Tag: Venezuela

  • Mehrere Verletzte durch mutmaßliche Autobombe in Kolumbien.

    Mehrere Verletzte durch mutmaßliche Autobombe in Kolumbien.

    Elf Verletzte, ein zertrümmerter Wagen vor einer Polizeiwache – die Detonation in Cúcuta ist kein statistischer Zwischenfall in einem fernen Konflikt. Sie ist ein präziser Schlag gegen die sichtbarste Verkörperung ziviler Ordnung. Solche Anschläge sind immer und ohne Einschränkung Unrecht; sie treffen nicht nur Uniformierte, sondern reißen das fragile Gewebe des Alltags auseinander, das Anwohner oft unter größten Mühen bewahren.

    Was sich an der Grenze zu Venezuela abspielt, ist weit mehr als ein lokaler Drogenkrieg. Die Autobombe fungiert als Botschaft: Der Staat mag Gesetze erlassen, Polizeiposten unterhalten, Ermittlungen führen – aber seine Autorität endet dort, wo der Sprengsatz beginnt. Diese symbolische Niederlage wirkt tief in das Vertrauen der Bevölkerung hinein. Wer am Morgen Brot kauft und am Nachmittag Splitter aus den Fenstern fischt, beginnt den Schutzversprechen des Rechtsstaats zu misstrauen. Ein solcher Erosionsprozess ist kein Kollateralschaden, sondern das strategische Ziel der Täter.

    Bemerkenswert ist die wortkarge Normalität, mit der solche Episoden in internationalen Debatten oft quittiert werden. Es entsteht der fatale Eindruck, Cúcuta sei eben „weit weg“ und kolumbianische Wirklichkeit entziehe sich westlichen Maßstäben. Diese Denkfigur ist gefährlich. Sie bereitet den Boden für eine schleichende Akzeptanz von Terror als Verhandlungsinstrument. Wer anfängt, Gewalt gegen Polizisten nur noch als regionale Besonderheit zu rubrizieren, hat den universalen Kern des Angriffs schon aufgegeben: den Angriff auf das Gewaltmonopol. Ohne dieses Monopol wird jeder Marktplatz zum Schlachtfeld und jede Straße zur Frontlinie.

    Die Verantwortlichen in Bogotá stehen vor keiner leichten Aufgabe, aber der Ausweg kann nicht in weiteren Friedensdialogen mit bewaffneten Gruppen liegen, die mitten in den Verhandlungen Polizeistationen in die Luft jagen. Solche Gespräche verkommen zur Farce, wenn parallel Feuer gelegt wird. Ein Staat, der das hinnimmt, demontiert seinen eigenen Anspruch auf Schutz. Eine konservative Sicherheitspolitik bestünde darauf, das Gewaltmonopol nicht nur zu deklamieren, sondern es mit allen rechtsstaatlichen Mitteln wiederherzustellen – und zwar bevor die nächste Bombe detoniert.

    Das ökonomische Argument kommt hinzu. Cúcuta ist eine Handelsstadt; Unternehmer schaffen keine Arbeitsplätze, wo die Angst vor Explosionen die Kalkulation bestimmt. Jeder Anschlag verfestigt Armut und erzeugt neue Verteilungskämpfe, aus denen die nächste Gewaltwelle erwächst. Wer hier nur auf humanitäre Soforthilfe setzt, ohne die Sicherheitslage grundlegend zu wandeln, pflastert denselben Weg, den die Bombenleger vorbereitet haben.

    Die elf Opfer in der Klinik sind deshalb nicht nur Mitleidsobjekte. Ihr Blut und ihre Schmerzen bezeugen eine einfache Wahrheit: Zivile Ordnung fällt nicht vom Himmel. Sie wird verteidigt oder sie verschwindet.

    Quelle: Aftenposten

  • – Sieht aus wie ein Raubüberfall am helllichten Tag.

    – Sieht aus wie ein Raubüberfall am helllichten Tag.

    Wenn sieben Milliarden Dollar einfach verdunsten, handelt es sich nicht um einen Betriebsunfall, sondern um die logische Konsequenz eines Systems, das privates Wirtschaften ersetzt hat durch politische Willkür. Die Frage, wo die venezolanischen Öleinnahmen geblieben sind, ist kein Rätsel, sondern eine Anklage. Die Antwort liegt in einem Labyrinth aus staatlichen Fonds, korrupten Eliten und einer Ideologie, die Reichtum als Beute betrachtet, nicht als etwas, das durch Arbeit, Sparen und kluge Investitionen gemehrt werden muss.

    Venezuela besaß einst die größten Ölreserven der Welt. Dass ein solches Land heute in Elend versinkt, während Milliardenbeträge unauffindbar bleiben, ist kein Zufall. Es ist das Ergebnis jahrzehntelanger Misswirtschaft, bei der die Verstaatlichung der Schlüsselindustrie den Produktionsapparat ruinierte und ein Klima schuf, in dem die Frage nach dem Verbleib öffentlicher Gelder nicht einmal mehr gestellt werden durfte. Wer in einem solchen Umfeld auf Transparenz pocht, gilt schnell als Feind des Volkes. Die Parallelen zu anderen gescheiterten Planwirtschaften sind offensichtlich, doch die internationale Linke hat es lange vorgezogen, darüber hinwegzusehen – aus falsch verstandener Solidarität mit einem Regime, das Armut und Unterdrückung exportiert.

    Der Kern des Problems ist kein regionales, sondern ein universelles. Es geht um das Grundvertrauen in Institutionen. Wenn die Bürger eines Staates nicht mehr nachvollziehen können, was mit den Erlösen aus ihren natürlichen Ressourcen geschieht, zerbricht der Gesellschaftsvertrag. Eine funktionierende Nation lebt von der Rechenschaftspflicht der Regierenden. Genau diese Pflicht wird systematisch ausgehöhlt, sobald die Politik sich anmaßt, die Wirtschaft zentral zu lenken. Die sieben Milliarden Dollar sind nicht einfach gestohlen, sie sind das Schmiermittel einer Struktur, die keine unabhängige Kontrolle mehr zulässt.

    Für die nordischen Länder, deren Wohlstand nicht auf Öl allein, sondern auf transparenten Institutionen, Rechtssicherheit und einer Kultur des Maßhaltens gründet, ist das venezolanische Beispiel eine Warnung. Es zeigt, wie rasch ein Staat erodiert, wenn das Primat des Privaten dem Primat eines allmächtigen Staatsapparats geopfert wird. Diejenigen, die heute auch hierzulande nach stärkerer staatlicher Lenkung, nach Subventionen ohne jede Gegenleistung und nach einer Ausweitung öffentlicher Fonds rufen, sollten zur Kenntnis nehmen, dass jeder undurchsichtige Topf irgendwann zur Blackbox wird. Nicht die Größe des Staates, sondern die Klarheit seiner Regeln und die Begrenztheit seiner Eingriffe sichern auf Dauer den Wohlstand.

    Es ist deshalb richtig und notwendig, dass solche Fälle international thematisiert werden, auch wenn es unbequem ist. Die Frage nach den verschwundenen Milliarden darf nicht in der Schublade diplomatischer Rücksichten verschwinden. Sie ist ein Lehrstück über die Gefahren einer Geisteshaltung, die wirtschaftliche Realitäten durch politische Wunschbilder ersetzt. Wo Reichtum nicht mehr verdient, sondern nur noch verteilt wird, endet die Verteilung unweigerlich in privaten Taschen, während der Mittelstand zerdrückt wird und die Armen im Stich gelassen werden. Venezuela hat diese Lektion auf blutige Weise erteilt. Der demokratische Westen täte gut daran, sie endlich zu lernen.

    Quelle: Aftenposten

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