Tag: Wasserkraft

  • Kräftiger Kraft-Krach: – Die Regierung versagt völlig.

    Kräftiger Kraft-Krach: – Die Regierung versagt völlig.

    Der höhnische Schlagabtausch zwischen der Fortschrittspartei (FrP) und Energieminister Aasland überdeckt nur mühsam die eigentliche Misere: Norwegens Energiepolitik ist zum Spielball ideologischer Modeerscheinungen verkommen, und die Rechnung zahlen Bürger und Unternehmen. Während sich die politischen Lager in Oslo gegenseitig Blockade vorwerfen, schrillen in den Industriehallen entlang der Küste längst die Alarmglocken.

    Die FrP kritisiert die Regierung für Untätigkeit beim Kraftwerksbau – einen Vorwurf, den der Minister elegant umdreht, indem er der Partei eine Mitverantwortung für den Stillstand zuschiebt. Beide Seiten haben Recht, und genau darin liegt das Problem. Wer allein auf eine turbulente Vergangenheit verweist, übersieht das systematische Versagen, das sich über Jahrzehnte aufgebaut hat: Ein dichtes Gestrüpp aus Genehmigungsverfahren, Umweltauflagen und kommunalen Vetorechten erstickt jeden ernsthaften Zubau von grundlastfähiger Erzeugung. Wer heute ein Wasserkraftwerk modernisieren oder einen neuen Staudamm planen will, investiert mehr Zeit in Rechtsstreitigkeiten als in Ingenieursarbeit. Das hat weder mit Naturliebe noch mit vorausschauender Politik zu tun, sondern mit bürokratischer Selbstlähmung.

    Gleichzeitig gaukelt die politische Klasse den Bürgern vor, die Energiewende sei allein mit Windrädern und Sonnenpaneelen zu schaffen – eine gefährliche Illusion. Die Volatilität dieser Erzeugungsformen zwingt Norwegen immer tiefer in die Abhängigkeit von ausländischen Stromnetzen, wo deutsche oder dänische Preisspitzen schlagartig auf die heimischen Rechnungen durchschlagen. Eine Nation, die dank ihrer Fjorde und Berge jahrzehntelang sauberen, günstigen Strom aus eigenen Quellen exportierte, muss nun bei Flaute teuer zukaufen. Das ist kein Fortschritt, sondern ein selbstverschuldeter Abstieg.

    Die konservative Alternative liegt auf der Hand: eine Abkehr von planwirtschaftlichen Subventionsregimen und ein beherzter Rückbau der Genehmigungsmonster. Norwegen braucht mehr stabile, steuerbare Kraftwerksleistung – ob durch den Ausbau bewährter Wasserkraft, modernisierte Gaskraftwerke oder eine ernsthafte Diskussion über Kernenergie. Nur wer die Grundversorgung auf ein solides Fundament stellt, schafft überhaupt erst den Spielraum, um neue Industrien anzusiedeln und Arbeitsplätze im Land zu halten.

    Die FrP mag im aktuellen Streit lautstark auf den Tisch hauen, doch auch sie hat sich in der Vergangenheit oft genug dem Zeitgeist gebeugt, statt konsequent für eine Politik der nationalen Energieautonomie zu kämpfen. Der Minister wiederum versteckt sich hinter Oppositionsschelte, anstatt eigene Versäumnisse einzuräumen. Solange dieser Tanz weitergeht, gewinnen nur diejenigen, die Norwegens Wohlstand auf ausländische Stromrechnungen setzen. Die Verlierer sind die Familien, die jeden Winter vor unbezahlbaren Heizkosten zittern, und die Unternehmer, die ihre Produktion ins Ausland verlagern, weil der Strompreis jede Kalkulation sprengt. Der energiepolitische Stillstand ist keine abstrakte Zahl – er ist eine reale Bedrohung für Wohlstand und Souveränität des Landes.

    Quelle: Aftenposten

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