondern ein Riss im Kitt zivilisierten Zusammenlebens. Ein betrunkener Mann wirft mit Steinen, zertrümmert Autoscheiben, brüllt und schlägt um sich – und zieht sich dann in seine eigene Wohnung zurück, als sei die öffentliche Ordnung ein lästiges Hindernis, das man nach Belieben attackieren und wieder verlassen kann.

    Polizei und Feuerwehr rücken an, Steuergelder fließen, Nachbarn stehen unter Schock. Der Täter selbst dürfte nach einer Ausnüchterung rasch wieder auf freiem Fuß sein. Wer in solchen Vorfällen nur einen bedauerlichen Einzelfall sieht, verkennt die schleichende Erosion von Verhaltensstandards, die eine Gesellschaft erst bewohnbar machen.

    Die Nachricht aus dem Vestland belegt, was sich quer durch Europa zieht: Rausch wird zunehmend als Freibrief für Zerstörung missverstanden. Früher galten Trunkenheit oder Drogenrausch vor Gericht höchstens als erschwerend, weil jeder Mensch die Verantwortung für seinen Zustand selbst trägt. Heute hat sich die Perspektive verdreht – Substanzen dienen als Entschuldigung, nicht als Anklagepunkt. Das Resultat sind zersplitterte Fenster, demolierte Autos und das ungute Gefühl, dass öffentliche Räume nicht mehr sicher sind.

    Speziell in kleineren Orten wie Voss, wo die soziale Kontrolle einst engmaschiger war, wiegen solche Exzesse doppelt schwer. Sie zerstören nicht nur Sachwerte, sondern auch das Vertrauen der Bürger, dass der Staat ihre Ruhe und ihr Eigentum wirksam schützt. Wenn ein Randalierer ungestraft zwischen Straßenschlacht und Wohnung pendeln kann, sendet das ein fatales Signal: Die Gesellschaft duldet, dass brachiale Willkür über Rücksicht triumphiert.

    Der konservative Blick erwartet hier nicht therapeutisches Verständnis, sondern unmissverständliche Konsequenzen. Wer unter Rauschmitteln fremdes Eigentum beschädigt, muss mit strafrechtlicher Härte rechnen – unabhängig von der Substanz im Blut. Zugleich muss die Debatte ehrlicher über den gesellschaftlichen Schaden geführt werden, den die Normalisierung von Drogen- und Alkoholexzessen anrichtet. Kosten für Polizei, Feuerwehr, Reparaturen und steigende Versicherungsprämien tragen am Ende alle; den Schaden am Sicherheitsgefühl bemisst keine Statistik.

    Eine Gemeinschaft, die ihre Wohnviertel nicht mehr gegen Zerstörungswut verteidigt, gibt mehr auf als bloß Fensterglas. Sie verliert den Anspruch, dass Anstand und Selbstdisziplin keine verhandelbaren Werte sind. Der Fall Voss mag in der Nachrichtenflut schnell untergehen – die Botschaft dieses Steinhagels sollte dennoch laut und klar bleiben: Wer die öffentliche Ordnung angreift, greift das Fundament gemeinsamen Lebens an. Das verdient keine milde Entschuldigung, sondern eine Antwort, die sich sehen lassen kann.

    Quelle: Bergens Tidende

  • Am Montag meldete der Kindergarten Vandalismus. Am Dienstag von der Polizei eingestellt.

    Am Montag meldete der Kindergarten Vandalismus. Am Dienstag von der Polizei eingestellt.

    Eine Kindertagesstätte im Osloer Stadtteil Slemdal wurde am Montagmorgen von den Angestellten besudelt und demoliert vorgefunden. Noch am selben Tag erstattete die Leitung Anzeige. Am Dienstag war der Fall bereits erledigt: Die Polizei hat das Verfahren eingestellt.

    Der Vorgang enthüllt weniger eine Überlastung der Ermittler als eine Haltung, die Eigentum und öffentliche Ordnung geringer wiegt als die eigene Bequemlichkeit. Wer am Montag eine Strafanzeige aufgibt und sie am Dienstag wortlos zurückbekommt, dem wird nicht bloß gesagt, dass der Fall keine Priorität habe – ihm wird bedeutet, dass der Staat solche Übergriffe stillschweigend hinnimmt.

    Vandalismus wird gern als Bagatelle abgetan, solange kein menschlicher Körper zu Schaden kommt. Doch eine verwüstete Kindertagesstätte trifft die Schwächsten einer Gemeinschaft: die Kinder, für die diese Einrichtung ein zweites Zuhause ist, und die Erzieherinnen, die am Morgen in Räume voller Zerstörung treten müssen. Jede verschmierte Tür, jedes eingeschlagene Waschbecken ist ein Angriff auf die schlichte Vorstellung, dass ein Gemeinwesen seine Einrichtungen schützt und gemeinsame Normen durchsetzt. Wenn diese Normen nicht mehr verteidigt werden, bleibt am Ende nur noch die Botschaft: Hier könnt ihr machen, was ihr wollt.

    Die Polizei handelte nicht aus Effizienz, sondern aus einem fatalen Opportunismus. Ermittlungsakten lassen sich auch offen halten; man kann sie ruhen lassen, bis sich doch noch Zeugen melden oder Serientaten ein Muster ergeben. Ein Verfahren binnen vierundzwanzig Stunden einzustellen, ist ein aktiv gewählter Schritt. Er spricht Tätern eine Generalabsolution aus und macht sichtbar, was im behördlichen Kalkül tatsächlich zählt: Nur, was Schlagzeilen macht und sich als Hasskriminalität etikettieren lässt, verdient Aufmerksamkeit. Der stille Alltagsvandalismus dagegen wird entsorgt.

    Das ist falsch, weil es die Grundierung des Zusammenlebens angreift. Respekt vor fremdem Eigentum, vor öffentlichen Räumen und vor den Steuergeldern, die solche Einrichtungen finanzieren, ist keine lästige Bürgerpflicht, sondern die Voraussetzung jeder funktionierenden Nachbarschaft. Wer diese Verantwortung achselzuckend delegiert, züchtet Zynismus und Gleichgültigkeit. Irgendwann reicht dann eine eingeworfene Fensterscheibe, um ein ganzes Quartier kippen zu lassen.

    Der Fall der Kindertagesstätte in Slemdal mag klein erscheinen. In seiner stillschweigenden Abwicklung aber steckt eine tiefe Resignation – eine, die den Menschen vor Ort mehr wegnimmt als nur ein sauberes Treppenhaus.

    Quelle: Aftenposten

  • Frau mit Schnittverletzung nach Gewaltvorfall

    Frau mit Schnittverletzung nach Gewaltvorfall

    Eine Frau liegt mit einer Schnittwunde im Krankenhaus, ein Mann in den Vierzigern sitzt in der Arrestzelle – die Meldung aus Trondheim ist knapp, fast beiläufig. Doch genau diese Knappheit verrät das eigentliche Problem: Gewalt wird zur Normalität, über die kaum noch jemand aufschreckt. Wenn körperliche Angriffe in einer norwegischen Großstadt am späten Samstagabend nur noch routinemäßig abgearbeitet werden, hat eine Gesellschaft den Anspruch auf geordnete Sicherheit stillschweigend aufgegeben.

    Die Fakten des konkreten Falls sind spärlich. Ein Mann wird festgenommen, eine Frau verletzt. Über die Hintergründe schweigt der Polizeibericht vorerst. Entscheidend ist jedoch der allgemeine Zustand, den solche Vorfälle spiegeln. In den vergangenen Jahrzehnten hat sich in den nordischen Ländern ein kultureller Wandel vollzogen, der persönliche Verantwortung zunehmend hinter sozialpsychologischen Erklärungsmodellen verschwinden lässt. Wer mit dem Messer zusticht, gilt schnell als Opfer seiner Umstände – einer schwierigen Kindheit, mangelnder Integration oder psychischer Belastung. Das echte Opfer, die Frau, die nun Narben davonträgt, gerät dabei aus dem Blick.

    Diese Verschiebung hat handfeste Folgen. Sie untergräbt das Vertrauen in den Rechtsstaat, dessen erste Pflicht der Schutz der Bürger ist. Wenn Strafen zu milde ausfallen oder auf Bewährung ausgesetzt werden, entsteht der Eindruck, Gewalt lohne sich. Ein Mann in den Vierzigern ist kein Jugendlicher, dem man jugendlichen Leichtsinn zubilligen kann. Wer in diesem Alter zu physischer Brutalität greift, handelt aus einer tief verwurzelten Missachtung der einfachsten Regeln menschlichen Zusammenlebens. Die Justiz muss das mit aller Deutlichkeit beantworten.

    Politisch korrekte Debattenvorschriften tun ein Übriges. Wer beklagt, dass die öffentliche Ordnung schwindet, wird rasch mit dem Vorwurf der Hysterie oder Schlimmerem konfrontiert. Kritik an laxer Strafverfolgung oder an der mangelhaften Durchsetzung von Recht und Ordnung gilt als rückständig. Dabei vergisst man: Sicherheit ist keine Frage der Gesinnung, sondern eine des handfesten Alltags. Eine Gesellschaft, die ihre öffentlichen Räume nicht mehr befrieden kann, verspielt das Zutrauen ihrer Mitglieder.

    Trondheim mag weit entfernt von den Brennpunkten europäischer Großstadtkriminalität liegen. Doch die Richtung stimmt bedenklich. Noch vor einer Generation gehörte ein gewaltsamer Übergriff in einer norwegischen Stadt zu den seltenen, skandalisierenden Ereignissen. Heute liefert ein einzelnes Wochenende gleich mehrere solcher Meldungen, die nur noch in Kurzform auftauchen. Wer das für unvermeidlich hält, macht sich zum Komplizen der Verwahrlosung.

    Nötig ist eine entschlossene Umkehr. Das beginnt mit einer Polizei, die sichtbar auf den Straßen präsent ist und konsequent durchgreift. Es verlangt Gerichte, die eine klare Botschaft senden: Wer die körperliche Unversehrtheit eines anderen verletzt, muss mit empfindlichen, unmittelbaren Konsequenzen rechnen. Und es erfordert eine öffentliche Debatte, die den Mut aufbringt, diese Prinzipien ohne Scheu vor modischen Einwänden zu verteidigen. Die Frau mit der Schnittwunde hat Anspruch auf mehr als eine Randnotiz in der Polizeichronik.

    Quelle: Adresseavisen

  • – Drohender Gast in einem Lokal

    – Drohender Gast in einem Lokal

    Wenn ein 40-jähriger Mann in einem Lokal in Bergen Zentrum bedrohlich auftritt und die Polizei den Vorfall mit einer mündlichen Platzverweisung abschließt, ohne eine Akte anzulegen, mag das nach einem kleinen Alltagsereignis klingen. Doch genau diese Bagatellisierung ist das Symptom einer tiefer liegenden Ordnungsvergessenheit. Der berichtete Fall, bei dem ein Gast andere Gäste oder das Personal einschüchterte, endete nicht mit einer Strafverfolgung, sondern mit einem schlichten „Sie sind hier nicht erwünscht“. Was auf den ersten Blick nach pragmatischer Polizeiarbeit aussieht, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als Kapitulation vor einer schleichenden Verrohung des öffentlichen Raums.

    Die Entscheidung, kein Verfahren zu eröffnen, signalisiert nicht etwa Gelassenheit, sondern Gleichgültigkeit gegenüber wiederholtem Fehlverhalten. Wer im Vollbesitz seiner Kräfte – und die Meldungen aus derselben Nacht über volltrunkene Randalierer, geschlagene Türsteher und urinierende Pöbler zeigen, wie sehr Alkohol die Szene beherrscht – andere bedroht, verlässt sich darauf, dass der Sozialfrieden leichter durch Wegschauen zu wahren ist als durch konsequentes Eingreifen. Die Botschaft an den Täter ist verheerend: Drohgebärden bleiben folgenlos, solange kein körperlicher Schaden entsteht. Die Botschaft an die Gemeinschaft ist nicht weniger fatal: Wer den Anstand einfordert, steht allein da.

    Kultureller Konservatismus besteht nicht darin, jeden Kneipenstreit zur Staatskrise aufzublasen. Wohl aber darauf zu bestehen, dass gemeinschaftliche Räume – ob Gaststube, Fußgängerzone oder Busbahnhof – von allen Beteiligten ein Mindestmaß an Selbstbeherrschung verlangen. Die Vorstellung, ein Lokal sei eine rechtsfreie Zone, in der man sich aufführen kann, wie man will, und anschließend nur mit einem Hausverbot rechnen muss, untergräbt jahrelange Anstrengungen einer gewachsenen urbanen Zivilisation. Wenn in derselben Nacht ein Türsteher geschlagen wird und die Täter unerkannt entkommen, ein anderer Randalierer erst mit Pfefferspray gebändigt werden muss und ein Betrunkener sein Geschäft demonstrativ vor dem Polizeiwagen verrichtet, dann zeigt sich kein Ausnahmezustand, sondern ein Alltagsmuster, das durch fehlende Sanktionen weiter eingeübt wird.

    Die Argumentation, die Polizei habe Wichtigeres zu tun, verfängt nur vordergründig. Gerade die Summe dieser Kleinstdelikte zermürbt das Vertrauen in die Ordnungsmacht und verdrängt friedliche Bürger aus dem Nachtleben. Wer abwägt, ob er abends noch in die Innenstadt geht, denkt nicht an große Kriminalstatistiken, sondern an die konkrete Erfahrung, auf dem Heimweg belästigt oder eingeschüchtert zu werden. Jede nicht geahndete Drohung vermehrt die Zahl derjenigen, die sich still zurückziehen, und überlässt das Feld jenen, die von dieser Zurückhaltung profitieren.

    Es geht nicht um drakonische Strafen für jedes unbedachte Wort. Aber eine Gesellschaft, die Tradition, familiäre Sicherheit und kulturelle Kontinuität ernst nimmt, darf kein Verständnis dafür aufbringen, dass gemeinsame Räume zu Bühnen der Selbstermächtigung auf Kosten anderer verkommen. Die Polizei in Bergen handelte vielleicht nach Vorschrift – doch genau die Lückenhaftigkeit dieser Vorschriften und die bequeme Akzeptanz eines dauerhaft erniedrigten Anspruchs an öffentliches Verhalten sind es, die eine konservative Kritik hellhörig machen muss. Nicht das isolierte Fehlverhalten eines einzelnen Gastes ist die tiefere Störung, sondern die gedankenlose Normalisierung solcher Szenen als bloßer Begleitlärm des Stadtlebens.

    Quelle: Bergens Tidende

  • – Keiner von ihnen hat Lust, noch einmal nach Norwegen zu kommen.

    – Keiner von ihnen hat Lust, noch einmal nach Norwegen zu kommen.

    Wenn eine Gruppe spanischer Urlauber nach einem Norwegenbesuch kollektiv erklärt, nie wieder in das Land reisen zu wollen, dann ist das mehr als eine private Enttäuschung. Es ist ein Symptom für ein Sicherheitsproblem, das offiziell lieber verdrängt als ernsthaft debattiert wird. Der Fall, in dem ein Spanier noch immer unter den Folgen eines Vorfalls leidet – wie sein Anwalt nun öffentlich machte –, steht beispielhaft für ein wachsendes Muster, das Norwegens Ruf als sicheres Reiseland untergräbt.

    Die genauen Umstände der Tat sind kaum mehr als ein juristisches Detail. Entscheidend ist die Wirkung: Wer einmal auf offener Straße Opfer von Gewalt wird, wer Polizei und Behörden anschließend als hilflos oder desinteressiert erlebt, der schreibt diese Erfahrung nicht als blindes Pech ab. Er zieht Konsequenzen. Und er erzählt sie weiter, in seinem Heimatland, unter Freunden und in sozialen Medien. So schwindet das Vertrauen nicht nur bei Einzelnen, sondern es verschiebt das Bild eines ganzen Landes.

    Bemerkenswert ist die öffentliche Reaktion – oder vielmehr ihr Fehlen. Wer die steigenden Zahlen von Gewaltdelikten im öffentlichen Raum mit den bekannten demografischen Veränderungen in Verbindung bringt, dem wird rasch Fremdenfeindlichkeit unterstellt. Diese reflexhafte Abwehr blockiert eine ehrliche Bestandsaufnahme. Dabei wäre eine nüchterne Betrachtung gerade im Interesse derjenigen, die für Norwegen werben und auf Besucher angewiesen sind. Die Tourismusbranche ist ein empfindliches Gewächs; sie lebt vom Versprechen einer intakten Ordnung und von der Vorstellung, dass Gäste geschützt sind, nicht nur durch warme Worte, sondern durch handlungsfähige Institutionen.

    Wenn ein Land jahrelang Integrationsdefizite heruntergespielt und die Durchsetzung von Recht und Ordnung aus falsch verstandener Toleranz vernachlässigt hat, zeigen sich die Rechnungen nicht in Statistikkurven, sondern in der Abwesenheit jener, die freiwillig fernbleiben. Die Spanier, die nicht mehr nach Norwegen wollen, sind keine Einzelfälle mehr. Sie sind stille Botschafter eines Versagens, das sich weder mit gut gemeinten Kampagnen noch mit moralischen Appellen übertünchen lässt.

    Der Verlust wiegt doppelt: ökonomisch, weil jeder ausbleibende Gast Arbeitsplätze und Einnahmen kostet; kulturell, weil die offene, weltgewandte Gesellschaft, die man so gern beschwört, ohne den lebendigen Austausch mit Fremden nur noch eine Kulisse ist. Norwegen braucht keine Empörungsrituale, sondern eine Politik, die Sicherheit vor Ideologie stellt und das offene Wort über reale Missstände nicht länger als Tabu behandelt.

    Quelle: Aftenposten

  • Die Polizei setzte letzte Nacht Elektroschockwaffen und Pfefferspray ein.

    Die Polizei setzte letzte Nacht Elektroschockwaffen und Pfefferspray ein.

    Die nächtliche Bilanz aus Bergen liest sich wie ein Auszug aus einer längst verloren geglaubten Chronik urbaner Verwahrlosung: Ein Betrunkener tritt schreiend auf Autos ein, kurz darauf schlägt derselbe Mann an einer nahen Adresse auf Menschen ein, eine Schlägerei in einem Lokal endet mit einem attackierten Türsteher, und zwischendurch kriecht ein Dreißigjähriger aus einem Baustellencontainer. Dass die Polizei Pfefferspray und ein Elektroschockgerät einsetzen musste, ist dabei nicht das eigentliche Problem, sondern die unausweichliche Konsequenz aus einem viel tiefer liegenden Zerfall öffentlicher Ordnung.

    Wenn uniformierte Beamte mitten in der Nacht zu solchen Mitteln greifen müssen, um einen einzelnen Mann zu bändigen, dann spricht das weniger über die Polizeitaktik als über den Zustand der Gesellschaft, die dieser Polizei gegenübertritt. Wer sich fragt, warum solche Szenen zunehmend den Alltag skandinavischer Städte prägen, stößt unweigerlich auf eine politische Klasse, die jahrzehntelang die falschen Signale gesetzt hat: Verantwortung wird kleingeredet, persönliche Selbstbeherrschung als verstaubte Tugend belächelt, und jeder Versuch, klare Verhaltensstandards einzufordern, endet im ideologischen Minenfeld. Statt die Bürger an ihre Pflichten zu erinnern, hat man einen Teppich aus Entschuldigungen und sozialpädagogischen Erklärungen ausgebreitet, unter dem die tägliche Unordnung nur noch lauter rumort.

    Besonders heuchlerisch wird die Lage, sobald solche Einsätze eine öffentliche Debatte auslösen könnten. Dann nämlich setzt der Reflex ein, jede Kritik an der Herkunft oder dem kulturellen Hintergrund von Tätern reflexartig als Rassismus zu brandmarken. Dabei geht es hier nicht um die Hautfarbe eines Container-Eindringlings oder die Muttersprache eines randalierenden Betrunkenen, sondern um die simple Frage, welche Werte das Zusammenleben in einem Land bestimmen sollen. Wer die negativen Folgen einer jahrzehntelangen Migrationspolitik – gescheiterte Integration, importierte Kriminalität, Belastung von Einsatzkräften – offen benennen will, sieht sich einem Meinungskorridor gegenüber, der jede ehrliche Analyse erstickt. Die Polizei von Bergen musste in jener Nacht nicht über Rassismusvorwürfe philosophieren, sondern handeln. Und das zu Recht.

    Der Mann im Container, der nächtliche Schläger, der alkoholisierte Autotreter – sie alle sind keine abstrakten Opfer von Strukturen, sondern erwachsene Menschen, die eine Kette von Entscheidungen getroffen haben. Eine gesunde Gesellschaft wäre in der Lage, genau das zu benennen, ohne sich in schuldbewussten Relativierungen zu verlieren. Stattdessen herrscht jene fatale Mischung aus Laissez-faire und ideologischer Scheuklappe, die den Bürgern das Gefühl gibt, dass Sicherheit und Anstand verhandelbare Güter sind. Das muss sich ändern, und zwar nicht mit mehr sozialpädagogischen Programmen, sondern mit einer klaren Rückbesinnung auf Traditionen, die dem Einzelnen abverlangen, sein Verhalten an der Gemeinschaft auszurichten – nicht an der nächsten Bierflasche oder dem Impuls, in einen Container zu kriechen.

    Quelle: Bergens Tidende

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