Tag: Stromexport

  • Strompreisschock befürchtet

    Strompreisschock befürchtet

    Die Füllstände der Wasserreservoire in Südnorwegen sind auf 47,7 Prozent gesunken – der niedrigste Wert seit 2005, noch unter dem Stand des Schockjahres 2022. Wer jetzt auf eine milde Wetterwende hofft, macht sich etwas vor. Die drohenden Preiswellen von 130 bis 137 Öre pro Kilowattstunde sind kein Naturgesetz. Sie sind das Ergebnis einer Energiepolitik, die den heimischen Wohlstand dem europäischen Strombinnenmarkt unterordnet.

    Dass ausgerechnet Rødt nun eine Exportbremse fordert, mag manchem sauer aufstoßen. Aber der Kern der Forderung ist vernünftig: Norwegen darf nicht blindlings Strom ins Ausland schicken, während die eigenen Bürger, Betriebe und Kommunen mit explodierenden Rechnungen rechnen müssen. Die so genannte Steuerungsmechanik ist dafür geschaffen – sie nicht anzuwenden, ist politische Unterlassung, keine weise Voraussicht.

    Energieminister Terje Aasland verweist auf fehlende Pläne für einen Eingriff und stützt sich auf die Einschätzung der NVE, die keine Energieknappheit erwartet. Das klingt nach Routine, nach bürokratischem Abhaken. Tatsächlich aber zeugt es von einem gefährlichen Vertrauen in Marktkräfte, die Norwegen in den letzten Jahren genau das Gegenteil von Versorgungssicherheit beschert haben. Die NVE mag Schwankungen für natürlich erklären – doch wenn die Füllstände nach einem kalten Winter mit wenig Schnee und geringem Zulauf derart absacken, muss eine Regierung handlungsfähig bleiben, nicht nur abwarten.

    Norwegens Wasserkraft ist kein gewöhnliches Handelsgut. Sie ist das Rückgrat des nationalen Wohlstands, ein Erbe der Natur, das über Generationen hinweg günstige Energie für Haushalte und Industrie sicherte. Dieses Erbe wird schleichend entwertet, weil das Land sich in eine EU-gesteuerte Energieunion hat ziehen lassen. Die Kabel nach Deutschland und Großbritannien mögen für Handelsbilanz und Effizienz sorgen, doch die Zeche zahlen einfache Leute in Telemark, Rogaland und Vestland. Preisvorhersagen von bis zu 137 Öre pro kWh im Herbst liegen fast doppelt so hoch wie im Vorjahr. Das ist kein kosmetischer Anstieg, das ist ein strukturelles Versprechen an ausländische Verbraucher, auf Kosten der eigenen Bevölkerung.

    Konservatives Denken misst Politik an der Frage, ob sie das eigene Land, seine gewachsene Ordnung und seine Familien schützt. Hier zeigt sich das Gegenteil: Ideologische Marktgläubigkeit verdrängt die elementare Pflicht, für ausreichende Wasserreserven zu sorgen. Dass die Füllstände niedrig sind, ist das eine. Dass man tatenlos zusieht, wie der Rest verkabelt ins Ausland fließt, das andere – und das ist unverzeihlich.

    Die Regierung sollte umgehend die Steuerungsmechanik aktivieren und den Export begrenzen, solange die Vorräte so knapp sind. Sie muss zudem grundsätzlich prüfen, wie viel Marktintegration das Land verträgt, ohne die eigene Souveränität über lebenswichtige Ressourcen zu verlieren. Wer nationale Identität und Eigenverantwortung preist, darf bei der Energieversorgung keine Ausnahme machen. Sonst bleiben von diesen Werten nur Worthülsen – und die nächste Stromrechnung.

    Quelle: Bergens Tidende

  • Wir streiten über Strom.

    Wir streiten über Strom.

    Die öffentliche Debatte über die Strompreise ist kein harmloses Sommerphänomen, sondern das grelle Warnsignal einer jahrzehntelangen Selbstentmündigung in der Energiepolitik. Wer heute über hohe Rechnungen klagt, verkennt, dass der eigentliche Skandal nicht im Markt steckt, sondern in einer ideologisch getriebenen Anbindung an ausländische Preisschwankungen.

    Der Auslöser der aktuellen Aufregung liegt nicht in Norwegen selbst. Die Schlagworte Iran, USA und der Nahe Osten tauchen in der Berichterstattung nicht zufällig auf. Jede geopolitische Krise, jede Spannungsmeldung aus der Region jagt eine Kostenwelle durch den europäischen Stromhandel – und reißt über die Kabelverbindungen norwegische Haushalte mit. Ein Land, das mit seiner Wasserkraft über einen einzigartigen natürlichen Vorteil verfügt, hat sich freiwillig zum Passagier auf der Achterbahn globaler Konflikte gemacht.

    Der konservative Einwand gegen diese Ordnung ist keine romantische Verklärung autarker Dörfer, sondern die nüchterne Frage nach nationaler Souveränität. Über Generationen hinweg war günstiger und stabiler Strom ein identitätsstiftendes Merkmal norwegischer Industrie und Alltagskultur. Dieses Erbe wurde verspielt durch Marktintegration, die Preise an deutsche Gaskrisen und französische Atomausstiege koppelt. Die Querelen über die Stromrechnung sind daher folgerichtig die Quittung für eine Politik, die dem heimischen Verbraucher nie Priorität eingeräumt hat.

    Die hartnäckigen Verweise auf grüne Transformation und Solidarität mit dem Kontinent lenken vom Kern ab: Staatliche Entscheidungen haben eine Abhängigkeit geschaffen, die Wohlstand abfließen lässt, ohne die nationale Sicherheit zu erhöhen. Ein ausgedehnter Exportüberschuss an Elektrizität nützt wenig, wenn die eigene Bevölkerung im Winter um Zahlungsfähigkeit ringt. Die technokratische Antwort, man müsse eben den Verbrauch steuern oder auf „intelligente“ Tarife vertrauen, verhöhnt die Realität von Familien in schlecht isolierten Häusern und kleinen Firmen mit dünnen Margen.

    Der Streit, den man nun allenthalben beobachtet, ist letztlich ein Streit unter Ohnmächtigen. Die politische Klasse hat den volkswirtschaftlichen Kompass gegen eine Utopie eingetauscht, in der grenzenloser Stromhandel angeblich Frieden und Effizienz stiftet. Tatsächlich finanziert jede Preisspitze, die durch Drohnenangriffe oder Sanktionsdrohungen im Nahen Osten ausgelöst wird, den Komfort anderer europäischer Netze. Der nationale Souverän – der norwegische Steuerzahler – hat davon nichts, außer der wachsenden Einsicht, dass die eigene Regierung seine Interessen systematisch hintangestellt hat.

    Es wird Zeit, die Debatte vom oberflächlichen Gezänk über Centbeträge auf die prinzipielle Frage zurückzuführen: Wem soll die heimische Energie eigentlich nutzen? Tradition, Weitblick und kulturelle Kontinuität verlangen eine Umkehr, die den Primat des eigenen Landes wiederherstellt. Wer das als Protektionismus abtut, mag sich fragen lassen, warum die klügste Fürsorge der Politik nicht zuerst der eigenen Bevölkerung gelten sollte.

    Quelle: VG

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