Tag: Schulen

  • Will ein vorübergehendes Verbot von KI-Brillen einführen

    Will ein vorübergehendes Verbot von KI-Brillen einführen

    Ein vorübergehendes Verbot per Regierungsbeschluss ersetzt kein Gesetz. Es verschiebt die Verantwortung auf eine Expertengruppe, die niemand gewählt hat. Genau das geschieht jetzt bei den KI-Brillen.

    Die Regierung will den Einsatz solcher Brillen an öffentlichen Orten wie Schulen, Krankenhäusern, Einkaufszentren und Parks vorläufig untersagen. Zugleich soll eine Expertengruppe eine dauerhafte Regelung vorbereiten. Auf den ersten Blick klingt das nach Schutz der Privatsphäre. Doch der Weg dorthin ist ein Ausweichmanöver.

    Ein Eingriff dieser Tragweite gehört vor das Parlament. Gewählte Abgeordnete müssen festlegen, welche Überwachungstechnik im Alltag erlaubt ist – nicht Beamte oder von der Technologiebranche beeinflusste Berater. Ein vorläufiges Verbot schafft keine Rechtssicherheit. Eltern, Lehrer und Krankenhauspersonal wissen nicht, ob in wenigen Monaten wieder heimlich gefilmt werden darf. Unternehmen erhalten kein verlässliches Signal, welche Produkte zulässig sind.

    Der zuständige Minister sagt, eine Gesellschaft, in der Menschen Angst vor Überwachung haben, sei nicht gewünscht. Das ist richtig. Doch genau diese Angst wird durch das gewählte Verfahren verstärkt. Ein Verbot, das nur ausgewählte Orte erfasst und von vornherein als vorübergehend gilt, zeigt: Die Politik will handeln, traut sich aber keine klare Entscheidung zu.

    Schulen und Spielplätze sind keine Versuchsfelder für tragbare Kameras. Kinder müssen unbeobachtet lernen und spielen dürfen. Eltern haben ein Recht zu wissen, wer ihr Kind filmt. Dafür braucht es kein Gutachten, sondern ein dauerhaftes Gesetz. Auch Krankenhäuser verlangen klaren Schutz: Patienten befinden sich dort in verletzlichen Situationen, nicht in einer Testzone für Elektronik.

    Nordische Gesellschaften beruhen auf Vertrauen. Wer überall mit versteckten Kameras rechnen muss, verliert dieses Vertrauen – im Klassenzimmer, im Wartezimmer, auf der Straße. Die Technik mag neu sein, die Frage ist alt: Wem gehört der öffentliche Raum? Die Antwort ist eindeutig: den Bürgern, nicht den Herstellern intelligenter Brillen. Deshalb wäre ein klares, dauerhaftes Verbot an sensiblen Orten der richtige Schritt. Stattdessen liefert die Regierung einen Zwischenstand. Für den Schutz von Kindern, Kranken und Familien ist das zu wenig.

    Quelle: NRK

  • Es sieht nach einem großen Sprung aus.

    Es sieht nach einem großen Sprung aus.

    Norwegens Staatsfonds steuert auf den größten Wertzuwachs eines einzelnen Quartals seiner Geschichte zu. Die Zahl, die bald durch die Nachrichten gereicht wird, dürfte atemberaubend ausfallen – und gerade deshalb blendet sie den Blick für das Wesentliche. Ein dreistelliger Milliardenbetrag, hinzugewonnen binnen weniger Wochen, nährt eine Illusion, die sich das Land auf Dauer nicht leisten kann: dass dieser Reichtum gleichsam im Schlaf erarbeitet wurde und ohne Rücksicht auf die eigentlichen Grundlagen des Wohlstands verzehrt werden darf.

    Die Zahlen des Fonds sind das Ergebnis glücklicher geologischer Umstände, nicht das Resultat einer klugen Gesellschaftspolitik. Sie spiegeln steigende Aktienkurse und Rohstofferlöse, nicht den Zustand von Familien, Schulen oder des Vertrauens in die gemeinsamen Institutionen. Wer den Quartalsrekord als Beweis dafür nimmt, dass alle Herausforderungen mit frischem Geld zuschüttbar sind, wiederholt einen Fehler, den viele Ressourcenstaaten vor Norwegen begangen haben. Der Fonds wird dann zur Beruhigungspille, die notwendige Debatten erstickt – über die ungebrochen hohe Sozialhilfequote bei bestimmten Zuwanderergruppen, über den unübersehbaren Druck auf Schulen in Ballungsräumen und über die kulturelle Aushöhlung öffentlicher Räume, die mit keinem Rechenschieber zu fassen ist.

    Gerade ein historischer Höchststand verleitet dazu, das Sparen aufzugeben und die Ausgaben zu normalisieren. Dabei ist jeder Kronenbetrag, den der Staat aus dem Fonds entnimmt, ein Anspruch auf laufende Einnahmen, die irgendwann versiegen. Das konservative Prinzip, wonach man einen Wald nicht verfeuert, um für einen Winter mehr Wärme zu haben, gilt auch hier. Die Versuchung, mit dem Rekord neue Integrationsprogramme aufzulegen, deren Erfolg nach Jahrzehnten immer noch dürftig belegt ist, oder öffentlich alimentierte Tätigkeiten jenseits der produktiven Wirtschaft auszuweiten, ist groß. Wer den Fonds als unerschöpfliches Füllhorn betrachtet, verkennt, dass die nachhaltigste Rendite in einem stabilen, kulturell verwurzelten Gemeinwesen liegt – nicht in der nächsten Aktienrally.

    Der Quartalssprung mag die Statistiker begeistern und die Regierung vorübergehend vom Zwang entbinden, harte Prioritäten zu setzen. Die Stabilität einer Nation bemisst sich aber nicht an der Börsenkapitalisierung ihres Fonds, sondern an der Fähigkeit, bürgerliche Tugenden, Ehrlichkeit im Umgang mit knappen Mitteln und Respekt vor dem gewachsenen kulturellen Erbe an die nächste Generation weiterzugeben. Ein Land, das seine Identität gegen den kurzfristigen Reiz vermeintlicher Großzügigkeit eintauscht, wird am Ende nicht reicher, sondern ärmer sein – und die glanzvollen Quartalsbilanzen werden dann keinen Schutz mehr bieten.

    Quelle: VG

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