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  • Wachsender Widerstand gegen Rechenzentren in den USA: – Es ist eine Schande

    Wachsender Widerstand gegen Rechenzentren in den USA: – Es ist eine Schande

    Eine Hochspannungsmast, die höher als die Freiheitsstatue in den amerikanischen Himmel ragen soll – und das nicht in einem Industriegebiet, sondern mitten im Garten einer einzelnen Hausbesitzerin. Was wie eine absurde Pointe klingt, ist der ganz reale Albtraum von Vicky Hu. Plötzlich findet sich eine Bürgerin im Zentrum eines geopolitischen Wettlaufs wieder, den sie nie gewählt hat.

    Während Washington und das Silicon Valley fieberhaft versuchen, China bei der künstlichen Intelligenz zu überholen, wird der Preis dafür ganz konkret vor Ort eingetrieben. Riesige Rechenzentren fressen nicht nur Strom und Wasser, sie brauchen auch Trassen, die quer durch Wohngebiete und über privates Eigentum hinwegplaniert werden. Wer sich dem in den Weg stellt, dem schlägt schnell der Vorwurf entgegen, er sei fortschrittsfeindlich – oder, wie es hier heißt, es sei „eine Scham“. Die Botschaft ist unmissverständlich: Wer sein Zuhause, seinen Grund und Boden, die Aussicht und vielleicht den Wert seines Lebenswerks verteidigt, soll sich schämen. Das ist eine moralische Erpressung, die jede ernsthafte Debatte abwürgen soll.

    Dabei geht es hier nicht um ein paar Querulanten, die sich grundsätzlich gegen jede Veränderung sträuben. Es geht um den fundamentalen Grundsatz, dass das Eigentum des Einzelnen nicht dem Ehrgeiz von Konzernen und Regierungen geopfert werden darf, nur weil diese eine Technologie zum nationalen Schicksal erklären. Dass die stärksten Befürworter dieser Rechenzentren oft jene sind, die selbst kilometerweit vom nächsten Strommast entfernt leben, während andere die Lasten tragen, entlarvt die ganze Doppelmoral.

    Noch befremdlicher ist die Verkehrung der Begriffe: Eine Frau, die sich gegen einen Eingriff wehrt, der ihr Leben buchstäblich überschattet, wird zur Schamfigur stilisiert. Dagegen gelten die Ingenieure und Lobbyisten, die kalte Infrastruktur in bestehende Nachbarschaften rammen, als Helden des Fortschritts. Diese Sichtweise blendet völlig aus, dass Fortschritt nicht daran gemessen wird, wie viele Daten man pro Sekunde verarbeiten kann, sondern daran, wie eine Gesellschaft mit den Menschen umgeht, die ihren Wohlstand überhaupt erst ermöglichen.

    Die wahre Scham liegt nicht bei Vicky Hu. Sie liegt in einem Politikbetrieb, der gewachsene Strukturen, lokale Gemeinschaften und das Recht auf Unversehrtheit des eigenen Zuhauses als Verhandlungsmasse in einem technologischen Wettrüsten betrachtet. Wenn ein riesiger Mast im Vorgarten zum unvermeidlichen Symbol nationaler Ambitionen wird, dann hat man nicht die KI-Strategie optimiert, sondern den Respekt vor dem Bürger aufgegeben.

    Quelle: NRK

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