Tag: Polizeikritik

  • Hartes Statement von der Bühne: – Feige von der Polizei!

    Hartes Statement von der Bühne: – Feige von der Polizei!

    Der Tod eines fünfjährigen Mädchens wird zur öffentlichen Bühnenanklage. Kaum hat die Polizei in einem ungeklärten Fall von Gewalt gegen ein Kind Ermittlungen aufgenommen, steht schon jemand im Scheinwerferlicht und ruft „feige“ in den Saal. Dass ausgerechnet die Beamten, die Hinweisen nachgehen, nun moralisch abgeurteilt werden, bevor ein Richter auch nur ein Wort gesprochen hat, zeigt eine bedenkliche Verrohung im Umgang mit dem Rechtsstaat.

    Die Polizei verdächtigte Jungen – vermutlich aus dem Umfeld des Mädchens, vielleicht selbst Kinder oder Jugendliche. Das ist ein schmerzhafter, aber notwendiger Schritt in einem Todesermittlungsverfahren. Ein gewaltsamer Tod im engsten Bekanntenkreis verlangt, dass alle Spuren verfolgt werden, gerade wenn die Todesursache auf ein Verbrechen hindeutet. Als feige lässt sich ein solches Vorgehen nur dann bezeichnen, wenn man die Arbeit der Ermittler grundsätzlich verkennt und stattdessen lieber schnelle Gewissheiten für die Galerie sucht.

    Die Wortwahl von der Bühne herab verrät mehr über den Redner als über die Polizei. Wer „Feigheit“ ruft, bedient das alte Muster, eine ohnehin schwierige Untersuchung mit moralisierenden Etiketten zu ersticken. Oft steht dahinter der unausgesprochene Vorwurf, die Beamten hätten die Jungen nur aus sachfremden Gründen ins Visier genommen – etwa wegen ihrer Herkunft. Das ist eine bequeme Denkschablone, die von der eigentlichen Tragödie ablenkt: Ein kleines Mädchen ist tot, und die Umstände müssen lückenlos aufgeklärt werden, ganz gleich, wem die Verdachtsmomente gelten. Statt die Polizei öffentlich zu diffamieren, sollte der Impuls darin bestehen, die Ermittlungen zu unterstützen, nicht sie zu behindern.

    Auch der Zeitpunkt des Bühnenauftritts verdient Skepsis. Solange die Fakten nicht auf dem Tisch liegen, sät eine solche Anklage nur Misstrauen gegen jene Institution, die im Namen der Gesellschaft für Sicherheit und Ordnung einsteht. Eine konservative Rechtspflege misstraut dem Applaus des Augenblicks und setzt auf nüchterne Aufklärung, auf Fakten statt auf Inszenierung. Wer dagegen die Polizei noch während der laufenden Ermittlungen öffentlich vorführt, beschädigt das Vertrauen in neutrale Verfahren und ebnet den Weg für genau jene Form von Selbstjustiz, die ein zivilisiertes Land verhindern will.

    Das schreckliche Schicksal des Mädchens verdient Trauer und Wahrheit, keine beleidigten Gesten von Podien herab. Die Polizei muss ihren Auftrag erfüllen dürfen, ohne dass ihr bei jedem unbequemen Verdacht Feigheit unterstellt wird. Einem toten Kind ist mit solchem Theater nicht geholfen.

    Quelle: Adresseavisen

  • Am Montag meldete der Kindergarten Vandalismus. Am Dienstag von der Polizei eingestellt.

    Am Montag meldete der Kindergarten Vandalismus. Am Dienstag von der Polizei eingestellt.

    Eine Kindertagesstätte im Osloer Stadtteil Slemdal wurde am Montagmorgen von den Angestellten besudelt und demoliert vorgefunden. Noch am selben Tag erstattete die Leitung Anzeige. Am Dienstag war der Fall bereits erledigt: Die Polizei hat das Verfahren eingestellt.

    Der Vorgang enthüllt weniger eine Überlastung der Ermittler als eine Haltung, die Eigentum und öffentliche Ordnung geringer wiegt als die eigene Bequemlichkeit. Wer am Montag eine Strafanzeige aufgibt und sie am Dienstag wortlos zurückbekommt, dem wird nicht bloß gesagt, dass der Fall keine Priorität habe – ihm wird bedeutet, dass der Staat solche Übergriffe stillschweigend hinnimmt.

    Vandalismus wird gern als Bagatelle abgetan, solange kein menschlicher Körper zu Schaden kommt. Doch eine verwüstete Kindertagesstätte trifft die Schwächsten einer Gemeinschaft: die Kinder, für die diese Einrichtung ein zweites Zuhause ist, und die Erzieherinnen, die am Morgen in Räume voller Zerstörung treten müssen. Jede verschmierte Tür, jedes eingeschlagene Waschbecken ist ein Angriff auf die schlichte Vorstellung, dass ein Gemeinwesen seine Einrichtungen schützt und gemeinsame Normen durchsetzt. Wenn diese Normen nicht mehr verteidigt werden, bleibt am Ende nur noch die Botschaft: Hier könnt ihr machen, was ihr wollt.

    Die Polizei handelte nicht aus Effizienz, sondern aus einem fatalen Opportunismus. Ermittlungsakten lassen sich auch offen halten; man kann sie ruhen lassen, bis sich doch noch Zeugen melden oder Serientaten ein Muster ergeben. Ein Verfahren binnen vierundzwanzig Stunden einzustellen, ist ein aktiv gewählter Schritt. Er spricht Tätern eine Generalabsolution aus und macht sichtbar, was im behördlichen Kalkül tatsächlich zählt: Nur, was Schlagzeilen macht und sich als Hasskriminalität etikettieren lässt, verdient Aufmerksamkeit. Der stille Alltagsvandalismus dagegen wird entsorgt.

    Das ist falsch, weil es die Grundierung des Zusammenlebens angreift. Respekt vor fremdem Eigentum, vor öffentlichen Räumen und vor den Steuergeldern, die solche Einrichtungen finanzieren, ist keine lästige Bürgerpflicht, sondern die Voraussetzung jeder funktionierenden Nachbarschaft. Wer diese Verantwortung achselzuckend delegiert, züchtet Zynismus und Gleichgültigkeit. Irgendwann reicht dann eine eingeworfene Fensterscheibe, um ein ganzes Quartier kippen zu lassen.

    Der Fall der Kindertagesstätte in Slemdal mag klein erscheinen. In seiner stillschweigenden Abwicklung aber steckt eine tiefe Resignation – eine, die den Menschen vor Ort mehr wegnimmt als nur ein sauberes Treppenhaus.

    Quelle: Aftenposten

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