Tag: Oslo-Attentat 2022

  • Angriff auf die Pride in Berlin: – Es ist klar, dass das Erinnerungen weckt.

    Angriff auf die Pride in Berlin: – Es ist klar, dass das Erinnerungen weckt.

    Die Parallele, die ein Forscher innerhalb weniger Stunden zieht, ist mehr als ein akademischer Reflex – sie ist ein stiller Hinweis auf das, was kaum noch ausgesprochen werden darf. Der Angriff auf eine Pride-Veranstaltung in Berlin am Samstag wecke klare Erinnerungen an das Attentat in Oslo am 25. Juni 2022, heißt es knapp. Terroristische Gewalt ist und bleibt falsch, ausnahmslos. Doch genau dieser Satz dient heute allzu oft als rhetorische Endstation, bevor die wirklich unbequemen Fragen aufkommen.

    Die Öffentlichkeit erlebt ein eingeübtes Ritual: Nach dem ersten Schock werden Betroffenheitsformeln ausgetauscht, die Täterpathologie wird in individuellen psychischen Krisen verortet, und wer die offensichtlichen Muster anspricht, riskiert den Vorwurf der Xenophobie. Dabei liegt im Vergleich mit Oslo genau der Kern des Problems. Dort tötete ein islamistisch motivierter Mann gezielt in und um queere Treffpunkte. Dass der Berliner Tatverdächtige, ein 21-Jähriger mit Namen Abdul B., nun ebenfalls eine Pride-Versammlung attackiert haben soll, fügt sich in eine Kette von Vorfällen, deren Gemeinsamkeit man nicht eigens herbeireden muss – sie springt ins Auge.

    An dieser Stelle setzt die eingebaute Sperrklinke der Integrationsdebatte ein. Jede ernsthafte Auseinandersetzung mit kulturellen Prägungen, religiösen Sozialisationen oder migrationsbedingten Sicherheitsdefiziten wird systematisch unter Verdacht gestellt. Statt offen zu fragen, warum bestimmte Milieus eine erhöhte Gewaltbereitschaft gegenüber sexuellen Minderheiten hervorbringen, erschöpft sich die Reaktion in Warnungen vor Verallgemeinerungen. Der schwedische Kontext, aus dem diese Zeilen blicken, lehrt, wohin diese Scheu führt: zu einer chronischen Verdrängung realer Konfliktlinien, während die Rohheit auf den Straßen zunimmt.

    Natürlich steht kein ganzes Kollektiv für die Tat eines Einzelnen. Aber wenn die Forschung selbst auf wiederkehrende Ähnlichkeiten stößt, verlangt genau das eine sachliche, von Tabus befreite Analyse. Die Antwort kann nicht darin liegen, jedes Mal nur auf die verletzte Gemeinschaft zu zeigen und dann zum nächsten Symbol der Solidarität zu greifen. Wer solche Anschläge wirksam verhindern will, muss den Mut haben, Integrationsversagen beim Namen zu nennen, kulturelle Reibungsflächen zu benennen und auch das Spannungsverhältnis zwischen einer liberalen Gesellschaftsordnung und importierten Weltbildern auszuhalten. Der kürzeste Weg zu weniger Gewalt beginnt mit dem Satz, auf den der Forscher mit seiner Parallele bereits anspielt – ohne ihn ganz auszuformulieren.

    Quelle: NRK

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