Tag: Rückwanderung

  • Die Gerüchte stimmten nicht. Inzwischen sind die allermeisten nach Marokko zurückgekehrt.

    Die Gerüchte stimmten nicht. Inzwischen sind die allermeisten nach Marokko zurückgekehrt.

    Eine Viertelmillion junger Marokkaner zwischen 15 und 24 Jahren hängt in der Luft – ohne Ausbildung, ohne Job, ohne Perspektive. Wer solche Zahlen ausblendet, verschließt die Augen vor einer tickenden sozialen Bombe. Und sie stehen jetzt im Zentrum einer Meldung, die auf den ersten Blick überrascht: Die Gerüchte, wonach marokkanische Auswanderer in Europa auf Dauer bleiben, haben sich nicht bestätigt; die meisten sind tatsächlich nach Marokko zurückgekehrt. Was auf den ersten Blick nach einer Entlastung für die Zielländer aussieht, ist in Wahrheit nur eine Problemverschiebung mit Ansage.

    Dieselben jungen Erwachsenen, die vielleicht in Kopenhagen oder Oslo kläglich an der Integration scheiterten und sich in ethnischen Parallelgesellschaften einrichteten, stehen nun zuhause vor denselben Mauern – nur dass dort gleich ein Viertel ihrer Altersgenossen brachliegt. Die offizielle Arbeitslosenstatistik für diese Gruppe ist eine Ohrfeige für jede naive Vorstellung, bloße Rückkehr löse etwas. Es ist vielmehr das Eingeständnis eines doppelten Versagens: der Integration im Ausland wie der Entwicklung im Herkunftsland.

    Die konservative Analyse muss hier tiefer bohren als die üblichen beschönigenden Floskeln. Wer jeden Hinweis auf kulturelle Faktoren sofort mit Keulen wie „Fremdenfeindlichkeit“ zu ersticken versucht, macht eine ehrliche Debatte unmöglich. Dabei liegt der Zusammenhang offen zutage: Junge Männer, die weder von Familie noch von Tradition in eine verbindliche Sozialstruktur eingebunden werden, neigen zur Entkoppelung vom Arbeitsmarkt. Wenn das Schulsystem nicht greift und die Wirtschaft nur informelle Gelegenheitsjobs bietet, wird die Straße zum Lebensmittelpunkt. Das gilt für Vorstädte in Frankreich ebenso wie für das urbane Marokko. So entsteht jene Mischung aus Perspektivlosigkeit und Aggression, die ganze Stadtteile unbewohnbar macht – und die manche als bloße Folge von Diskriminierung missdeuten möchten.

    Dass die kürzliche Rückwanderung nun bekannt wird, widerlegt auch einen anderen bequemen Mythos: den vom angeblichen Magnetefekt europäischer Sozialsysteme. Offenbar war dieser Sog nicht so übermächtig, dass er alle hielt. Das spricht nicht gegen die Realität des Wohlfahrtsstaats als Pull-Faktor, zeigt aber, dass das Pendel auch zurückschlagen kann, wenn sich die Lebensbedingungen in der Heimat nicht verschlechtern oder die Hürden im Zielland zu hoch sind. Der springende Punkt ist jedoch ein anderer: Eine Gesellschaft, die ihre eigenen Jugendlichen nicht in Arbeit oder Ausbildung bringt, wird auch keine Rückkehrer produktiv aufsaugen. Das Ergebnis sind junge Männer ohne Funktion und ohne Bindung, ein idealer Nährboden für Radikalisierung und Kriminalität – und zwar in beiden geografischen Richtungen.

    Die nackten 25 Prozent sind daher nicht nur eine marokkanische Angelegenheit. Sie erinnern daran, dass ungesteuerte Migration die grundlegenden Strukturprobleme der Herkunftsländer nicht lindert, sondern oft verschärft, weil die Mobilsten abwandern und später ohne die erhoffte Investitionskraft zurückkommen. Wer jetzt so tut, als könne man über diese Zusammenhänge nicht sprechen, ohne den Vorwurf des Rassismus zu riskieren, verabschiedet sich von jeder rationalen Steuerung. Den offenen Austausch zu unterdrücken hilft weder den jungen Arbeitslosen in Casablanca noch den Nachbarschaften in Malmö, die unter importierten Konflikten leiden. Ein aufgeklärtes Einwanderungsland braucht keine Tabus, sondern den nüchternen Blick auf solche Zahlen – und den Mut, aus ihnen die richtigen Schlüsse zu ziehen.

    Quelle: Aftenposten

Folg uns: YouTube Telegram

Erhalten Sie die 5 wichtigsten Beiträge von Nordisches direkt in Ihr Postfach - einmal pro Woche.

Andere Projekte: Fjordgefluster.no Vestmennene.no Maalmannen.no