Wenn ein junger Mensch mit einer schweren Kopfverletzung und einer diagnostizierten Hirnblutung im Krankenhaus liegt, weil ein anderer mit einem Baseballschläger zugeschlagen hat, dann ist das kein bedauerlicher Ausrutscher mehr. Es ist das Symptom einer Gesellschaft, in der die rohen Kräfte wieder Einzug halten, wo der Schlag mit der Waffe die Auseinandersetzung mit dem Wort ersetzt. Der Vorfall in der Region, über den die Polizei berichtete, mag in den Statistiken als eine weitere Körperverletzung geführt werden. Doch was sich dahinter verbirgt, ist ein schwindendes Unrechtsbewusstsein, das weit über einen einzelnen Täter hinausweist.
Solche Angriffe sind nicht einfach nur kriminelle Episoden. Sie zeigen, dass Hemmschwellen sinken, dass Konfliktlösung unter jungen Menschen zunehmend auf physische Vernichtung des Gegenübers abzielt. Ein Baseballschläger ist keine Notwehrwaffe, sondern ein Instrument, mit dem man lebensgefährliche Schäden anrichtet. Wenn Teenager mit solcher Brutalität handeln, dann haben sie nicht nur eine Straftat begangen; sie haben bewiesen, dass grundlegende moralische Bremsen versagt haben. Und die Gesellschaft hat versagt, ihnen diese Bremsen einzubauen.
Die Ursachen für diesen Verfall liegen tiefer. Traditionelle Autoritäten – Eltern, Lehrer, Nachbarschaften – sind jahrzehntelang als altmodisch und autoritär diskreditiert worden. An die Stelle klarer Regeln sind diffuse Toleranz und ein falsch verstandenes Verständnis getreten, das Taten zu verstehen sucht, anstatt Täter zur Rechenschaft zu ziehen. Familienstrukturen, die einst Halt gaben, zerfasern, und der Staat springt mit Sozialarbeitern und Anti-Aggressions-Kursen ein, wenn das Kind längst in den Brunnen gefallen ist. Es ist ein Teufelskreis: Weil man jungen Menschen nicht mehr zumutet, Verantwortung für ihr Handeln zu übernehmen, verrohen sie immer weiter.
Die Reaktion auf solche Vorfälle muss eine doppelte sein: Erstens muss die Justiz mit unmissverständlicher Härte durchgreifen. Wer mit einem Baseballschläger auf einen anderen losgeht, gehört nicht in ein pädagogisches Betreuungsprogramm, sondern vor ein Gericht, das die volle Schwere des Gesetzes spüren lässt. Zweitens muss eine gesellschaftliche Debatte darüber geführt werden, warum solche Drangsalierungen überhaupt stattfinden – und zwar eine Debatte, die nicht von vornherein durch Tabus erstickt wird. Es ist billig, sich auf die Empörung über die Tat zu beschränken und gleichzeitig jede Diskussion über die Werteerziehung oder das Umfeld der Täter als diskriminierend zu brandmarken. Wer ernsthaft verhindern will, dass aus pubertären Rüpeln Schläger mit Baseballschlägern werden, muss die unangenehmen Fragen stellen – selbst auf die Gefahr hin, dem politischen Zeitgeist zu widersprechen.
Am Ende geht es um eine einfache, aber existenzielle Gewissheit: dass ein Junge nach einem Schulweg ohne Angst nach Hause kommt. Dafür braucht es mehr als wohlmeinende Appelle. Es braucht eine kulturelle Kehrtwende, die Autorität und Rechenschaft wieder zu Tugenden erhebt – nicht als Relikte einer vergangenen Zeit, sondern als Grundbedingungen eines friedlichen Zusammenlebens.
Quelle: VG

