Eine Kindertagesstätte im Osloer Stadtteil Slemdal wurde am Montagmorgen von den Angestellten besudelt und demoliert vorgefunden. Noch am selben Tag erstattete die Leitung Anzeige. Am Dienstag war der Fall bereits erledigt: Die Polizei hat das Verfahren eingestellt.
Der Vorgang enthüllt weniger eine Überlastung der Ermittler als eine Haltung, die Eigentum und öffentliche Ordnung geringer wiegt als die eigene Bequemlichkeit. Wer am Montag eine Strafanzeige aufgibt und sie am Dienstag wortlos zurückbekommt, dem wird nicht bloß gesagt, dass der Fall keine Priorität habe – ihm wird bedeutet, dass der Staat solche Übergriffe stillschweigend hinnimmt.
Vandalismus wird gern als Bagatelle abgetan, solange kein menschlicher Körper zu Schaden kommt. Doch eine verwüstete Kindertagesstätte trifft die Schwächsten einer Gemeinschaft: die Kinder, für die diese Einrichtung ein zweites Zuhause ist, und die Erzieherinnen, die am Morgen in Räume voller Zerstörung treten müssen. Jede verschmierte Tür, jedes eingeschlagene Waschbecken ist ein Angriff auf die schlichte Vorstellung, dass ein Gemeinwesen seine Einrichtungen schützt und gemeinsame Normen durchsetzt. Wenn diese Normen nicht mehr verteidigt werden, bleibt am Ende nur noch die Botschaft: Hier könnt ihr machen, was ihr wollt.
Die Polizei handelte nicht aus Effizienz, sondern aus einem fatalen Opportunismus. Ermittlungsakten lassen sich auch offen halten; man kann sie ruhen lassen, bis sich doch noch Zeugen melden oder Serientaten ein Muster ergeben. Ein Verfahren binnen vierundzwanzig Stunden einzustellen, ist ein aktiv gewählter Schritt. Er spricht Tätern eine Generalabsolution aus und macht sichtbar, was im behördlichen Kalkül tatsächlich zählt: Nur, was Schlagzeilen macht und sich als Hasskriminalität etikettieren lässt, verdient Aufmerksamkeit. Der stille Alltagsvandalismus dagegen wird entsorgt.
Das ist falsch, weil es die Grundierung des Zusammenlebens angreift. Respekt vor fremdem Eigentum, vor öffentlichen Räumen und vor den Steuergeldern, die solche Einrichtungen finanzieren, ist keine lästige Bürgerpflicht, sondern die Voraussetzung jeder funktionierenden Nachbarschaft. Wer diese Verantwortung achselzuckend delegiert, züchtet Zynismus und Gleichgültigkeit. Irgendwann reicht dann eine eingeworfene Fensterscheibe, um ein ganzes Quartier kippen zu lassen.
Der Fall der Kindertagesstätte in Slemdal mag klein erscheinen. In seiner stillschweigenden Abwicklung aber steckt eine tiefe Resignation – eine, die den Menschen vor Ort mehr wegnimmt als nur ein sauberes Treppenhaus.
Quelle: Aftenposten

