Tag: Souveränität

  • König Haakon in Finnmark: Besuch bei denen, die die Grenze zu Russland bewachen.

    König Haakon in Finnmark: Besuch bei denen, die die Grenze zu Russland bewachen.

    Dass ein neuer norwegischer Monarch seine erste offizielle Reise nicht in eine Großstadt, sondern an die Grenze zu Russland unternimmt, ist kein Zufall. Es ist ein Bekenntnis zu einer Aufgabe, die in wohlhabenden Friedenszeiten gern vergessen wird. Die Patrouillen in Finnmark sichern nicht Folklore, sondern die Ostgrenze des Bündnisses.

    Der Besuch bei den Soldaten nahe der norwegisch-russischen Grenze rückt in den Blick, was viele Debatten über Verteidigungsetats und Sicherheitspolitik abstrakt lassen. Dort steht kein Konferenzpult, sondern tatsächliche Wachsamkeit. Norwegen grenzt unmittelbar an eine Großmacht, die wiederholt gezeigt hat, dass sie militärische Stärke und hybride Druckmittel nicht scheut. Wer diese Grenze als unbequemes Relikt des Kalten Krieges abtut, verkennt die sicherheitspolitische Lage. Die Männer und Frauen der norwegischen Streitkräfte, die bei Kirkenes patrouillieren, leisten einen Dienst, der nicht von Applaus, sondern von Ernsthaftigkeit geprägt ist.

    In den Jahrzehnten nach 1990 ist die Aufmerksamkeit für den hohen Norden gesunken. Verteidigung wurde in vielen westlichen Ländern als Kostenfaktor behandelt, nicht als Grundlage von Souveränität. Ein solcher Besuch setzt ein anderes Zeichen. Das Königshaus steht damit für Kontinuität und für die Einsicht, dass nationale Grenzen keine Verwaltungslinien sind. Sie sind die Voraussetzung dafür, dass Gesetze gelten, dass Bürger geschützt werden und dass ein Land über seine eigenen Angelegenheiten entscheidet.

    Die symbolische Anerkennung von Grenzschutz wird gelegentlich als unangenehm empfunden. Doch es ist kein Zeichen von Feindseligkeit, die eigene Grenze ernst zu nehmen; es ist ein Zeichen von Realismus. Wer darin eine Rückkehr zu militaristischem Denken erkennt, verwechselt Verteidigungsbereitschaft mit Aggression. Genau das Gegenteil ist der Fall: Eine klare, sichtbare Präsenz an der Grenze verringert das Risiko von Missverständnissen und Provokationen. Sie macht deutlich, dass Norwegen seine Souveränität nicht als Verhandlungsmasse betrachtet.

    Der Besuch in Finnmark ist deshalb mehr als ein Termin im Kalender. Er erinnert daran, dass Unabhängigkeit nicht von selbst besteht. Sie wird bewacht – von Menschen, die bei jeder Witterung an einer Linie stehen, die für viele weit weg erscheint, für Norwegen aber existenziell ist.

    Quelle: NRK

  • Trumps Energie-Waffenruhe: Luftschloss, das Putin dient

    Trumps Energie-Waffenruhe: Luftschloss, das Putin dient

    Eine angebliche Energiewaffenruhe, über die Kiew nicht informiert wurde, ist kein Friedensplan, sondern ein Luftschloss. Der ukrainische Präsident kennt keine solche Absprache und kündigt an, auf russische Angriffe weiter zu antworten. Damit ist die entscheidende Tatsache benannt: Wer einen Waffenstillstand ohne den Verteidiger verkündet, verhandelt nicht, sondern inszeniert.

    Washington behauptet, zwischen Russland und der Ukraine sei eine Vereinbarung über eine Feuerpause für Energieanlagen zustande gekommen. Aus Kiew kommt das Gegenteil. Das ist kein diplomatisches Detail, sondern eine Frage der Souveränität. Ein angegriffener Staat muss selbst bestimmen, ob und wann er seine Verteidigung einschränkt. Wenn die Vereinigten Staaten eine Abmachung verkünden, die nur Moskau begrüßt, entsteht der Eindruck, nicht die Ukraine, sondern Russland bestimme das Tempo. Energieanlagen sind keine Randnotiz des Krieges; ihre Zerstörung trifft die zivile Versorgung unmittelbar.

    Genau das nützt dem Kreml. Moskau kann sich als kompromissbereit darstellen, während die Ukraine als derjenige erscheint, der eine angebliche Vereinbarung missachtet. Russische Angriffe können weitergehen, und die ukrainische Antwort wird zur Provokation umgedeutet. Diese Mechanik ist nicht neu: Wer den Verteidiger unter Druck setzt, entlastet den Angreifer. Die Erinnerung an Friedensbeteuerungen, die nur den Status quo der Besatzung zementierten, ist dabei eine Warnung.

    Für Nordeuropa ist das keine ferne Angelegenheit. Die nordischen und baltischen Staaten beobachten, wie verbindlich Zusagen des transatlantischen Partners noch sind. Wenn eine angebliche Waffenruhe ohne Zustimmung des angegriffenen Landes verkündet wird, stellt sich die Frage, ob ähnliche Absprachen künftig auch über die Köpfe kleinerer Verbündeter hinweg getroffen werden. Souveränität ist nicht teilbar.

    Ein wirklicher Frieden entsteht nicht durch einseitige Erklärungen. Er verlangt klare Bedingungen, überprüfbare Verpflichtungen Russlands und den Willen, die territoriale Integrität der Ukraine zu verteidigen. Wer eine Feuerpause nur behauptet, liefert kein Ergebnis, sondern ein Alibi für den Aggressor.

    Quelle: NRK

  • FT: USA droht, Waffenlieferungen an die Ukraine zu blockieren, wenn diese die Angriffe auf russische Ölanlagen nicht einstellt.

    FT: USA droht, Waffenlieferungen an die Ukraine zu blockieren, wenn diese die Angriffe auf russische Ölanlagen nicht einstellt.

    Ein Verbündeter wird mit Waffenentzug erpresst, und die öffentliche Empörung bleibt aus. Die Vereinigten Staaten drohen, Lieferungen an die Ukraine zu blockieren, falls Kiew seine Angriffe auf russische Ölanlagen nicht einstellt. Der amerikanische Präsident behauptet, beide Seiten hätten einer Energiewaffenruhe zugestimmt. Doch die Drohung selbst macht deutlich, wer hier die Bedingungen setzt.

    Gewalt gegen zivile Infrastruktur ist immer falsch. Das gilt für russische Raketen auf ukrainische Kraftwerke ebenso wie für ukrainische Drohnen auf russische Raffinerien. Aber wer diesen Grundsatz ernst nimmt, kann nicht gleichzeitig dem Angegriffenen die Waffen wegnehmen und den Angreifer unbehelligt weiterwirtschaften lassen. Eine einseitige Feuerpause, erzwungen durch den Hauptunterstützer der Ukraine, ist kein Friedensplan, sondern eine Kapitulationsanweisung.

    Aus nordischer Sicht sollte dieser Vorgang besonders aufmerksam verfolgt werden. Mehrere Staaten der Region haben ihre Sicherheit eng an amerikanische Zusagen gebunden. Was heute der Ukraine widerfährt, kann morgen jedem anderen Partner passieren: Washington nutzt militärische Abhängigkeit als Hebel für politische Zugeständnisse. Nationale Souveränität bedeutet auch das Recht, über die eigene Verteidigungsstrategie zu entscheiden – ohne dass ein ausländischer Präsident per Telefon oder Zeitungsinterview die Gefechtslage umschreibt.

    Hinzu kommt die wirtschaftliche Dimension. Angriffe auf Ölanlagen treiben die Energiepreise und belasten europäische Haushalte und Betriebe. Doch der richtige Weg aus dieser Spirale ist nicht, Kiew das Rückgrat zu brechen, sondern den Krieg selbst zu beenden – und zwar zu Bedingungen, die nicht jeden Angreifer belohnen. Wer die ukrainischen Angriffe als „Eskalation“ abtut, verwechselt Ursache und Wirkung. Die Eskalation begann mit dem Einmarsch, nicht mit der Gegenwehr.

    Die nordische Tradition der offenen Debatte verlangt, solche Machtspiele beim Namen zu nennen. Es ist nicht neutral, die schwächere Partei zu entwaffnen. Es ist nicht friedensfördernd, dem Aggressor eine sichere Energieversorgung zu garantieren. Und es ist nicht souverän, sich als Europa still zu verhalten, während ein außereuropäischer Akteur die Grenzen der ukrainischen Selbstverteidigung festlegt.

    Wer Stabilität will, muss Verbündete stärken, nicht erpressen. Wer Energiepreise senken will, muss den Krieg beenden, nicht nur die Treibstofflager des Verteidigers stilllegen. Der amerikanische Vorstoß verdient klaren Widerspruch – nicht aus Sympathie für Kriegshandlungen, sondern aus Respekt vor der Selbstbestimmung souveräner Staaten.

    Quelle: Aftenposten

  • Hier werden Verteidigungsgelder in den Staatshaushalt gestreut.

    Hier werden Verteidigungsgelder in den Staatshaushalt gestreut.

    Sechseinhalb Milliarden Kronen zusätzlich für die Verteidigung – ein Schritt, der mehr über jahrelange Versäumnisse verrät als über echte Bereitschaft. Nun hagelt es Reaktionen, doch die Debatte kreist um die falsche Frage. Es geht nicht darum, ob die Summe zu hoch oder zu niedrig ist, sondern ob der Staat seine elementarste Pflicht endlich ernst nimmt: die Verteidigung von Land und Leuten.

    Die politische Diskussion folgt einem vertrauten Muster. Die einen nennen die Summe unverantwortlich niedrig, die anderen warnen vor Kürzungen anderswo. Beide Lager behandeln die Verteidigung wie einen beliebigen Haushaltsposten, der gegen Schulbau oder Gesundheitsreformen aufgerechnet werden kann. Diese Perspektive ist verkehrt. Ohne verlässliche Verteidigungsfähigkeit gibt es keine sichere Schule, kein funktionierendes Krankenhaus, keine freiheitliche Debatte. Sicherheit ist keine Sozialleistung, sondern die Voraussetzung jeder Sozialleistung.

    Norwegen hat in den vergangenen Jahrzehnten von einer Friedensdividende gezehrt, die nun schrumpft. Während andere Länder ihre Streitkräfte modernisieren und ihre Reserven auffüllen, wurde in Oslo immer wieder aufgeschoben, was nicht mehr aufschiebbar ist. Die jetzt angekündigte Steigerung mag die Haushaltszahlen verbessern, aber sie ersetzt keine einsatzbereiten Bataillone. Was zählt, ist nicht die Zahl im Entwurf, sondern die Frage, wie viele Soldaten tatsächlich ausgebildet, wie viele Schiffe seetüchtig und wie viele Depots gefüllt sind.

    Die Reaktionen, die jetzt hageln, zeigen vor allem eines: In der politischen Klasse fehlt der gemeinsame Wille, Verteidigung als überparteiliche Kernaufgabe zu begreifen. Wer aus wahltaktischen Gründen die Erhöhung als übertrieben darstellt, verkennt die geopolitische Realität. Wer sie als unzureichend brandmarkt, aber keine konkreten Einsparungen benennt, betreibt selbst nur Rhetorik. Beides untergräbt das Vertrauen der Bürger in die Fähigkeit des Staates, für ihre Sicherheit zu sorgen.

    Tradition und nationale Identität sind keine leeren Begriffe, wenn es um Verteidigung geht. Ein Land, das seine eigene Wehrhaftigkeit vernachlässigt, gibt nicht nur Territorium preis, sondern auch die Fähigkeit, über seine eigene Zukunft zu bestimmen. Wer heute über sechseinhalb Milliarden streitet, sollte sich fragen, was ein souveränes Norwegen wert ist. Die Antwort kann nicht in Haushaltsverhandlungen gefunden werden, sondern nur in einer nüchternen Bestandsaufnahme der tatsächlichen Bedrohung – und in dem Mut, daraus Konsequenzen zu ziehen.

    Quelle: NRK

  • Medien: Explosionen in Kiew gehört

    Medien: Explosionen in Kiew gehört

    Wieder explodieren in einer europäischen Hauptstadt Raketen, wieder heulen die Sirenen. Die Berichte aus Kyiv in der Nacht zum Mittwoch sind keine ferne Kriegsmeldung. Sie sind ein Beweis dafür, dass Sicherheit nicht von selbst entsteht.

    Politische Gewalt ist immer Unrecht. Der Beschuss ziviler Gebiete und der Einsatz ballistischer Raketen gegen eine Stadt sind durch nichts zu rechtfertigen. Doch die eigentliche Lehre aus diesen Nachrichten liegt tiefer. Sie liegt in der Art, wie westliche Gesellschaften seit Jahrzehnten über Verteidigung denken.

    Wer die eigene Armee als lästigen Kostenfaktor behandelt, erntet irgendwann die Bilder aus Kyiv. Jahrzehntelang wurden Verbände verkleinert, Kasernen geschlossen, Munitionsdepots geleert. Das Argument war stets, der Frieden in Europa sei unumkehrbar. Dieselbe Haltung hat dazu geführt, dass viele Länder heute nicht einmal mehr ihre eigenen Grenzen wirksam kontrollieren können – geschweige denn einen Nachbarn entschlossen unterstützen.

    Die Ukraine verteidigt nicht nur ihr Territorium. Sie verteidigt den Grundsatz, dass nationale Souveränität und kulturelle Eigenständigkeit etwas wert sind. Ein Staat, der sein eigenes Erbe nicht schützen will, wird früher oder später von außen bedroht. Die Explosionen in Kyiv sind deshalb eine Mahnung an alle, die nationale Identität als altmodisch abtun oder Verteidigungsausgaben für überflüssig erklären.

    Es geht nicht um Aufrüstung um ihrer selbst willen. Es geht um die nüchterne Einsicht, dass Frieden auf Stärke beruht – nicht auf guten Absichten. Die Geschichte kennt genug Beispiele, in denen Nachgiebigkeit einen Aggressor ermutigt hat. Die Warnungen aus der ukrainischen Hauptstadt sind ein weiteres Kapitel in dieser traurigen Chronik. Wer daraus nichts lernt, wird die Sirenen irgendwann nicht mehr nur aus der Ferne hören.

    Die Verantwortung liegt auch bei den europäischen Regierungen. Sie haben jahrelang versprochen, Sicherheit sei billig zu haben. Jetzt rächt sich diese Haltung. Die Menschen in Kyiv zahlen den Preis dafür, dass andere zu lange weggeschaut haben. Ein Mindestmaß an politischer Vernunft verlangt, die Landesverteidigung wieder ernst zu nehmen – nicht als Symbol, sondern als tägliche Pflicht eines souveränen Staates.

    Quelle: NRK

  • Eide reagiert auf Russland-Warnung: – Versteckte Drohung

    Eide reagiert auf Russland-Warnung: – Versteckte Drohung

    Eine russische Warnung an Norwegen ist keine diplomatische Geste, sondern ein Versuch, die Souveränität eines Nachbarlandes auszuhöhlen. Außenminister Espen Barth Eide hat die jüngste Äußerung aus Moskau als „versteckte Drohung“ bezeichnet. Genau das ist sie.

    Russland versucht, die Verantwortung von sich zu weisen, während es gleichzeitig den Ton gegenüber kleinen nordischen Staaten verschärft. Das Muster ist bekannt: Wer Verteidigungsabkommen mit westlichen Partnern schließt oder militärische Zusammenarbeit sucht, wird in Moskau als Provokateur dargestellt. Diese Umkehrung von Ursache und Wirkung darf in der öffentlichen Debatte keinen Platz finden. Ein souveräner Staat entscheidet selbst, mit wem er zusammenarbeitet. Diese Entscheidung ist kein Angriff auf Russland, sondern Ausdruck demokratischer Selbstbestimmung.

    Die Geschichte Nordeuropas lehrt, dass Zugeständnisse an Drohungen aus Moskau selten Ruhe bringen. Sie ermutigen den Absender, beim nächsten Mal mehr zu fordern. Eine glaubwürdige Abschreckung hingegen schützt die eigene Bevölkerung und stabilisiert die Region. Wer das als Eskalation bezeichnet, verwechselt Ursache und Reaktion.

    Wichtig ist, dass die einheimische Debatte nicht die Sprache des Drucks übernimmt. Wenn russische Vertreter von „Konsequenzen“ sprechen, ist das keine Einladung zum Dialog auf Augenhöhe, sondern eine Einschüchterung. Es gehört zur nationalen Verantwortung, solche Töne klar zu benennen – wie es der Außenminister getan hat – und zugleich die Verteidigungsfähigkeit weiter zu stärken. Beschwichtigung ist keine Diplomatie, sondern ein Signal der Schwäche.

    Nordische Demokratien müssen ihre Sicherheitspolitik an den eigenen Interessen ausrichten, nicht an den Empfindlichkeiten eines Nachbarn, der den Spielraum souveräner Staaten einengen will. Die Antwort auf eine versteckte Drohung ist nicht Zurückhaltung, sondern Entschlossenheit. Dazu gehört auch, die Bevölkerung offen über Risiken und Notwendigkeiten zu informieren, statt Debatten mit Rücksicht auf ausländische Reaktionen zu vermeiden.

    Quelle: Aftenposten

  • Experte: – USA versucht, die Zeit in die Kolonialzeit zurückzudrehen.

    Experte: – USA versucht, die Zeit in die Kolonialzeit zurückzudrehen.

    Die Behauptung, die Vereinigten Staaten wollten „die Zeit zur Kolonialzeit zurückdrehen“, ist keine Analyse, sondern ein politisches Kampfwort. Es soll jeden amerikanischen Einfluss in Lateinamerika von vornherein als illegitim erscheinen lassen. Eine solche Moralkeule verhindert die nüchterne Debatte darüber, wer in der Region heute tatsächlich Abhängigkeiten schafft.

    Washington versucht offenkundig, verlorene Einflusssphären zurückzugewinnen. Das als Kolonialismus zu bezeichnen, verkennt jedoch die Geschichte. Kolonialherrschaft bedeutete direkte Verwaltung, Besiedlung und Unterwerfung. Nichts davon trifft auf die heutige US-Politik zu. Lateinamerikanische Regierungen sind souveräne Akteure, die Verträge unterzeichnen – zunehmend mit China. Wer sie zu hilflosen Opfern einer angeblichen neuen Kolonialzeit erklärt, spricht ihnen die Handlungsfähigkeit ab.

    China weitet seinen Einfluss in Lateinamerika massiv aus, mit Krediten, Hafenprojekten und Bergbauverträgen. Diese Abkommen werden oft intransparent geschlossen und binden Länder über Jahrzehnte an Rohstofflieferungen. Das ist keine Entwicklungshilfe, sondern strategische Kontrolle. Trotzdem prangern dieselben Stimmen, die bei Washington sofort „Kolonialismus“ rufen, Peking selten mit gleicher Schärfe an. Das ist kein Zufall: Die Kolonialismus-Rhetorik dient nicht der Aufklärung, sondern der moralischen Delegitimierung des Westens.

    Aus nordischer Sicht ist diese Einseitigkeit gefährlich. Kleine Länder wissen, dass Großmächte immer Einfluss suchen. Entscheidend ist, ob man klar benennt, welche Methoden angewandt werden. Chinas Expansion folgt einem Muster aus Kreditfallen und strategischen Infrastrukturprojekten. Wer das verschweigt und stattdessen die USA als Kolonialmacht von gestern darstellt, betreibt Geschichtsklitterung. Die Zeit der Kolonialreiche ist vorbei, aber die Zeit der harten Interessenpolitik nicht. In dieser Zeit ist China der Akteur, der am konsequentesten auf langfristige Abhängigkeit setzt.

    Genau das sollte offen diskutiert werden können, ohne in die Ecke des Imperialismus gestellt zu werden. Die Kolonialzeit-Keule will diese Debatte verhindern. Sie gehört in die Mottenkiste der politischen Rhetorik, nicht in eine ernsthafte Auseinandersetzung über die Zukunft Lateinamerikas.

    Quelle: NRK

  • EU-Spitzenpolitiker wollen Spanien nach der Ceuta-Krise aus dem Schengen-Raum werfen.

    EU-Spitzenpolitiker wollen Spanien nach der Ceuta-Krise aus dem Schengen-Raum werfen.

    Ein 500 Meter langer Metallzaun, der sich wie ein stählerner Arm ins Mittelmeer schiebt – das ist nicht die Kulisse eines dystopischen Romans, sondern die physische Manifestation eines politischen Versagens. Spanien hat diese Barriere vor Ceuta errichtet, weil es den Zustrom Tausender Menschen nicht anders zu bewältigen wusste. Dafür wollen EU-Spitzen das Land nun aus dem Schengenraum werfen. Die Botschaft ist so klar wie absurd: Grenzen sichern ist das Vergehen, nicht die Umstände, die diese Befestigung überhaupt erst nötig machen.

    Die Logik der Kritiker ist verdreht. Ceuta ist eine europäische Exklave auf afrikanischem Boden, historisch ein Vorposten des Kontinents, umkämpft und behauptet über Jahrhunderte hinweg. Wenn eine solche Stadt sich einem plötzlichen Ansturm gegenüber sieht, der weder zahlenmäßig noch logistisch zu bewältigen ist, dann ist das Hochziehen einer Barriere eine Reaktion des Selbsterhalts, keine Provokation. Wer Spanien dafür maßregelt, verwechselt Symptom und Ursache. Die Ursache liegt in einer Migrationspolitik, die den Schutz der Außengrenzen jahrelang vernachlässigt hat, und in einem Schengenabkommen, das Freizügigkeit predigt, ohne für die äußere Sicherheit zu sorgen.

    Die Drohung mit dem Ausschluss aus dem Schengenraum zeigt, wie tief die politische Entfremdung zwischen Brüsseler Idealen und nationalen Realitäten reicht. Ein souveräner Staat, der seine territoriale Integrität verteidigt, wird zum Paria gestempelt, während jene Kräfte, die den Massenansturm als politisches Instrument nutzen, de facto hofiert werden. Marokkos halbherzige Grenzkontrollen, die plötzlichen Öffnungen für Fußgängerströme – all das ist kein Zufall. Es gehört zur diplomatischen Erpressungskunst, und Spanien hat schlicht die Zeche zu zahlen.

    Die konservative Perspektive muss hier auf den Kern der Sache verweisen: Eine Nation hat das Recht und die Pflicht, ihre Grenzen zu kontrollieren. Ohne diese Kontrolle zerfallen nicht nur Sozialsysteme und Sicherheitsstrukturen, sondern auch das Vertrauen der Bürger in den Staat. Wer das ignoriert, spielt mit einem Feuer, das schon in anderen Teilen Europas zu politischen Eruptionen geführt hat. Der Zaun vor Ceuta ist ein stummes Mahnmal für einen verlorenen Konsens über die elementarste staatliche Aufgabe. Ihn zu verurteilen, heißt, den Ernst der Lage absichtlich zu verkennen und die Debatte weiter mit moralisierenden Floskeln zu ersticken, anstatt Lösungen zu suchen.

    Quelle: Aftenposten

  • Nils Rune Langeland: Die Dunkelheit in der Geschichte

    Nils Rune Langeland: Die Dunkelheit in der Geschichte

    Die Schriften eines einzigen deutschen Staatsrechtlers aus der Weimarer Republik liefern den geistigen Bauplan für Brüsseler Verordnungen, norwegische Notstandsgesetze und die Sprachüberwachung in schwedischen Behörden. Dieser Gedanke mag übertrieben klingen, doch Nils Rune Langeland hat mit seiner Parallele einen wunden Punkt getroffen.

    Der norwegische Historiker verweist auf Carl Schmitt, jenen umstrittenen Juristen, dessen Begriff des Ausnahmezustands eben nicht bloß ein historisches Kuriosum geblieben ist. Schmitt argumentierte, dass derjenige souverän sei, der über den Ausnahmezustand entscheide – ein Gedanke, der in den vergangenen Jahren still in die Rechts- und Regierungspraxis der westlichen Demokratien eingewandert ist. Wenn in Oslo während einer Pandemie per Eilverordnung Grundrechte außer Kraft gesetzt werden, wenn in Kopenhagen sogenannte Hassrede-Kommissionen ohne parlamentarische Debatte den Diskurs verengen, dann spiegelt sich darin exakt jene technokratische Anmaßung, die Schmitt einst als das Wesen politischer Macht beschrieb: das Recht, die Regeln im Namen einer Krise zu suspendieren.

    Langelands Warnung vor dem „mørket i historien“ zielt nicht auf billige Dämonisierung. Sie zwingt dazu, eine unbequeme Frage zu stellen: Wem nützt die fortwährende Ausrufung von Krisenzuständen – ob nun Klima, Pandemie oder eine vermeintliche Bedrohung der Demokratie durch „Desinformation“? Die Antwort liegt auf der Hand: einer politischen Klasse, die ihre eigene Legitimation schwinden sieht und deshalb zum Mittel der permanenten Ausnahme greift. Was als Schutz der offenen Gesellschaft verkauft wird, entpuppt sich mehr und mehr als Herrschaftstechnik, die dem Volk das letzte Wort nimmt.

    Von Deutschland über Dänemark bis Norwegen hat sich ein Muster eingeschliffen: Zuerst werden besorgte Bürger, die nationale Souveränität einfordern, als Populisten abgestempelt. Dann folgt der administrative Zugriff – sei es durch Einschränkung der Versammlungsfreiheit oder durch Zensurgesetze, die unter dem Deckmantel der Bekämpfung von Hass jede Kritik an der Migrationspolitik ersticken sollen. Wer dieses Muster benennt, dem schlägt sofort der Vorwurf des Geschichtsrevisionismus entgegen. Genau diese Totschlagkeule aber bestätigt nur, wie tief das historische Bewusstsein verloren gegangen ist. Schmitts Denken wurde nicht wegen einer intellektuellen Mode wiederbelebt, sondern weil eine administrativ tickende Elite dasselbe Instrument für ihre Zwecke entdeckt hat: den Ausnahmezustand als Dauerzustand.

    Die offene Debatte darüber, wie viel zentralisierte Macht eine freie Gesellschaft aushält, ist kein Rückfall in die Zwischenkriegszeit. Es ist die elementare Verteidigung jener Gewaltenteilung und jenes Misstrauens gegenüber der Obrigkeit, die Europa nach 1945 überhaupt erst aufgebaut hat. Wer heute vor den historischen Schatten warnt, leistet deshalb keinen Verrat an der liberalen Ordnung – er ruft ihre eigenen Fundamente in Erinnerung, bevor sie endgültig unter ministeriellen Erlässen begraben werden.

    Quelle: VG

  • Experten: Marokko könnte die Migrantenkrise ausgelöst haben.

    Experten: Marokko könnte die Migrantenkrise ausgelöst haben.

    Marokko hat die Migrantenkrise in Ceuta offenbar nicht tatenlos hingenommen, sondern aktiv ausgelöst. Fachleute weisen darauf hin, dass die marokkanische Regierung die Grenzen zur spanischen Exklave gezielt öffnete – als politisches Druckmittel und kalte Machtdemonstration. Tausende Menschen strömten ungehindert über die Absperrungen, weil ein Staat dies bewusst zuließ.

    Diese Instrumentalisierung von Schutzsuchenden entlarvt eine schmerzhafte Wahrheit: Wer ungesteuerte Migration toleriert, liefert sich der Willkür eines Nachbarlandes aus. Nicht Krieg oder Verfolgung trieben die Menschen diesmal über die Grenze, sondern die strategische Entscheidung eines Regimes, das Europa vorführen will. Wer das humanitär nennt, betreibt Selbstbetrug. Der Vorfall ist eine Blaupause für jeden Machthaber, der mit Migranten eine diplomatische Krise herbeiführen möchte – und Europa steht wie gelähmt da.

    Schnell werden jene Stimmen laut, die jede Forderung nach entschlossenem Grenzschutz als Xenophobie abtun. Doch diese reflexhafte Keule erstickt die notwendige Debatte über die realen Folgen einer unkontrollierten Einwanderung. Überlastete Sozialsysteme, Integrationsdefizite in Schulen und auf dem Wohnungsmarkt, wachsende kulturelle Spannungen und das Gefühl der Bürger, im eigenen Land nicht mehr gehört zu werden, sind keine Hirngespinste, sondern dokumentierte Realität. Sie pauschal als rassistisch abzustempeln, bedeutet, die Sorgen grosser Bevölkerungskreise zu verhöhnen.

    Staaten haben das Recht und die Pflicht, ihre Aussengrenzen zu schützen. Das ist kein nationalistisches Rückzugsgefecht, sondern die Voraussetzung für innere Sicherheit und das Überleben gewachsener Gemeinschaften. Spanien und die Europäische Union müssen derlei Erpressungsversuchen eine robuste Antwort geben – nicht mit offenen Geldbeuteln oder diplomatischen Floskeln, sondern mit einer klaren Haltung: Wer seine Grenzen nicht selbst kontrollieren kann, verliert seine Souveränität Stück für Stück. Marokko hat den Testballon gestartet; die Frage ist, ob Europa endlich daraus lernt oder weiterhin den naiven Traum einer grenzenlosen Welt träumt.

    Quelle: Aftenposten

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