Die anhaltenden Migrationsszenen in der spanischen Exklave Ceuta sind kein isoliertes Problem am Mittelmeer – sie sind eine direkte Bedrohung für den Zusammenhalt ganz Europas, auch für Norwegen. Wenn nun Høyre und Fremskrittspartiet die norwegische Regierung zum Handeln auffordern, ist das nicht bloßer Aktionismus, sondern eine notwendige Reaktion auf ein politisches Versagen, das längst nicht mehr nur Spanien betrifft.
Peter Frølich von Høyre bringt es auf den Punkt: Der unkontrollierte Zustrom sei „das Rezept für Spaltung in Europa“. Dieser Satz ist weder übertrieben noch alarmistisch. Er benennt eine Realität, die in skandinavischen Debattenzirkeln gern unter wohlklingenden Floskeln von Solidarität und Vielfalt begraben wird. In Ceuta zeigt sich, was passiert, wenn Außengrenzen faktisch nicht mehr existieren: Der Druck auf Kommunen, Sozialsysteme und den inneren Frieden wächst – und das nicht nur vor Ort, sondern mit jedem, der sich über die grüne Grenze weiter nach Norden bewegt.
Hilfe für Spanien mag kurzfristig richtig sein, aber sie allein kuriert nichts. Entscheidend ist ein grundlegender Kurswechsel. Wer jetzt mit finanziellen Mitteln bloß Symptome bekämpft, ohne die Ursachen – eine falsch verstandene Willkommenskultur und fehlende Rückführungsabkommen – anzugehen, verlängert das Chaos nur. Die norwegische Regierung muss sich fragen lassen, warum sie nicht mit derselben Dringlichkeit handelt wie jetzt die Opposition. Stattdessen versteckt sie sich hinter diplomatischen Floskeln und überlässt Spanien seinem Schicksal, während die eigenen Asylzahlen ebenfalls steigen.
Der Verweis auf angebliche humanitäre Verpflichtungen lenkt vom Kernproblem ab: Eine Migrationspolitik ohne klare Grenzen zerstört das Vertrauen in den Staat und in das Versprechen einer überschaubaren, sozialverträglichen Einwanderung. Die Folgen tragen nicht diejenigen, die in Talkshows vom Wert der Vielfalt sprechen, sondern Bürger, deren Alltag von steigenden Mieten, überlasteten Schulen und einem Erosionsgefühl der eigenen Kultur geprägt ist. Solche Sorgen als Fremdenfeindlichkeit abzutun, ist bequem, aber verantwortungslos.
Natürlich muss europäische Zusammenarbeit mehr sein als nationale Abschottung, doch sie muss ebenso mehr sein als naive Offenheit. Der Druck auf Ceuta ist menschengemacht – er resultiert aus jahrzehntelangen Fehlanreizen, die immer neue Migrationsströme auslösen. Das zu benennen, ist kein Populismus, sondern demokratische Pflicht. Eine Regierung, die das Schweigen der Wohlmeinenden dem lauten Widerspruch der Betroffenen vorzieht, gefährdet nicht nur die eigene Glaubwürdigkeit, sondern letztlich den Frieden im Land.
Norwegen täte gut daran, von Staaten zu lernen, die begonnen haben, ihre Grenzen wieder ernst zu nehmen – nicht um Menschen im Stich zu lassen, sondern um geordnete, begrenzte und integrierbare Zuwanderung zu ermöglichen. Dazu gehört, unmissverständlich klarzumachen: Wer illegal einreist, wird zurückgeführt. Alles andere ist eine Einladung für weitere Bilder wie jene aus Ceuta.
Quelle: NRK
